7.11.2019
NS-Geschichte

Ausstellung dokumentiert Nationalsozialismus in Kaufbeuren

Alltagsgegenstände aus der Zeit des Nationalsozialismus sind in einer neuen Sonderausstellung im Stadtmuseum Kaufbeuren zu sehen. An dem Teilhabeprojekt haben nicht nur Wissenschaftler mitgearbeitet, sondern auch viele Kaufbeurer selbst.
Tagebuch Ausstellung Kaufbeuren NS-Zeit
Tagebücher von Marie-Luise Schindele (1928-2005), in denen die Internatsschülerin ihre Erlebnisse und Gedanken während der Kriegszeit in Kaufbeuren festhielt.

Die Geschichte Kaufbeurens im Dritten Reich ist Thema einer Sonderausstellung im Stadtmuseum Kaufbeuren. In der Schau soll dargestellt werden, wie der Nationalsozialismus damals in der Stadt verankert war, wie das Museum mitteilte. Die Sonderschau ist vom 1. November bis 17. Mai 2020 zu sehen.

Ausgestellt sind unter anderem zahlreiche Alltagsgegenstände, Fotografien, Kleidungsstücke, Plakate und Fotoalben. Zu sehen ist etwa ein Kleiderbügel aus dem Geschäft des jüdischen Kaufmanns Ernst Buxbaum (1897-1940), der bis 1938 in Kaufbeuren ein Textilgeschäft betrieb und mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten antijüdischen Schikanen und Boykottmaßnahmen ausgesetzt war. Außerdem Tagebücher von Marie-Luise Schindele (1928-2005), in denen die Internatsschülerin ihre Erlebnisse und Gedanken während der Kriegszeit in Kaufbeuren festhielt.

"Wir hatten an die Bevölkerung von Kaufbeuren appelliert, mal nachzuschauen, ob sie bei sich noch etwas auf dem Dachboden finden", sagte Museumsleiterin Petra Weber.

Ein Jahr lang habe die Entwicklung der Ausstellung gedauert, bei der interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie zehn Kooperationspartner aus der Stadtgesellschaft mit einbezogen wurden.

"Die Idee eines Teilhabeprojekts ist entstanden, weil nach der Wiedereröffnung des Stadtmuseums 2013 Kritik am Ausstellungsbereich zum Nationalsozialismus laut wurde", sagte Weber. Das Stadtmuseum habe sich daraufhin der Kritik in einer öffentlichen Podiumsdiskussion im Jahr 2015 gestellt, in der verschiedene Experten bemängelten, dass die Ausstellung nur wenig über die konkreten Ereignisse vor Ort in der NS-Zeit erzähle. "Als Konsequenz suchten wir in der Kaufbeurer Bevölkerung nach noch erhaltenen Objekten aus der NS-Zeit und holten Bürgerinnen und Bürger von Kaufbeuren als Zeitzeugen und Nachfahren mit ins Boot", sagte Weber.

Unterstützt wurde das Museum von Carolin Keim, einer Expertin für partizipative Ausstellungen, und Nina Lutz, Historikerin mit Schwerpunkt Nationalsozialismus.

Zu den zehn Kooperationspartnern zählen unter anderem das Generationenhaus, das mit einem "Zeitreisetreff" beteiligt ist, in dem sich unter anderem Zeitzeugen für Interviews zur Verfügung stellten. Das Jakob-Brucker-Gymnasium beschäftigte sich mit der Entstehung des Fliegerhorstes Kaufbeuren und erarbeitete Text-, Hör- und Digitalbeiträge für die Ausstellung. Die Kulturwerkstatt habe zum Ausstellungsthema ein Theaterformat erarbeitet, das Marien-Gymnasium Ausstellungstexte und Hörbeiträge etwa zur Geschichte des Kaufbeurer Tänzelfestes während der NS-Zeit.

"Das Besondere an der Ausstellung ist eben, dass wir so viele Menschen an dem Projekt beteiligt haben und es eben keine Schau nur von Wissenschaftlern ist", betont Petra Weber. Zu der Sonderschau gibt es ein umfangreiches Begleitprogramm mit Vorträgen, Filmen, Diskussionsrunden, Führungen und Zeitzeugengesprächen.

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