23.03.2017
Stiftungen

Stiftung Evangelische Versöhnungskirche Dachau

Die Versöhnungskirche wurde 1967 auf Initiative von überlebenden Häftlingen auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau errichtet. Jährlich kommen mehr als 100.000 Gedenkstättenbesucher auch in die Versöhnungskirche.

Die Evangelische Versöhnungskirche befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Dachau. Ihre Betonmauern passen sich der weiß-grauen Umgebung der KZ-Gedenkstätte an. Eine Initiative von ehemaligen Häftlingen gründete 1967 die Versöhnungskirche. Hauptaufgabe von Pfarrer Björn Mensing, Diakon Klaus Schulz und Teamassistentin Monika Müller-Richter ist die Begleitung der Gedenkstättenbesucher und die Erinnerungsarbeit.

Die Versöhnungskirche bietet kostenlose Führungen für Schulklassen und Erwachsene aus der ganzen Welt an und organisiert Vorträge und Ausstellungen. Pro Jahr werden mittlerweile 250 Gruppen-Führungen mit jeweils 25 Personen gemacht, berichtet Mensing. Der Kreis von rund 15 aktiven Ehrenamtlichen hilft im Wesentlichen im Präsenzdienst in der Kirche und im Gesprächs- und Ausstellungraum, kümmert sich darum, dass immer genügend Kerzen da sind, eine frische Blume auf dem Altar steht und vieles mehr. "Es hat sich eine Art kleine Personalgemeinde gefunden", beschreibt Mensing das Engagement.

Aktion Sühnezeichen Friedensdienste

Außerdem bekommt die Versöhnungskirche Unterstützung durch junge Freiwillige aus aller Welt von der "Aktion Sühnezeichen Friedensdienste". Eine weitere Aufgabe der Stiftung ist die Betreuung von Opfern der NS-Zeit und deren Angehörigen. Dabei gehe es in erster Linie um die seelsorgerliche Begleitung, darum, mit den Betroffenen in Verbindung zu bleiben, erklärt Pfarrer Mensing. Außerdem unterstützt die Stiftung Menschen, die heute Diskriminierung und Verfolgung ausgesetzt sind.

Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau

Auch an dem Projekt "Gedächtnisbuch für die Häftlinge des KZ Dachau", in dem die einzelnen Schicksale von Häftlingen dokumentiert werden, ist die Versöhnungskirche beteiligt. Ein Herzensprojekt ist die Ausstellung "Kicker, Kämpfer, Legenden. Juden im deutschen Fußball". Sie zeigt, was jüdische Fußballspieler, Trainer und Funktionäre alles im deutschen Fußball bewegt haben und thematisiert Rassismus auch bei Fußballfans. Die Ausstellung ist als Leihausstellung konzipiert. "Wir erreichen so einen ganz neuen Kreis", sagt Björn Mensing.

Die Stiftung Evangelische Versöhnungskirche Dachau engagiert sich auch in Dachau selbst. So ist sie Gründungsmitglied bei dem "Runden Tisch gegen Rassismus Dachau", einer Initiative engagierter Jugendlicher. Sich lokal einzubringen sei wichtig, so der Pfarrer. Die Versöhnungskirche engagiert sich auch für Dachauer Euthanasie Opfer der NS-Zeit, damit sie auch ihren Platz in der lokalen Geschichte finden und nicht in Vergessenheit geraten.

Kuratorium der Versöhnungskirche

Um diese vielfältige aber auch zeitintensive Arbeit weiterhin leisten zu können, hat das Kuratorium der Versöhnungskirche die Stiftung auf den Weg gebracht, die 2007 gegründet wurde. Stiftungszweck im engeren Sinne ist die Finanzierung der Diakonstelle, die den kirchlichen Sparmaßnahmen zum Opfer gefallen war. Im weiteren Sinne wird durch die Einkünfte der Stiftung die gesamte Erinnerungsarbeit, die die Versöhnungskirche in der Gedenkstätte leistet, sichergestellt. "Neben der Bayerischen Landeskirche und der Evangelische Kirche Deutschland haben sich Gliedkirchen aus dem ganzen Land mit größeren Summen an der Stiftung beteiligt", erzählt Pfarrer Björn Mensing.

2017 feiert die Stiftung ihr zehnjähriges Jubiläum. Im Video spricht der Pfarrer über die Wichtigkeit des Erinnerns und was es für die Angehörigen bedeutet.

Stiftungen

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