25.03.2018
Judentum

Matzen: Warum Juden an Pessach ungesäuertes Brot essen

Pessach ist das Fest der ungesäuerten Brote. Sie heißen Matzen und Juden essen sie bis heute an dem Feiertag, der am Abend des Karfreitags beginnt. Was sich hinter dem heiligen Lebensmittel verbirgt und warum auch bayerische Müller das Rezept kennen.

Josef Rampl, Geschäftsführer des Bayerischen Müllerbunds, ist fasziniert von den strengen jüdischen Speisegesetzen. Die Lebensmittelherstellung wird in Israel von Rabbinern überwacht wird. Diese extra dafür ausgebildeten Rabbiner heißen Maschgiach und sie entscheiden, ob ein Lebensmittel koscher ist - also frei von im Judentum verbotenen Substanzen oder Zusätzen. An Pessach vergeben sie sogar ein spezielles Zertifikat, das die Nahrungsmittel als "koscher für Pessach" kennzeichnet.

"Die erste Lebensmittelüberwachung der Welt", nennt Müller Rampl dieses Vorgehen schmunzelnd. Bayerische Müller und ihre israelischen Kollegen besuchen sich regelmäßig. Auf ihrer letzten Reise nach Israel haben sie alles über Matzen und Matzenmehl gelernt, die am jüdischen Pessach eine besondere Bedeutung haben.

Was Juden an Pessach nicht essen dürfen

Alles, was aus Sauerteig oder Hefeteig besteht wie Kuchen, Pizzateig oder auch Bier, ist an diesem Feiertag strengstens verboten. In Israel ist es einfach, die religiösen Speisegesetze einzuhalten, denn es gibt kein Brot. In Deutschland, das bekannt ist für seine Vielfalt an Broten, ist es dagegen schwierig.

Doch auch in Bayern gibt es Rabbiner, die darauf achten, welche Lebensmittel "koscher für Pessach" sind. Der Münchner Maschgiach Rabbiner David Nussbaum arbeitet beim einzigen koscheren Lebensmittelgeschäft in München. Dort gibt es Matzemehl zu kaufen, aber auch fertige Matzen.

Rabbi Nussbaum im koscheren Lebensmittelgeschäft in München
Rabbi Nussbaum im koscheren Lebensmittelgeschäft in München.

Welche Bedeutung Matzen an Pessach haben

Für die Zubereitung von Matzen brauche man nur zwei Zutaten, erklärt Rabbi Nussbaum: Wasser und Mehl. Wichtig bei der Zubereitung sei außerdem: "Sie darf nicht länger als 18 Minuten gebacken sein." Das ungesäuerte Brot ist ein Produkt der Eile und soll daran erinnern, dass das jüdische Volk vor über 3.000 Jahren aus der Sklaverei in Ägypten befreit wurde und vor dem Pharao fliehen musste. "Es war keine Zeit, den Teig gehen zu lassen und deshalb blieb die Matze flach."

Als Erinnerung an diese Flucht essen Juden bis heute Matzen, so wie Gott es ihnen durch Mose befohlen hat: "Sieben Tage sollt ihr ungesäuertes Brot essen" (2. Mose 12,15).

Die Matzen schmecken wie Knäckebrot ohne Salz: ziemlich fad. Aber kombiniert man sie mit Aufstrichen oder anderen Zutaten, können Matzen köstlich sein - ob als Pizzateig verarbeitet, als feines Gebäck oder als Matzeknödel in Hühnerbrühe.

Koscheres Matzemehl für Matzeknödelsuppe
Koscheres Matzemehl für Matzeknödelsuppe

Rezept für Matzeknödelsuppe

Matze-Knödel (jidd. Knedlach) werden folgendermaßen zubereitet.
1 Tasse Eier
1 Tasse Mineralwasser
1 EL Öl
Salz
Matzemehl

1 Tasse Eier (oder mehr) und die gleiche Menge Mineralwasser in eine Schüssel geben. Das Öl und eine Prise Salz hinzufügen und mit einem Schneebesen fest schlagen. Matzemehl dazugeben, bis der Teig eine Konsistenz bekommt, er soll aber nicht fest sein! Anschließend für 30 Minuten in den Kühlschrank stellen. Sollte der Teig jetzt nicht fest genug sein, um Knödel zu formen, noch ein wenig Matzemehl dazugeben.

Einen großen Topf mit viel Wasser, 1 EL Öl und Salz aufkochen lassen. Aus dem Matze-Teig nicht zu große Knödelchen formen und in das siedende Wasser geben. Ca. 10 Minuten ziehen lassen. Dann die Matze-Knödel vorsichtig herausnehmen und warm halten.

 

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