12.01.2020
Glaube & Kunst

Die Nürnbergerin Selina Sievers hat das Lukasevangelium neu illustriert

"Die Bibel genießen" – diesen Vorschlag, wie man Gottes Wort auch empfangen kann, hört man wohl eher selten. Selina Sievers ist auf den Geschmack gekommen. Die Nürnbergerin hat eben ihren Bachelor als Grafikdesignerin an der Technischen Hochschule mit einer völlig neuartigen Illustration des Lukasevangeliums absolviert. Auf ihrer Reise durch das Leben Jesu sind dabei Bilder in ihrem Kopf und später auf dem Papier entstanden, die ein Genuss nicht nur für das Auge sind.
Selina Sievers liebt heiße Schokolade im Nürnberger CVJM-Café, ihren Job und das Lukasevangelium.

Jesus kommt auf die Welt: Der Stern über Bethlehem, das Kind in der Krippe, Maria, Josef und ein paar Tiere im Stall – stereotype Bilder, die in uns aufsteigen, wenn wir an die "Weihnachtsgeschichte" im Lukasevangelium denken. Nicht bei Selina Sievers: Bei ihr erblüht eine weiße Christrose auf schwarzem Hintergrund. "Jesus ist das Licht der Welt", sagt sie. Dieses Bild sei irgendwann ganz tief in ihr drinnen entstanden, als sie die Worte des Evangelisten in der Übersetzung von Karl-Heinz Vanheiden las. Mit einer Mischung aus Aquarelltechnik und dem Fineliner-Stift fand es Einzug in ihr Abschlusswerk.

"Meine Professoren haben mich immer wieder dazu ermutigt, bequeme Pfade zu verlassen und bei der Gestaltung meine eigenen Bilder aufsteigen zu lassen."

Es sind ebenso warmherzige wie klar konturierte Zeichnungen geworden. Klassisch, aber raffiniert die zwölf Körbe mit Fischen und Brot, die auf die "Speisung der 5.000" verweisen, von denen jede Zeichnung ein bisschen anders ist, einem "Finde-den-Fehler"-Suchbild gleicht. Wie eine Parabel weist ein dreigeteilter Hahn auf die dreifache Verleugnung Jesu durch die Jünger hin. Sein Tod – eine schwarze Doppelseite, der eine dritte folgt, auf der ein Blumenkranz zu sehen ist. Auferstehung. "Viele Leute glauben", das sei der Schluss. Dabei hat Jesus ja den Tod überwunden und ist erneut erblüht", beschreibt Sievers ihre Idee.

Ihr Lukasevangelium ist ein sehr persönliches geworden.

Nicht nur die Bilder, auch die Großbuchstaben stammen komplett aus eigener Hand: Die 25-Jährige hat jede Letter einzeln gezeichnet und eine Schriftart für den Computer konzipiert. Es steckt also auch eine ganze Menge Know-how und Handwerk dahinter, nicht "nur" Kreativität. Das technische Verständnis wird Selina Sievers sicher nützlich sein, wenn sie jetzt ihren eigenen Weg als selbstständige Künstlerin beschreiten wird. Design und Illustration gehören zu ihrem Portfolio, sie fühlt sich aber hinter der Kamera mindestens genauso wohl und porträtiert lebensecht Menschen und deren Geschichten.

Illustrationen von Selina Sievers
Die Illustrationen sind alle von Hand gezeichnet.

Die Lust auf das Schöne in der Welt und den Sinn für die Schönheit der biblischen Sprache, beides habe sie in ihrer Familie "schon mit der Muttermilch" aufgesogen, in der christliche Werte seit jeher gelebt werden. Irgendwie sei es dann auch klar gewesen, dass sie sich einen Text aus der Bibel für die Bachelorarbeit vornimmt. Auf das Evangelium nach Lukas sei ihre Wahl nicht nur wegen des Inhalts an sich gefallen.

Der Evangelist wendet sich in seiner Einleitung auch bewusst an einen gewissen Theophilus, von dem er keine Vorkenntnisse des Erzählten voraussetzt und dem er sachlich berichten will, was er erlebt hat. "Genauso unverblümt wollte ich auch an meine neue Auseinandersetzung mit dem Text herangehen", meint Selina.

Und das hat auch schon Früchte getragen: Bei der Präsentation des Buches sei sie spontan von einer Frau angesprochen worden, die sich zuerst entschuldigte, mit der Bibel eigentlich nicht viel am Hut zu haben, jedoch gleich vier Exemplare für die Familie bestellte, weil sie das Werk gleich überzeugt habe. Nicht zuletzt hat Selina sogar einen Verlag gefunden, der ihr Lukasevangelium vertreiben will. Wenn das mal kein guter Start in die Selbstständigkeit ist! Mit Können, Kreativität – und dank des Genusses.

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