23.07.2019
Praktische Nächstenliebe

Das "Mannamobil" liefert Pizza umsonst

Das Augsburger Mannamobil-Team verköstigt auf Veranstaltungen mit seinem mobilen Backofen die Besucher. Die freiwilligen Pizzabäcker verlangen dafür nichts. Was das mit ihrem Glauben zu tun hat.
Andres Jonathan Cestonaro vom Mannamobil Augsburg
Buchen kann uns jeder – nur bezahlen kann er nicht: Getreu diesem Motto verteilt das Mannamobil seine Pizzen, Flammkuchen und Quiches kostenlos - so wie hier Andres Jonathan Cestonaro.

"Für dich wurde schon bezahlt": So lautet die Botschaft beim Mannamobil. "Unbezahlbar wie Gottes Liebe" sind dort Pizza, Flammkuchen und Quiche, die die ehrenamtlich Mitarbeitenden backen und verteilen. Die Idee dazu stammt von Christoph Siegel. Auch wenn es in seiner Branche absolut unüblich sei, in Teilzeit zu arbeiten, wollte der Ingenieur im Vertrieb einer Umwelttechnik-Firma in Offingen seine Arbeitszeit reduzieren, um seine Begabung fürs Kochen ehrenamtlich einsetzen zu können. Mit dem Mannamobil knüpft er in gewisser Weise an eine Familientradition an: Jahrzehntelang hat seine Mutter in der evangelischen Kirchengemeinde in Schwäbisch Hall einmal monatlich ein Mittagsmenü für 130 Menschen, arm wie reich, angeboten.

Das Mannamobil steht auf Flohmärkten oder Hochzeiten

"Für Arme, für Reiche und für Leute wie dich" backen die Mitarbeitenden des rollenden Pizzamobils. Gut zehn Leute arbeiten aktiv im Projekt mit, ein harter Kern von vier bis fünf regelmäßig. Heuer werden Siegel und sein Team auf 30 bis 40 Einsätze kommen. Das Spektrum reicht dabei vom Flohmarkt über Straßen- und Nachbarschaftsfeste, von Hochzeiten und runden Geburtstagen bis zum Sommerfest im Pflegeheim, in der Kindertagesstätte – oder dem Benefizspiel einer Diakonieauswahl gegen eine Augsburger Traditions-Auswahl im Mai.

"Die Liebe Gottes ist ein Geschenk, für das wir Menschen nicht bezahlen können, und das macht das Mannamobil auf kreative Weise deutlich", sagt Markus Bottlang, Kaufmännischer Vorstand des Diakonischen Werks Augsburg (DWA), der das Mannamobil schon ausprobiert hat. Er zitiert den Propheten Jesaja: "Wohlan, alle, die ihr durstig seid, kommt her zum Wasser! Und die ihr kein Geld habt, kommt her, kauft und esst! Kommt her und kauft ohne Geld und umsonst."

Mannamobil-Projekt finanziert sich aus Spenden

Unterstützung für seine Idee erhielt Christoph Siegel von seinem Arbeitgeber dadurch, dass er nun freitags nicht mehr arbeitet. Sein Chef, ein Jurist, riet ihm auch, einen Verein zu gründen: Der Verein Mannamobil, gemeinnützig, christlich und in Augsburg ansässig, trägt die laufenden Kosten für die Pizzazutaten ebenso wie Ausgaben für Fahrzeug oder Versicherung. Ein Freund hat die Piaggio Ape kostenlos umgebaut, zwei Menschen versorgen das Team gratis mit Feuerholz. Der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden.

"Warum macht ihr das?": Diese Frage bekommt das Team vom Mannamobil immer wieder zu hören. Auf ihrer Website schreiben die Mitarbeitenden dazu, dass sie das Prinzip von Leistung und Gegenleistung durchbrechen wollen, um die Nutzer des Angebots "aufmerksam und nachdenklich" zu machen, oder – wie Christoph Siegel es formuliert – "Christen aus ihrer Komfortzone zu holen". Und weiter: "Deshalb setzen Mitarbeiter und Freunde von Mannamobil ihre Begabungen, ihre Zeit und finanziellen Mittel ohne Erwartung einer Gegenleistung in die Arbeit ein." Getreu dem Motto: Buchen kann uns jeder – nur bezahlen kann er nicht.

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