23.03.2018
Reformprozess

PUK-Arbeitsgruppe "Kirche und Diakonie": Stefan Blumtritt berichtet

Mit einem Rollenspiel und einer Konsultation arbeitet die Arbeitsgruppe "Diakonie und Kirche" des PuK-Prozesses. Was das bringt, erklärt Dekan Blumtritt.
PUK AG Kirche und Diakonie

Dekan Stefan Blumtritt leitet die Arbeitsgruppe "Kirche und Diakonie" innerhalb des Reformprozesses "Profil & Konzentration" (PuK). Insgesamt gibt es sechs Arbeitsgruppen mit jeweils rund zehn Mitgliedern. Wir haben nachgefragt, wie die AGs arbeiten und welche Themen besonders wichtig sind.

Wie ist Ihre Arbeitsgruppe bislang vorgegangen?

Wir haben zunächst versucht, die verschiedenen Kulturen wahrzunehmen. Kirche und Diakonie haben sehr unterschiedliche Entscheidungswege und Strukturen. Sie wissen voneinander, aber es gibt auch ein gegenseitiges freundliches Ignorieren. Insgesamt kommt es zu selten zu einer intensiven Zusammenarbeit. Die Denk- und Verwaltungswege sind sehr verschieden, was natürlich auch mit der sehr unterschiedlichen Entstehungsgeschichte zusammenhängt.

 

Um uns einander anzunähern, haben wir ein Rollenspiel gemacht. Damit wollten wir feststellen, was Menschen in einem fiktiven Quartier eigentlich brauchen. Als Modell diente ein Viertel in der zweitgrößten bayerischen Stadt. Wir haben uns gefragt, an welchen Punkten zum Beispiel ein Tankstellenwärter, eine Aussiedlerin oder eine Alleinerziehende in Kontakt kommen mit Kirche und Diakonie. Und wir haben festgestellt: Kirchliche Anbieter werden von diesen Menschen kaum wahrgenommen. Die Fragen, die aus diesem Rollenspiel resultierten, haben wir genutzt, um zu überlegen, welche leitenden Fragestellungen es für die gemeinsame Beplanung eines Quartiers durch Diakonie und Kirche geben müsste.

 

Viel Zeit beansprucht ferner die Organisation einer Konsultation zu Kirche und Diakonie am 22. Juni. Hier laden wir Menschen aus unterschiedlichen Tätigkeitsbereichen ein – kirchliche und diakonische Mitarbeiter, Experten, Beauftragte, Pfarrer, Verbände, externe Impulsgeber aus dem sozialen Bereich. Sie alle sollen ihre Ideen und Erfahrungen einbringen. Wir wollen diskutieren, wo ein Zusammenspiel wünschenswert und sinnvoll wäre, und fragen: Was hindert Kirche und Diakonie, zusammenzuarbeiten, was bringt sie voran? Die Konsultation ist ergebnisoffen. Wir werden dann sehen, wie wir mit den Fragen umgehen.

 

Welche Themen diskutieren Sie in der Arbeitsgruppe?

Ein wichtiges Thema ist die Frage nach der Ausbildung in Diakonie und Kirche. Religionspädagogen, Diakone, Erzieher und Sozialpädagogen werden derzeit weitestgehend isoliert voneinander ausgebildet. Wie sollen sie aber gemeinsame Dinge entwickeln, wenn sie sich nie kennengelernt haben? Wir müssen überlegen, wie die Ausbildung gebündelt und ausgerichtet werden kann, so dass hier Austausch und Verbindung möglich wird.

 

Wo sieht Ihre Arbeitsgruppe die größten Herausforderungen im PuK-Prozess?

Der Prozess wird sich dann beweisen, wenn es darum geht, eine ungewöhnliche Idee, die basisdemokratisch und breitenwirksam entstanden ist, auch zu verwirklichen. Ich glaube, dass wir lernen müssen, dass der Prozess kein Anfang und kein Ende hat, sondern auch nach dem Abschlusspapier weiterlaufen muss. Wir müssen als Kirche in sehr viel kürzeren Abständen - also alle drei bis fünf Jahre - unsere Prozesse und Stellen an gesellschaftliche Herausforderungen anpassen.

 

Wie in jedem Prozess gibt es bei PuK manche Menschen, die tief enttäuscht sind, etwa weil ihre Erfahrungen in früheren Prozessen nicht berücksichtigt wurden oder ihre Ideen nicht gehört wurden. Dies nehmen wir ernst und wollen Überzeugungsarbeit leisten. Auf der anderen Seite gibt es aber viele Menschen unterschiedlicher Altersstufen, die mitgestalten wollen und gerne mitmachen.

 

Ich bin davon überzeugt, dass viele Berufsbilder durch solch einen Prozess auf den Kopf gestellt werden. Das betrifft das Pfarramt als Ganzes ebenso wie die Arbeit der Diakone, Sozialpädagogen oder religionspädagogischen Mitarbeitenden. Und dieser Wandel wird auch wehtun, weil er unter anderem damit verbunden ist, bisherige Verantwortung zu teilen.

 

Kirchlicher Reformprozess: »Profil & Konzentration« (PUK)

Die bayerische Landeskirche hat 2016 mit einem umfassenden Reformprozess begonnen. Unter dem Titel »Profil und Konzentration« soll bis 2022 die Kirche grundlegend umstrukturiert werden. Das Sonntagsblatt begleitet den Prozess mit einer Artikelserie. Verlinken Sie uns: Alle Artikel zum Thema »Profil & Konzentration« finden Sie unter www.sonntagsblatt.de/puk

Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Reformprozess: online@epv.de

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Zukunft der Kirche

Die bayerische Landeskirche verändert sich. Allein 2016 hat sie rund 48.500 Mitglieder verloren. Gründe dafür sind die demografische Entwicklung, aber auch die fortschreitende Säkularisierung der Gesellschaft. Andererseits gehören in Bayern immer noch rund 2,4 Millionen Menschen der evangelischen Kirche an – so viele wie im Jahr 1970. Während die Kirche damals nur 1.400 Pfarrerinnen und Pfarrer zählte, ist die Zahl inzwischen auf rund 2.400 angewachsen. Der Reformprozess "Profil und Konzentration" untersucht diesen Wandel – und möchte Anstoß geben für Veränderungen.

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