13.06.2018
Fußball-WM 2018

Religion und Glaube bei Fußball-Stars

Am 14. Juni ist Anpfiff! Bei der Fußball-Weltmeisterschaft in Russland dreht sich alles um den Ball - und vieles um den Glauben. Ball und Gebet gehören für erstaunlich viele Fußball-Stars zusammen. Ob Neymar, Messi oder Lewandowski: Viele Profi-Kicker sind überzeugte Christen und machen daraus keinen Hehl – auf und neben dem Platz.
Der brasilianische Superstar Neymar beim Olympiasieg 2016.
Der brasilianische Superstar Neymar beim Olympiasieg 2016.

Im Fußball wie in der Religion bleibt Brasilien das Maß aller Dinge. Das Land mit den weltweit meisten Katholiken liegt mit fünf WM-Sternen an der Spitze der Titel-Wertung – und gilt als natürlicher Topfavorit. Noch wichtiger als das runde Leder ist den meisten Brasilianern nur die Religion – fast alle Nationalspieler sind gläubige Christen.

Superstar Neymar bekennt seinen Glauben nach Erfolgen wie dem Olympiasieg 2016 mit einem Stirnband, das die Aufschrift "100 Prozent Jesus" trägt. Auch eine Reihe von Tätowierungen legen beim teuersten Spieler der Welt ein klares Zeugnis ab: ein Bild von Jesus, die Worte "Glaube" und "Gott ist treu", ein Gebet an den "Vater im Himmel", die Hoffnung "Möge Gott mich segnen" sowie Auszüge aus den Epheser- und Korintherbriefen, die Gott um Schutz ersuchen und von der Hoffnung künden, dereinst im Himmel den "unvergänglichen Siegerkranz" zu bekommen. Seine Gemeinde, eine Pfingstkirche, bezeichnet er als zweites Zuhause und spendet ihr zehn Prozent seines Einkommens. Deren Pastor schickt ihm Bibelverse und spirituelle Impulse auf sein Handy.

Jesus und die Sagrada Família als Tattoo

Ebenfalls streng gläubig ist Kapitän Thiago Silva, der seine Genesung von einer schweren Tuberkulose auf himmlischen Beistand zurückführt. "Ich bin nicht der Herr der Welt, aber ich bin ein Sohn des Herrn", steht als Tattoo auf seinem Unterarm. Bei der Seleção steht sogar Jesus persönlich auf dem Platz – Topstürmer Gabriel Jesus, der im Verein aus Ehrfurcht vor dem Namenspatron die Nummer 33 trägt: ein Hinweis auf das Jahr der Kreuzigung.

Bei Argentinien, das als zweifacher Weltmeister zu den Mitfavoriten gehört, ist Lionel Messi der Dreh- und Angelpunkt. Nach Toren bekreuzigt sich der Katholik häufig, um dann zum Himmel zu zeigen. "Ich stehe jeden Morgen auf und danke Gott dafür, was ich erleben darf", betont er. Zu seinen Tattoos zählt ein Konterfei Christi und ein Bild der Kathedrale Sagrada Família. Anders als viele Mitspieler halte er von abergläubischen Glücksbringern und Ritualen nichts, sagt der Ballvirtuose: "Ich bin sehr gläubig, das reicht."

Psalm 23 auf dem Unterarm

Als einer der Topfavoriten für das Turnier in Russland wird Frankreich gehandelt. Neben vielen Muslimen gibt es zwei bekennende Katholiken: Antoine Griezmann, dessen Vorfahren aus Münster stammen, hat ein Jesusporträt, die Erlöserstatue von Rio, die Jungfrau Maria und einen Rosenkranz eintätowiert. Er habe durch sein katholisches Elternhaus "in Religion gebadet", sagt der Frauenschwarm. Er besucht gerne Kirchen, zündet Kerzen an und dankt Gott, dass seine Schwester das islamistische Terrormassaker im Pariser Konzertsaal Bataclan überlebt hat.

Sturmpartner Olivier Giroud trägt auf dem Arm auf Lateinisch den berühmten Satz aus Psalm 23: "Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln." Er betet regelmäßig im Stillen, um "den Kopf freizukriegen" und sich konzentrieren zu können. Nach dem englischen Pokalsieg 2017 schlüpfte Giroud in ein T-Shirt mit der Aufschrift "Er ist der Weg, die Wahrheit und das Leben".

 

Fußballspieler Antoine Griezmann.
MIt Jesus-Tattoo unterm Hemd: Antoine Griezmann.

 

Spanien, das von 2008 bis 2012 drei große Titel geholt hat, rechnen Experten wieder gute Chancen aus. Andrés Iniesta, Mittelfeldmotor und praktizierender Katholik, legte nach dem Siegtor im WM-Finale 2010 das Versprechen ab, auf dem Jakobsweg nach Santiago zu pilgern. David Silva kommt aus dem Marienwallfahrtsort Arguineguín auf Gran Canaria und nimmt traditionell an den Festlichkeiten in der Heimat teil. Die Marienverehrung verbindet ihn mit Sergio Ramos. Das Raubein ist auf dem Platz nicht für übergroße Nächstenliebe bekannt. Er hat ein Bild der Muttergottes eintätowiert.

52 Jahre nach dem einzigen WM-Titel hofft England auf eine neue Chance mit vielen jungen Spielern. Nach dem Rücktritt des praktizierenden Katholiken Wayne Rooney halten Raheem Sterling und Daniel Sturridge bei den "Three Lions" die Fahne des Glaubens hoch. Sterling betet vor jedem Spiel und verbreitet über die Sozialen Medien christliche Botschaften sowie Bibelverse. Sehr vertraut mit der Heiligen Schrift ist auch Sturmkollege Sturridge. Er sagt, die Lektüre der Bibel habe seine Kindheit geprägt und sei Teil der täglichen Routine. Nach seinem Ausgleichstor gegen Italien bei der WM 2014 zeigte er gen Himmel und sagte "Ich liebe dich, Jesus. Ich danke dir, Vater."

