21.11.2019
Soziales

Bayern: Neue Stiftung soll Projekte für obdachlose Menschen fördern

Der Freistaat hat eine Obdachlosenstiftung mit fünf Millionen Euro Startkapital gegründet. Damit sollen Wohnungs- und Obdachlose im Freistaat künftig unterstützt werden. Aktuell sind in Bayern mehr als 15.000 Menschen ohne Obdach.

In Augsburg ist am Mittwoch eine neue Obdachlosen-Stiftung gegründet worden. Mit der Stiftung sollen Wohnungs- und Obdachlose in Bayern künftig besser unterstützt werden, wie das Staatsministerium mitteilte. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) unterzeichnete am Nachmittag in einer Obdachlosenunterkunft dazu die Stiftungsurkunde. Das bayerische Kabinett hat für die Stiftung als Startkapital eine finanzielle Ausstattung von fünf Millionen Euro beschlossen.

Die Stiftung soll mit dem Geld neue Projekte zur Verbesserung der Lebenssituation von Wohnungslosen fördern.

In Bayern sind derzeit offiziell mehr als 15.000 Menschen obdachlos. "Wir wollen Not lindern und Bedürftigen den Weg zurück in die Gesellschaft ebnen", sagte Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU), die mit Söder nach Augsburg gekommen war. Man wolle niemanden, der in eine Notlage gerät, am Wegesrand zurücklassen, sondern allen Bedürftigen Hilfe anbieten, betonte Schreyer.

Die Sozialministerin ist auch Vorsitzende des Stiftungs-Vorstandes zusammen mit Johanna Rumschöttel, ehemalige Landrätin des Landkreises München. Rumschöttel ist Mitglied beim Runden Tisch Obdachlosigkeit und stellvertretende Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft der öffentlichen und freien Wohlfahrtspflege.

Der Bedarf an Hilfen für wohnungslose und von Wohnungslosigkeit bedrohte Menschen steigt. Ein Grund hierfür sei der angespannte Wohnungsmarkt und das generelle Bevölkerungswachstum. Durch eine stärkere Vernetzung aller Akteure der Wohnungs- und Obdachlosenhilfe soll nach Ansicht des Ministeriums eine ausgewogene Verteilung der Angebote auf ganz Bayern erreicht werden. Neben Wohngeld und sozialem Wohnungsbau unterstütze die Staatsregierung die Kommunen unter anderem durch die Förderung der Koordinierungsstellen Wohnungslosenhilfe und Modellprojekte.

Das Startkapital der Einrichtung in Höhe von fünf Millionen Euro sei angesichts der Laufzeit von zehn Jahren "nur ein Feigenblatt, um vom Versagen im Kampf gegen die Obdachlosigkeit abzulenken", kritisierte Julika Sandt, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Sprecherin für Arbeit und Soziales der FDP im Bayerischen Landtag.

Die Gründungsveranstaltung sei "nur ein PR-Tamtam, um Söders Versprechen beim letztjährigen Papstbesuch medial abzurunden", monierte Sandt. Söder hatte im Sommer 2018 bei einem Treffen mit Papst Franziskus in Rom mehr Engagement im Kampf gegen Wohnungslosigkeit angekündigt.

Bundesweit sind nach einer jüngst von der Diakonie in Augsburg vorgestellten Studie rund 337.000 Menschen ohne Wohnung. Die Dunkelziffer dürfte weit höher liegen, sagte Jutta Henke, Geschäftsführerin der Gesellschaft für innovative Sozialforschung und Sozialplanung in Bremen, Ende Oktober bei einem Fachtag in der evangelischen Diakonissenanstalt in Augsburg. Viele Menschen seien in der Online-Erhebung mit Stand vom 31. Mai 2018 gar nicht erfasst worden, weil sie ohne Kontakt zu Hilfesystemen seien und bei Freunden, Bekannten oder auf der Straße lebten.

Parallel zur neuen Stiftung soll auch der Aktionsplan "Hilfe bei Obdachlosigkeit" weiter ausgebaut werden. Geplant sei etwa die Stärkung der Koordinierungsstellen und die Erweiterung bereits bestehender Modellprojektförderungen. Für den Aktionsplan stehen im Doppelhaushalt 2019/2020 jährlich 2,8 Millionen Euro zur Verfügung.

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