29.10.2018
Reformationsjubiläum: Tag mit Goldrand

Synodalpräsidentin Preidel ein Jahr nach dem Reformationsjubiläum

Der 31. Oktober 2017 war für die Protestanten ein denkwürdiger Tag: Ein staatlicher Feiertag zum 500-jährigen Gedenken an den Thesenanschlag Martin Luthers. Annekathrin Preidel, die Präsidentin der bayerische evangelischen Landessynode, spürt die Aufbruchsstimmung bis heute.
Annekathrin Preidel
Annekathrin Preidel

epd: Der Reformationstag wird in diesem Jahr in Niedersachsen erstmals gesetzlicher Feiertag sein. Wollten Sie, dass er in Bayern auch ein gesetzlicher Feiertag wird?

Annekathrin Preidel: Das wäre schon wünschenswert. Wir haben das Reformationsjubiläum ja bewusst als Staat und Kirche gefeiert und man könnte nun auf eine gute Art und Weise immer wieder deutlich machen, wo unsere Wurzeln liegen, dass wir als Gesellschaft ohne Reformation nicht an dem Punkt wären, an dem wir heute sind: eine Gesellschaft, die die Menschenrechte, Demokratie und Freiheit stark betont. Ein solcher Feiertag müsste dann auch gut gestaltet werden, so gut wie das Reformationsjubiläumsjahr gestaltet war.

epd: Also wäre Ihnen ein Feiertag am Reformationstag lieber als der verloren gegangene Buß- und Bettag?

Preidel: Der Buß- und Bettag ist auf jeden Fall ein Tag, den wir vermissen, den haben wir allzu schnell aufgegeben. Das wäre natürlich auch ein Aspekt bei der Einführung eines weiteren kirchlichen Feiertags, dass man noch einen Akzent auf den Reformationstag legen könnte.

epd: Frau Preidel, schon wieder steht der Reformationstag vor der Tür. Wie schnell ist denn das letzte Jahr für Sie vergangen? War das Reformationsjubiläum abgehakt und wieder was Neues in der Kirche dran?

Preidel: Das Jahr ist schnell vergangen. Wenn ich mich an den 31. Oktober 2017 erinnere - ein Tag mit Goldrand, die Sonne hat geschienen, blauer Himmel, die Menschen sind in die Kirche geströmt: Das hat ein Zeichen gesetzt und deswegen ist das noch lange nicht abgehakt. Ich fand, es ist eine ungeheure Aufbruchstimmung entstanden, nicht nur von dem Jubiläumsjahr, sondern auch von der ganzen Dekade. Die Beschlüsse unserer Synode in Coburg zum Zukunftsprozess unserer Landeskirche "Profil und Konzentration" haben ebenfalls zur Aufbruchstimmung beigetragen. Und dieser Prozess zeigt: Die Reformation geht weiter.

Wir feiern auch weiter. Jetzt in diesem Jahr begehen wir das 70-jährige Partnerschaftsjubiläum mit der mecklenburgischen Kirche. Aus dem Reformationsjubiläum haben wir auch Ideen herübergerettet, diese Partnerschaft mit Mecklenburg auf gute Beine zu stellen: Für ein Pop-Oratorium üben wir hier bei uns in Bayern und in Mecklenburg Chorstimmen ein und werden es dann hier und dort aufführen.

epd: Es herrscht also keine Katerstimmung nach dem Reformationsjubiläum?

Preidel: Ja. Null Katerstimmung, für uns in der Bayerischen Landeskirche kann ich das sagen. Es ist gut gewesen, dass wir die Vorbereitungen in die Dekanate und Gemeinden gegeben haben und sich die Kirchen vor Ort mit der eigenen Geschichte auseinandergesetzt haben, das hat sehr viel Dynamik ausgelöst.

epd: Das Reformationsjubiläum und die gesamte Lutherdekade hat auch viel in der Ökumene bewegt. Ist da der Schwung nicht wieder raus?

Preidel: Der Schwung ist deutlich zu spüren und der bleibt auch. Wir haben den großen Vorteil, dass wir in München das "Headquarter" der Ökumene mit Kardinal Marx und Landesbischof Bedford-Strohm haben, die auf sehr kurzem Wege miteinander ins Gespräch kommen. Ich habe das Reformationsjubiläum aber auch weltweit erlebt und die Auswirkungen wurden jetzt bei der Tagung der GEKE (Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa) in Basel deutlich gesehen, als im Gottesdienst die gemeinsame Absichtserklärung der evangelischen und katholischen Kirche europaweit in den Dialog zu treten, unterzeichnet wurde.

epd: Wenn wir hier in Franken auf das Reformationsjubiläum zurückblicken, müssen wir auch auf den Hit der Dekade schauen, den Playmobil-Luther, der über eine Million Mal verkauft wurde: Wie viele haben Sie im Reformationsjubiläum verschenkt und wie viele dieser Männchen sind Ihnen geblieben?

Preidel: Der Playmobil-Luther war ein genialer Werbetrick - überzeugender als etwa die Luthersocken. Er hat optisch und spielerisch die Reformation für die Kinder deutlich gemacht. Denn die nachwachsenden Generationen sollten etwas mit der Reformation anfangen können. Warum nicht spielerisch mit der Lutherfigur? Ich habe unzählige als Gastgeschenke verschenkt. Ich selber habe zwei: Sie stehen jeweils auf meinem Schreibtisch in München und in Erlangen.

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Autor
Luther als Labyrinth, Graffiti, im Theater, auf Socken und als Playmobil-Figürchen: Vergangenes Jahr, im Jubiläumsjahr "500 Jahre Reformation", war Martin Luther überall, nicht nur in der Kirche. Und einen Feiertag hat er uns im letzten Jahr auch beschert. Wir fragen heute: Was ist geblieben vom großen Reformations-Hype? Ein zusätzlicher Feiertag jedenfalls nicht. Jasmin Kluge weiß mehr.