17.05.2018
Jüdische Feste

Das jüdische Schawuot-Fest

Christen feiern Pfingsten, weil die Jünger Jesu an diesem Tag den Heiligen Geist empfangen haben. Sie waren damals alle nach Jerusalem gepilgert zu einem wichtigen jüdischen Fest: Schawuot. Das Fest feiern Juden bis heute, diese Woche von Samstagabend (19.5.) bis Montagabend. Allerdings ein bisschen anders als die Jünger damals. Hören Sie rein:
Rabbiner Steven Langnas erklärt das Schawuot Fest

Zur Zeit Jesu war es für alle Juden Pflicht, am Schawuot-Fest nach Jerusalem pilgern. Auch die Jünger Jesu machten sich auf den Weg dorthin. Als sie alle zusammen in Jerusalem versammelt waren, passierte die Geschichte mit dem Heiligen Geist. Aber eigentlich waren sie ursprünglich in Jerusalem, um ein Opfer im Tempel darzubringen. Als Dank für die Ernte, denn Schawuot ist auch ein Erntedankfest. Aber in erster Linie ist es das Fest der Übergabe der Tora (Chag matan Tora). Es wird gefeiert, dass Moses von Gott auf dem Sinai die Tora (die fünf Bücher Mose) empfangen hat.

 

Fromme Juden halten sich an die 613 Gebote

 

Da es heute keinen Tempel und kein Opfer mehr gibt, wird die Synagoge mit viel grün geschmückt, mit Zweigen und Blumen, als Zeichen der Dankbarkeit für die Ernte. Im Gottesdienst wird das Buch Ruth gelesen, weil sie als erste Frau zum Judentum übergetreten ist. "Denn am Berg Sinai, als wir die Tora empfangen haben, waren wir eigentlich alle Konvertiten," erklärt der Münchner Rabbi Steven Langnas. Das Buch Ruth zu lesen ist auch schon die einzige Vorschrift, die an diesem Fest eingehalten werden muss. Im Gegensatz zu den anderen jüdischen Festen ist Schawuot ein ziemlich entspanntes Fest. Es gibt keine Verbote, nur den Brauch, Käsekuchen und andere leckere Gerichte aus Milch und Quark zu essen.

Käsekuchen Rezept für Schawuot

Ruths Kochbuch: Die wunderbaren Rezepte meiner Familie

 

Zutaten für den Teig:                                               Zutaten für den Belag:

200 g Mehl                                                                  700 g Schichtkäse (20 % Fett)

1 Ei                                                                               4 Eier

1 Eigelb                                                                       200 g Zucker

100 g Zucker                                                              250 g saure Sahne

125 g Butter

1 Päckchen Vanillinzucker

2 TL Backpulver

1 verquirltes Ei zum Bepinseln

Alle Teigzutaten mit beiden Händen rasch verkneten. Den Teig zur Kugel formen, in Klarsichtfolie wickeln und für 20 Minuten in den Kühlschrank legen.

Backofen auf 180°C vorheizen. Vom Teig ein Sechstel abnehmen. Restlichen Teig auf bemehlter Arbeitsfläche zu einem Kreis in Größe einer Springform mit 26 cm Durchmesser ausrollen. Die Springform mit Backpapier (inklusive Rand) auskleiden, den Teig hineingeben, mit einer Gabel mehrmals einstechen und etwa 20 Minuten blindbacken. Der Teig lässt sich auch ohne Hülsenfrüchte hervorragend blindbacken. Herausnehmen und kurz abkühlen lassen.

Inzwischen den Schichtkäse durch ein feines Sieb streichen – das ist etwas mühsam, sollte aber gemacht werden, damit die Masse schön flaumig wird. Die Eier trennen. Eiweiße zusammen mit der Hälfte des Zuckers steif schlagen. Schichtkäse, Eigelb und restlichen Zucker gründlich verrühren. Saure Sahne untermischen. Zum Schluss den Eisschnee locker unterziehen. Die Masse auf dem vorgebackenen Teigboden verstreichen. Den restlichen Teig in Form eines Gitters auflegen und mit Ei bepinseln. Wenn die Gitterform nicht gelingt, kann man auch die Käsemasse direkt mit dem aufgeschlagenen Ei bepinseln.

Den Käsekuchen bei 150°C etwa 45 Minuten backen. Die mäßige Hitze ist wichtig, damit die Masse nicht zu schnell aufgeht – sie könnte später reißen. Den Käsekuchen auf einem Kuchengitter abkühlen lassen und dann aus der Form lösen.

Tipp: Fügt man dem Belag die abgeriebene Schale von 1 Bio-Zitrone zu, schmeckt der Kuchen herrlich frisch.

Das Rezept ist aus "Ruths Kochbuch. Die wunderbaren Rezepte meiner jüdischen Familie" von Ruth Melcer & Ellen Presser; Gerstenberg Verlag, Hildesheim 2015.

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