15.05.2018
Islamischer Fastenmonat

Eine deutsch-türkische Familie im Ramadan

Heute beginnt der islamische Fastenmonat Ramadan. Für praktizierende Muslime bedeutet das 30 Tage der Enthaltsamkeit von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. Am Ende steht eines der höchsten Feste im Islam mit Geschenken und Familienfeier. Die Muslima Filiz Fischer lebt in Nürnberg und ist mit einem Christen verheiratet. Wie sie den Ramadan begeht, erzählt sie im Beitrag.

Mit dem ersten Sonnenstrahl fängt das Fasten an. Bis zum Einbruch der Dunkelheit heißt es nun: Nichts darf in den Körper hinein, kein Essen und kein Trinken. Aber auch Rauchen und Sex sind tabu, nur bei Medikamenten gibt es Ausnahmen. Durch ihre Enthaltsamkeit zeigen die Muslime Dankbarkeit für das, was sie haben, und Mitleid für die Menschen, die wenig haben. Es geht aber auch darum, Gott zu gefallen. Erst wenn die Sonne am Horizont verschwunden ist, kann das Abendessen (iftar) beginnen - häufig mit einem Glas Wasser und einer Dattel.

Der Fastenmonat Ramadan kombiniert Genuss und Verzicht.

In der Familie von Filiz Fischer fastet nur sie allein. Das Kochen für den elfjährigen Sohn Maruk und seinen christlichen Vater muss Filiz jetzt also ohne Abschmecken hinkriegen. Kinder in der Wachstumsphase müssen nicht fasten, aber Filiz Fischer hat es trotzdem getan. Den Fastenmonat empfand sie immer als eine ganz besondere Zeit. Sie erinnert sich, dass in ihrem Heimatdorf in der Türkei immer Kanonenschüsse abgefeuert wurden, um an das Abendessen zu erinnern. Dann traf man sich in den Häusern mit Freunden und Verwandten zum gemeinsamen Mahl.

Gute Taten werden während des Ramadan besonders hoch angerechnet. Filiz Fischer erinnert sich an eine Schulfreundin, die bei der Kleiderkonkurrenz unter den Mädchen nicht mithalten konnte. Sie bat ihren Vater für sie zu sammeln - und konnte der Freundin von dem Geld schöne neue Kleider schenken. Die Freundschaft besteht bis heute.

Weitere Artikel zum Thema:

Interreligiöse Jugendbildungsstätten

Der langjährige Präsident des Bayerischen Jugendrings (BJR), Gerhard Engel, hält die Zeit reif für eine Jugendbildungsstätte in islamischer Trägerschaft. Eine solche Einrichtung könne ein wichtiger Beitrag zur Integration junger Migranten in die demokratische Gesellschaft sein. Jugendbildungsstätten seien bürokratiefreie Lernorte.

Islam

Abdel-Hakim Ourghi vor der Tür der Dar-as-Salam-Mosche in Berlin-Neukölln mit einem Plakat seiner 40 Thesen zu einer Reform des Islam.
Nur ein aufgeklärter, humanistischer Islam passt zur westlichen Welt, ist Abdel-Hakim Ourghi überzeugt. In seinem neuen Buch "Reform des Islam. 40 Thesen" fordert der Freiburger Islamwissenschaftler eine Rundumerneuerung des Islam: Vom Koran bis zum Kopftuch greift er fast alle islamischen Tabus an, die es gibt. Am vergangenen Wochenende stellte er das Buch in Berlin vor. Und schlug seine Thesen an eine der Muslimbruderschaft nahestehende Moschee.
efa