18.12.2020
Musik

"Imagine"-Song: Diese Hymne machte Beatles-Musiker John Lennon unsterblich

Mit "Imagine" beschwor John Lennon seine berühmte Vision einer Welt ohne Krieg und Ausbeutung. Privat aber rang er mit Depressionen. Vor 40 Jahren starb die britische Musiklegende und hinterließ seiner Nachwelt neben toller Musik die Frage nach Menschlichkeit und Miteinander.
John Lennon: Straßenkunst in Verona.

John Lennon: Ein Vermächtnis für die Ewigkeit

Im Internet ist John Lennon auch 40 Jahre nach seinem Tod lebendig: In einem Youtube-Video performt ein Fan - täuschend echt als der britische Musiker zurechtgemacht - eine aktualisierte Version des Lennon-Stückes "Isolation". Es ist ein Aufruf zur Einhaltung der Corona-Hygieneregeln. Kaum ein anderer Song sei während des Lockdowns öfter gecovert worden, schreibt der Beatles-Experte Nicola Bardola in seiner Lennon-Biografie. Am 8. Dezember 1980 wurde Lennon vor dem Dakota-Building in New York, in dem er mit einer Familie wohnte, von einem geistig Verwirrten erschossen.

John Lennon: Musiklegende bis heute 

In Zeiten von Fake News und Verschwörungstheorien bleibt Lennon nach Überzeugung seines Biografen Bardola hochaktuell.

"Lennon steht für unbedingte Wahrheitsliebe", sagte der nahe München lebende Schweizer Publizist dem Sonntagsblatt.

Thematisiert habe Lennon das unter anderem in seinem Song "Gimme some Truth" ("Gebt mir Wahrheit"). Viele der Stücke Lennons sind Hymnen geworden, die nichts von ihrer Strahlkraft verloren haben: "Imagine" oder "Give Peace A Chance".

Im Gegensatz zu dem meist fröhlichen Paul McCartney und dem von indischer Mystik angehauchten George Harrison gab der im Jahr 1940 als John Winston Lennon in Liverpool geborene Lennon den Rebellen bei den Beatles. Nur er konnte es sich herausnehmen, bei einem Konzert vor Mitgliedern der Königsfamilie, der 1963 landesweit übertragenen "Royal Variety Show", spitzbübisch lächelnd das Publikum zur "Mithilfe" aufzufordern: Die Leute auf den billigeren Plätzen sollten applaudieren. Die höher gestellten Gäste könnten mit ihren Juwelen klimpern.

Beispielloser Visionär mit Selbstzweifeln   

Hinter der Fassade des selbstsicheren und mitunter zynischen Weltstars rang Lennon mit Depressionen:

"Ich ging verängstigt durch die Welt und versuchte, so hart wie möglich zu wirken", sagte er in einem seiner letzten Interviews dem Magazin "Rolling Stone".

In der Musik gelang es ihm, seine Dämonen in große Kunst zu verwandeln. So ist sein Stück "Help", das er für die Beatles schrieb, ein Hilfeschrei aus den Tiefen einer Depression.

Zeit seines Lebens litt Lennon unter dem Trauma, von seinen Eltern verlassen worden zu sein. Sein Vater, der als Schiffssteward ohnehin die meiste Zeit auf See war, verließ die junge Familie schon bald. Als die Mutter Julia, eine lebens- und liebeslustige junge Frau, ein Kind von einem anderen Mann bekam, ließ sich das Paar endgültig scheiden. John kam als Fünfjähriger zur Schwester der Mutter, Tante Mimi.

Als Jugendlicher begann John, seine Mutter wieder regelmäßig zu sehen, doch bald starb sie bei einem Verkehrsunfall.

"Mutter, du hattest mich, ich hatte dich nie", trauerte er später in dem Song "Mother". Bei den Beatles widmete er seiner Mutter mit "Julia" ein anrührendes Liebeslied.

Sein Leben in New York bis zu seinem Tod

Nach der Auflösung der Beatles 1970 zog Lennon mit seiner zweiten Frau, der Avantgarde-Künstlerin Yoko Ono, Anfang der 70er Jahre nach New York. Dort machte er auch mit Kunst- und Polit-Happenings von sich reden. Lennons Kontakte zu linksextremen Kreisen beschäftigten die amerikanischen Geheimdienste.

In den letzten Jahren in den USA übte sich Lennon an der Seite seiner zweiten Frau Yoko Ono als Ehemann und Familienvater. Nach der Geburt seines zweiten Sohnes Sean Ono-Lennon zog er sich sogar vorübergehend komplett aus dem Musikgeschäft zurück und wurde - damals eine Sensation - Hausmann.

Erst Jahre später, wenige Wochen vor seinem Tod, veröffentlichte er mit "Double Fantasy" wieder ein Album. Auf diese Platte schrieb er auch sein letztes Autogramm - ausgerechnet für den Mann, der ihn wenige Stunden später ermorden sollte. Der heute 65-jährige Mark David Chapman verbüßt weiterhin seine Haftstrafe. Jahrzehnte nach seiner Tat entschuldigte er sich bei einer Anhörung bei Witwe Yoko Ono. Er habe Lennon nur wegen dessen Berühmtheit ermordet.

John Lennon zusammen mit seiner Frau Yoko.

Strawberry Fields: Mosaik "Imagine"

Anstelle eines Grabes hat sich der offizielle Gedenkplatz im Central Park gegenüber dem Dakota als Wallfahrtsort für Lennon-Pilger etabliert: die nach einem Beatlesstück benannten "Strawberry Fields". Dort wird ein rundes Mosaik um das Wort "Imagine" - dem wohl berühmtesten Songtitel Lennons - von Yoko Ono gepflegt. Fans aus aller Welt legen Blumen und Briefe ab und verharren einige Minuten in stillem Gedenken.

"Imagine" von John Lennon wurde zur Hymne der Friedensbewegung.
"Imagine" von John Lennon wurde zur Hymne der Friedensbewegung.

Musikalische Sehnsucht nach einer besseren Welt

Posthum wurde Lennon 1987 in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen, sieben Jahre später in die Rock’n’Roll Hall of Fame. Als das Musikmagazin "Rolling Stone" eine Liste der 100 weltbesten Sänger veröffentlichte, kam Lennon auf den fünften Platz. "Imagine" erreichte den dritten Platz der 500 besten Songs aller Zeiten.

Lennon habe seine Prominenz dazu genutzt, sich für eine gerechtere, friedlichere Welt einzusetzen, sagte Bardola:

"Dieses Charisma und der Mut, Konventionen zu durchbrechen - all das ist bemerkenswert und einmalig im Rahmen der Rock- und Popmusik."

Hier geht's zur offiziellen Website von John Lennon und hier zu seinem Profil bei Twitter. 

John Lennon

Die Biografie von Nicola Bardola

Zum 80. Geburtstag komplett neu überarbeitet.

ISBN-10 : 3963180803

ISBN-13 : 978-3963180804

Herausgeber: Zweitausendeins, 1. Edition (25. September 2020)

Kaufpreis: 14,90€

Hier gehts zur Website von Nicola Bardola.

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