23.03.2018
Reformprozess

PUK-Arbeitsgruppe "Gemeinde im Raum": Detlev Bierbaum berichtet

Wenn die Kirche präsent sein will im Raum - wie muss sie dann aussehen? Oberkirchenrat Bierbaum informiert über die Arbeit der AG "Gemeinde im Raum".
Gemeinde im Raum AG PUK

Oberkirchenrat Detlev Bierbaum leitet die Arbeitsgruppe B "Gemeinde im Raum" innerhalb des Reformprozesses "Profil & Konzentration" (PuK). Insgesamt gibt es sechs Arbeitsgruppen mit jeweils rund zehn Mitgliedern. Wir haben nachgefragt, wie die AGs arbeiten und welche Themen besonders wichtig sind.

 

Wie ist Ihre Arbeitsgruppe bislang vorgegangen?

Zunächst haben wir als Gesamtteam für unsere AG verschiedene Themenfelder erhoben, die uns für die Arbeit Gemeinde im Raum von Bedeutung scheinen:

  • Logik und Wahrnehmung der Räume in der ELKB klären
  • Klärung der zukünftigen Steuerung der Ressourcen im Raum
  • Erweiterung des Begriffes "Gemeinde" – Gemeinde ist in der ELKB mehr als die Parochie.
  • Intensivere Wahrnehmung der Partner und Mit-Akteure im Sozialraum
  • Stärkung der Selbstverantwortung der Räume in der ELKB
  • Verändertes Denken "im Raum" braucht "Change"-Prozesse in Personalausbildung, Personalentwicklung und Personalqualifikation.
  • Bestehende Strukturen haben eine enorme Wirkmächtigkeit (Beispiel: Immobilien) – nötig ist eine Flexibilisierung der Rahmenbedingungen.

Um nicht in der Vielfalt der Themen zu ertrinken haben wir priorisiert. Vordringlich bearbeitet wurde zunächst das Thema "Raum", dabei die Frage nach Raumerkundung (auch in Verknüpfung mit der AG Kirche im Raum) und Ressourcensteuerung im Raum (administrative Frage); immer wieder klingen jedoch auch (schon) die weiteren Schwerpunktthemen Mentalitätswechsel und "Weglassen" an.

 

Welche Themen diskutieren Sie?

Ich wähle den Punkt im strategischen Leitsatz: "Gemeinde im Raum ….. gestaltet diese Gemeinschaft in konkreten Lebensräumen….. und ermöglicht vielfältige Formen von Gemeinde und Beteiligung. …macht Vernetzung zu einem Qualitätsmerkmal"

Das erweitert den Begriff von Gemeinde und entlastet davon, dass in der Parochie  für Gemeindeglieder alles vor-"find"-bar sein muss oder sie sich hier ein-"finden". Gemeindeglieder gestalten ihr Leben in der überwiegenden Mehrzahl jenseits der kerngemeindlichen Gesellungsformen – sind aber dennoch der Kirche verbunden. D.h. sie nehmen Kasualien in Anspruch, feiern Festgottesdienste mit, ihr Kind besucht den Kindergarten der Diakonie, interessehalber wird eine Veranstaltung der Erwachsenenbildung ausgewählt, oder man ist Patient/Patientin in dem Krankenhaus vor Ort.  Wie wird an diesen Orten "Gemeinde" gelebt und erlebbar?

Für die Zukunft wird die nachbarschaftliche Zusammenarbeit von Gemeinden – und die Zusammenarbeit mit "säkularen Partnern" – an Bedeutung gewinnen. In diesem Zusammenhang wird sich die Arbeitsgruppe mit dem Zusammenspiel von Gemeinden, Schulen, diakonischen Trägern u.a. im Sozialraum beschäftigen. Wie sehen Regio-lokale Netzwerke aus, die die Stärke der Partner nutzen, gute Angebote im Sozialraum machen damit Menschen "die heilsame Botschaft des Evangeliums" in Wort und Tat erleben. Und: Was bedeutet das aber alles für den personellen und finanziellen Ressourceneinsatz?

 

Wo sieht Ihre Arbeitsgruppe die größten Herausforderungen im PuK-Prozess?

In der AG bewegt uns sehr Frage, wie der Mentalitätswechsel gelingen kann, hin zu den Möglichkeiten einer vernetzten – von den Aufgaben des Raumes her gedachten – Arbeit: Kirche präsent im Raum. Außerdem ist die Frage zu stellen, wie Ressourcen frei werden, um sich (neuen) Aufgabenfeldern zu stellen, die nicht einfach "on top" gesetzt werden; also das Thema: "Weglassen"; oder charmanter formuliert: "Lassen und Entwickeln".

Wichtig ist neben dem allem aber auch die Botschaft, dass längst schon vieles in die von PuK gedachte Richtung läuft, dass nicht alles neu erfunden werden muss, dass es nicht um "on top" geht und dass bisherige Arbeit als wert- und sinnvoll geschätzt wird.

Kirchlicher Reformprozess: »Profil & Konzentration« (PUK)

Die bayerische Landeskirche hat 2016 mit einem umfassenden Reformprozess begonnen. Unter dem Titel »Profil und Konzentration« soll bis 2022 die Kirche grundlegend umstrukturiert werden. Das Sonntagsblatt begleitet den Prozess mit einer Artikelserie. Verlinken Sie uns: Alle Artikel zum Thema »Profil & Konzentration« finden Sie unter www.sonntagsblatt.de/puk

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Reformprozess: online@epv.de

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Zukunft der Kirche

Die bayerische Landeskirche verändert sich. Allein 2016 hat sie rund 48.500 Mitglieder verloren. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung, aber auch die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft. Andererseits gehören in Bayern immer noch rund 2,4 Millionen Menschen der evangelischen Kirche an – so viele wie im Jahr 1970. Während die Kirche damals nur 1.400 Pfarrerinnen und Pfarrer zählte, ist die Zahl inzwischen auf rund 2.400 angewachsen. Der Reformprozess "Profil und Konzentration" untersucht diesen Wandel – und möchte Anstoß geben für Veränderungen.

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