Glaube als Navigationsgerät

Geschlagen geben mussten sich die Engländer vor vier Jahren dem zweifachen Titelträger Uruguay, dem bestenfalls Außenseiterchancen eingeräumt werden. Edinson Cavani wird in seiner Heimat nicht nur als Fußballer verehrt, sondern auch als Botschafter des Glaubens. Der sei "wie ein Navigationsgerät, das mich auf dem rechten Weg hält", sagt der Superstar mit indigenen Wurzeln, der dem Schöpfer dankbar ist für sein Talent und seine Entwicklung: "Gott lenkt mich und schützt mich vor schlechten Erfahrungen", sagt Cavani, der ein Buch über seinen Glauben geschrieben hat.

Weit weniger öffentlich ist die Religiosität von Cristiano Ronaldo. Der fünfmalige Weltfußballer will Portugal nach dem EM-Titel 2016 nun auch zu globalen Ehren führen. Der Weltstar aus Madeira wirkt eitel, gibt sich unter der gelackten Schale aber als gläubiger, wohltätiger und demütiger Mensch: "Mein Talent ist ein Geschenk Gottes", sagt Ronaldo, der Halsketten mit Kreuzanhängern sammelt. Tintenbilder, die unter der Haut für den Glauben werben, hat er keine – aus Gründen: Ronaldo spendet regelmäßig Blut, und da sind Tattoos verboten.

Als Geheimtipp für das Turnier in Russland gilt Kolumbien, das 2014 im Viertelfinale an Brasilien scheiterte und mit James Rodríguez den Torschützenkönig stellte. Seinerzeit twitterte der Stürmer, der heute beim FC Bayern spielt, aus Dankbarkeit: "Gott, du bist größer als das All, ich glaube an dich." Er genießt die Stille und Atmosphäre von Gotteshäusern, trägt auf der Wade ein Bild von Jesus und auf dem Bizeps den Satz "Wenn Du dich vor Gott verneigst, krönt er dich" aus dem ersten Petrusbrief.

 

Fußballspieler Edinson Cavani.
Botschafter des Glaubens: Edinson Cavani.

 

Wenn Deutschland im ersten Gruppenspiel auf Mexiko trifft, kommt es zum Wiedersehen mit einem alten Bekannten: Javier Hernándes alias Chicharito, der zwei Jahre für Leverkusen spielte. Der gläubige Katholik geht vor jedem Spiel auf die Knie, hebt seine Hände, schließt die Augen und betet, dass alle Spieler gesund bleiben.

Wie Mexiko ist auch Polen stark vom Katholizismus geprägt. Das gilt auch für Superstar Robert Lewandowski, der sich in seiner Heimat für die Glaubensinitiative "Ich schäme mich nicht für Jesus" engagiert. "Ich weiß, dass Gott mir immer zuschaut", sagt der Torjäger, der vor wichtigen Spielen in die Kirche geht und mehrfach beim Papst war.

Gebet des Torwarts: Ein Engel an jedem Pfosten

In Costa Rica ist der Torwart der Star. Real-Keeper Keylor Navas ist ein überaus populärer "Mann des Glaubens". Eine gleichnamige Dokumentation über ihn kam sogar landesweit in die Kinos. Navas geht vor jedem Spiel im Tor auf die Knie und betet – auch wenn ihn manche deswegen belächeln oder gar anfeinden. "Wenn ich den Menschen gefallen wollte, wäre ich kein Diener Christi", zitiert er aus dem Galater-Brief. Er bitte Gott, "dass er an jeden Pfosten einen Engel stellt und auch einen hinter mich, damit alles gutgeht", sagt Navas.

Einen frommen Torwart hat auch die Schweiz zu bieten: Roman Bürki hat auf dem Rücken ein Kreuz und den Text des Vaterunsers eintätowiert, zudem Jesus mit Dornenkrone: "Ich gehe nicht jede Woche in die Kirche, glaube aber an gewisse Grundsätze – und dass man belohnt wird, wenn man Gutes tut."

Auch deutsche Kicker sind religiös

Und bei Deutschland? Josua Kimmich kommt aus einem religiösen Elternhaus und trägt ein Armband mit einem Kreuz. Sein biblischer Name sei kein Zufall und bedeute "Gott hilft". Bei Abwehrchef Jérôme Boateng geht die spirituelle Prägung unter die Haut: Auf seinem reich verzierten Körper findet man unter anderem ein Kreuz, Bilder von Jesus und der Jungfrau Maria sowie auf Englisch die Aufschrift "Nur Gott kann mich richten". Boateng geht gern in Kirchen, genießt dort die Stille und Gelegenheit, in sich zu gehen.

Jogi Löw war einst Ministrant. Der Trainer betet "auf seine eigene Art und Weise" und sieht Gott als "höhere Weisheit und eine Form von Liebe und Uneigennützigkeit". Und für Teammanager Oliver Bierhoff sorgt der Glaube für "Geborgenheit im Leben – in den Höhen wie in den Tiefen". Wovon es in Russland mehr geben wird? Man wird sehen.

 

BUCH-TIPP

David Kadel, Was macht dich stark? Fußballstars und ihr Erfolgsgeheimnis. 160 Seiten, Gerth Medien, Asslar 2018, 15 Euro.

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