13.04.2017
Reformationsjahr lockt Touristen

Luther boomt

Das 500. Reformationsjubiläum lockt immer mehr Gäste in die bayerischen Lutherstädte. In Augsburg etwa ist die zusätzliche Nachfrage schon jetzt deutlich spürbar: Die Führungen zum Thema Luther und Reformation sind sehr gefragt. Und auch anderswo brummt es.
Lutherstiege in der Kirche St. Anna in Augsburg
Lutherstiege in der Kirche St. Anna in Augsburg

Schon der Januar war eine echte Überraschung für Götz Beck: »Wir hatten da bereits so viele Buchungen für Lutherführungen wie sonst das ganze Jahr über«, berichtet der Augsburger Tourismus-Direktor. »Außergewöhnlich groß« sei das Interesse an den Themen Luther und Reformation, meint Beck. Man habe zwar mit hoher Nachfrage gerechnet: »Aber dass es so stark wird, das hatten wir im Vorfeld nicht erwartet.«

Am 31. Oktober 2016, dem Reformationstag, startete die evangelische Kirche das Jubiläumsjahr zu 500 Jahren Reformation. Nun, zur Halbzeit nach sechs Monaten, sieht es so aus, als könnte das Lutherjahr der Tourismusindustrie ein kräftiges Plus bescheren – auch in den bayerischen Lutherstädten.

Stadtführer-Mangel drohte

In Augsburg jedenfalls boomt das Thema: Zwischenzeitlich drohten dort wegen der großen Nachfrage sogar die Stadtführer zum Thema Luther auszugehen. »Wir haben noch einmal nachqualifiziert«, sagt Götz Beck. Ähnliches berichtet Frank Kreiselmeier. Der Pfarrer der evangelischen Kirche St. Ulrich in Augsburg bietet zusammen mit einem Team aus Pfarrerinnen und Pfarrern spezielle evangelische Stadtführungen an. »Derzeit brummt es«, sagt Kreiselmeier: »Wir können die Anfragen kaum bewältigen.«

Das Team hat deshalb ebenfalls zwei zusätzliche neue Führer ausgebildet. Eine Kollegin führe die Gäste jetzt auch in englischer Sprache zu den Augsburger Stätten der Reformation. »Da haben wir verstärkt Anfragen«, meint Kreiselmeier.

Das Interesse amerikanischer Touristen an den Themen Luther und Reformation sei grundsätzlich groß, bestätigt auch Götz Beck. Viele Besucher erwarte man außerdem aus der Schweiz. Wie viele ausländische Gäste tatsächlich den Weg in Bayerns Lutherstädte finden werden, sei jedoch noch offen. Den Löwenanteil der Luther-Touristen stellten bisher deutsche Städtereisende, meint der Augsburger Tourismus-Chef.

Landesausstellung wirft ihre Schatten voraus

Ein Trend, den sein Kollege Michael Amthor bestätigt: »Der Schwerpunkt liegt bei den innerdeutschen Gästen«, sagt der Coburger Leiter für Tourismus und Stadtmarketing. Auch Amthor registriert zum Reformationsjubiläum eine »verstärkte touristische Nachfrage«.

So werfe die bevorstehende bayerische Landesausstellung »Ritter, Bauern, Lutheraner«, die am 8. Mai in Coburg beginnt, touristisch ihre Schatten voraus. Mit 100 000 Austellungsbesuchern rechnet Amthor: »Viele Gastronomen und Hoteliers sagen, sie haben so viele Anfragen wie noch nie«, berichtet er.

Mit dazu beigetragen haben dürfte auch eine bundesweite Kampagne der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), die schon 2016 startete. Die DZT hat dafür unter anderem acht Städtetouren zur Reformation ausgearbeitet. Auch Augsburg, Coburg und Nürnberg liegen auf den Routen.

Die Touren seien für Städtetouristen sehr attraktiv, sagt die Nürnberger Tourismus-Direktorin Yvonne Coulin. »Wenn ich in diesem Jahr eine Städtetour machen würde, würde ich mir das Thema Luther aussuchen«, sagt Coulin. In jeder Stadt gebe es besondere Angebote: »In einer solchen inhaltlichen Dichte wie in diesem Jahr bekommt man das Thema sonst nie präsentiert.«

Wo Luther vor dem Kardinal floh

In Augsburg interessieren sich die Besucher dabei vor allem für die Geschichte der Reformation und das Verhältnis der Konfessionen untereinander, berichtet Pfarrer Kreiselmeier: »Oft begeben sie sich aber auch gezielt auf Spurensuche nach Martin Luther.«

Der Reformator war 1518 in Augsburg. Auf dem Reichstag musste er dem päpstlichen Kardinal Cajetan Rede und Antwort stehen. 1530 wurde in der Stadt das Augsburger Bekenntnis, die »Confessio Augustana«, verlesen. Im Jahr 1555 schlossen Katholiken und Protestanten hier den Augsburger Religionsfrieden.

Vielen Touristen sei diese Bedeutung Augsburgs während der Reformation gar nicht bewusst, meint Frank Kreiselmeier. »Sie sind oft erstaunt, dass es hier eine so starke evangelische Geschichte gibt.« Das Reformationsjahr, so der Pfarrer, biete daher die Chance, »den Besuchern einen neuen Blick auf das protestantische Augsburg zu vermitteln.«

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Sonntagsblatt