29.03.2015
Konsumfest Ostern

Wenn die Kinder Osterwunschzettel vorlegen

"Das ist ja fast wie Weihnachten": Mittlerweile bekommen viele Kinder auch zu Ostern große Geschenke. Der Handel lockt mit Extra-Angeboten und Kinder schreiben Osterwunschzettel. Wie können Eltern dem Konsumwahn gegensteuern?
Ein Fahrrad vom Osterhasen
Bringt der Osterhase ein neues Fahrrad? Viele Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt, ihren Kindern etwas Großes zu Ostern zu kaufen.

Der kleine Nicholas aus Köln blättert eifrig in einem Spielzeugkatalog: "Zu Ostern wünsche ich mir das hier. Und das ist auch cool. Oder das." Auf den Einwand seiner Mutter, der Osterhase bringe doch nur Eier und Schokohasen, lächelt der Siebenjährige überlegen: "Ich weiß schon lange, dass ihr die Eier versteckt. Und außerdem bekommen alle aus meiner Klasse was zu Ostern."

Das traditionelle Schokoladen-Osternest kann bei den meisten Kindern allein nicht mehr punkten. Sie erwarten ein zumindest mittelgroßes Geschenk dazu, sei es ein neuer Fußball, ein PC-Spiel oder ein Gutschein fürs Downloaden von Musik aus dem Internet. Aber auch Roller und Inline-Skater sind mittlerweile Osterpräsente. Und immer mehr Erwachsene beschenken sich gegenseitig mit Blumen, Parfum oder Büchern. Wird Ostern zum neuen Konsumfest?

30 Millionen Euro Mehrumsatz

"Der Handel mache in einem Ostermonat über 30 Millionen Euro Mehrumsatz", sagt Willy Fischel, der Geschäftsführer des Bundesverbands des Spielwaren-Einzelhandels (BVS). "Damit ist Ostern nach Weihnachten und Geburtstag der drittwichtigste Geschenkanlass für Kinder."

Dossier

Ostern

Fastenzeit, Passion, Ostern und Auferstehung - was verbirgt sich hinter diesen Begriffen? In unserem Themen-Dossier "Ostern" finden Sie spannende Artikel, Informationen und Tipps zu den christlichen Fest- und Feiertagen.

Auf die traditionelle Osterschokolade verzichten die meisten deswegen nicht: 206 Millionen Osterhasen werden nach Auskunft des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie (BDSI) jährlich verkauft, ein Teil davon ins Ausland. "Der Hase ist dabei der uneingeschränkte Favorit, noch vor dem Nikolaus mit 196 Millionen", sagt Sprecherin Solveig Schneider.

Eltern unter Druck

Viele Eltern fühlen sich unter Druck gesetzt, ihren Kindern etwas Großes zu Ostern zu kaufen: "Meine Kinder argumentieren, dass alle ihre Freunde etwas bekommen. Ich finde es schwierig, mich völlig dagegenzustemmen", findet die dreifache Mutter Anna Große. "Dem Peergroup-Druck ist man permanent ausgesetzt, und das wird durch die Werbung verstärkt", sagt der Soziologe Michael Jäckel von der Universität Trier dazu.

Dass sich Geschenktraditionen mit der Zeit änderten, sei auch nicht so ungewöhnlich, so sei etwa auch Weihnachten früher anders gefeiert worden als heute: "Wir sehen hier eine langsame Abkehr von bislang sehr christlich geprägten Festen."

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Auch habe sich das Bild der Kernfamilie geändert: "Viele Eltern haben heutzutage weniger Zeit, wodurch Familienrituale seltener geworden sind." An Festen wie Ostern und Weihnachten werde dann vieles übersteigert, um für den Rest des Jahres zu kompensieren. Und das lasse sich dann auch an den Geschenken messen.

"Sich zu beschenken ist menschlich"

Der Religionspädagoge Michael Wermke von der Universität Jena hat erst einmal nichts gegen Geschenke einzuwenden: "Sich zu beschenken ist menschlich." Auch das Reich Gottes sei schließlich ein Geschenk an die Menschen. Allerdings weist er daraufhin, dass der Beschenkte keinerlei Anspruch auf ein Geschenk habe: "Geschenke kommen unvorbereitet und verfolgen keinen Zweck, außer dem, dem Beschenkten eine Freude zu machen. Durch eine Anspruchshaltung wird dagegen der Charakter des Geschenks zerstört", erklärt der Theologe. Um einem Konsumrausch zu Ostern entgegenzusteuern, rät er Eltern dazu, mit ihren Kindern darüber zu reden, was es bedeutet, beschenkt zu werden.

Die christliche Botschaft zu Ostern gerate unterdessen zunehmend in Vergessenheit: "Auch viele Eltern haben heute nur noch wenig mit Ostern zu tun und kennen sich selbst nicht mehr gut aus." Aber die Welt sei so komplex geworden, dass Eltern auch gar nicht den Anspruch an sich selbst haben sollten, immer alles zu wissen, findet Wermke: "Viel besser ist es, sich gemeinsam zu fragen: Wie ist das eigentlich mit Ostern? Was feiern wir denn da? Und sich dann zusammen mit den Kindern auf die Suche nach Antworten zu begeben."

Dazu könne etwa geeignete Kinderliteratur beitragen. "Das Erzählen beziehungsweise Vorlesen der biblischen Geschichte kann helfen, den christlichen Ursprung des Osterfests wieder in Erinnerung zu rufen", sagt auch die Kinderbuchautorin Renate Schupp. Denkbar ist außerdem, sich als Familie auf das Fest vorzubereiten, etwa durch gemeinsames Basteln oder Dekorieren der Wohnung. Und viele Kirchengemeinden laden am Ostersonntag zu Familiengottesdiensten ein.

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