22.03.2017
Diakonie in Bayern

Bammessel: "Nächstenliebe ist Erbgut des Glaubens"

Der Präsident der Diakonie in Bayern, Michael Bammessel, wünscht sich eine engere Zusammenarbeit von Diakonie und Kirche. Das betonte er in seiner Kanzelrede in der Kinderlehrkirche in Memmingen.
Der Präsident der Diakonie in Bayern, Michael Bammessel
Michael Bammessel bei seiner Kanzelrede: »Der Mensch braucht die heilvolle Gottesbeziehung und die heilvolle Beziehung zum Mitmenschen.«

"Kirche und Diakonie sind zwei verschiedene Säulen mit den gleichen Wurzeln. Das soziale Engagement und die Nächstenliebe sind das Erbgut des christlichen Glaubens und werden von der Diakonie vertreten", betonte Pfarrer Michael Bammessel in seiner Kanzelrede in der Kinderlehrkirche in Memmingen. Rechtlich seien es zwei völlig getrennte Organisationen, da die Diakonie privatrechtlich, die Kirche öffentlich-rechtlich organisiert sei. Der Präsident der Diakonie Bayern wünschte sich jedoch eine engere Zusammenarbeit der beiden Institutionen im Sinne Jesu, der "predigte und heilte".

"Kirche und Diakonie. Geniale Arbeitsteilung oder verhängnisvolle Aufspaltung", war Bammessels Vortrag überschrieben. Eingeladen dazu hatten die Dekane Claudia und Christoph Schieder, die Diakonie sowie das Evangelische Bildungswerk Memmingen.

Entscheidend für die diakonische Arbeit sei das 19. Jahrhundert gewesen, betonte der Diakonie-Chef. Damals konzentrierte sich ein Pfarrer auf Kernaufgaben wie die Predigt und die Kindertaufe. Die Kirche nahm zwar etliche soziale Probleme wahr, konnte aber zum Beispiel die Jugend nicht mehr erreichen. Junge Frauen siedelten vom Dorf in die Stadt, hatten Schwierigkeiten und waren auf sich selbst gestellt, Handwerksgesellen und Behinderte wurden allein gelassen.

"Ungewollt haben wir uns eine Aufspaltung eingehandelt", erläuterte Bammessel. Wer damals als Christ etwas bewegen wollte, musste einen Verein gründen, um auf die Nöte der Zeit schnell und flexibel reagieren zu können.

So legte zum Beispiel der Hamburger Pfarrer Johann Hinrich Wichern im Jahr 1848 den Grundstein für die "Innere Mission" gegen Armut und Verelendung – der Vorläufer des evangelischen Diakonie-Werks. 1854 gründete der fränkische Pfarrer Wilhelm Löhe die erste bayerische Diakonissenanstalt – die bis heute in Neuendettelsau besteht – als Bildungsanstalt für Frauen.

"Bibel und gelebte Spiritualität gehören in die Kirche, während die Diakonie den Menschen hilft", so der Redner. Es seien zwei Seiten einer Medaille, die getrennt wurden. "Der Mensch braucht die heilvolle Gottesbeziehung und die heilvolle Beziehung zum Mitmenschen. Wir brauchen eine Brücke, damit zusammenwächst, was zusammen gehört", wünschte sich der Diakonie-Präsident. In der heutigen Zeit seien es soziale Gesetze mit ihren hohen Standards, die Kirche und Diakone trennen. Die Diakonie sei ein wirtschaftliches Unternehmen mit einem Management, das Fachkräfte sowie Spezialisten beschäftige.

Bammessel lobte aber auch das große Potenzial der Ehrenamtlichen in den Kirchengemeinden, unter anderem in der Flüchtlingsarbeit: "Wir haben zwar Ängste, aber wir sehen die Not und handeln."

Vielfältige Aufgaben

Zur Diakonie Memmingen gehören: das Altenheim Caroline Rheineck-Haus, die sozialpsychiatrischen Zentren "An der Kappel" (Memmingen) und "DiakoNische" (Mindelheim), das ambulant betreute Wohnen, das K-DW Kaufhaus Diakonisches Werk, die Kirchliche Allgemeine Sozialarbeit und die Ehe-, Familien- und Lebensberatung.

 

Weitere Infos: www.diakonie-memmingen.de

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