9.05.2019
Schlosskirche Bayreuth

Einzige katholische Markgrafenkirche Oberfrankens erhält neues Deckengemälde

Wer den Kopf in den Nacken legt, kann in der Bayreuther Schlosskirche ein neues Deckengemälde bewundern - und entdeckt ein Geschöpf, das in der Kirche so gar nichts zu suchen hat.
Deckengemälde in der Schlosskirche Bayreuth
Der Himmel steht wieder offen: das neue Deckengemälde in der Schlosskirche.

Die Himmelfahrt wurde ein Opfer des Zeitgeists. Als die Bayreuther Schlosskirche zwischen 1862 und 1866 – die Neugotik erlebte gerade eine Blütezeit – grundlegend renoviert wurde, ließ der Königlich Bayerische Kreisbaurat Franck so ziemlich alles rigoros ausmerzen, was seinem Stilempfinden zuwiderlief: Die prächtige Deckenmalerei, eine Darstellung von Christi Himmelfahrt, ein Jahrhundert zuvor geschaffen vom markgräflichen Hofmaler Wilhelm Ernst Wunder, wurde irreparabel zerstört, kunstvoll gearbeitete Altarfiguren wechselten "zum Schleuderpreis" den Besitzer, das Wappen mit den Initialen der Markgrafen verschwand, die Hofloge musste Platz für eine neue Kirchenorgel machen.

Tatsächlich gehört die Bayreuther Schlosskirche aus vielerlei Gründen zu den besonderen Perlen unter den fränkischen Markgrafenkirchen, die seit einigen Jahren wieder im Fokus stehen. Nachdem 1753 ein verheerendes Feuer das Alte Schloss samt der Schlosskapelle zerstört hatte, ließ das evangelische Markgrafenpaar Friedrich und Wilhelmine an selber Stelle die neue Schlosskirche errichten. Beteiligt waren die renommiertesten Baukünstler des Hofes, die auch an Gebäuden wie dem nahe gelegenen Opernhaus, dem Neuen Schloss, der Eremitage und der Ausstattung zahlreicher Kirchen in der Region mitwirkten. Nur wenige Monate nach der Einweihung der Schlosskirche 1758 starb die Markgräfin, die ebenso wie später ihr Gatte und ihre Tochter in einer Grablege unter der heutigen Orgelempore ihre letzte Ruhestätte fand.

Krippenszene in der Bayreuther Schlosskirche
Versteckte Hommage: In die Krippenszene schmuggelte Kirchenmaler Fersch das schwarz-weiße Schoßhündchen von Markgräfin Wilhelmine.

Die Jahre des politischen Umbruchs um die Wende vom 18. zum 19. Jahrhundert sorgte für ein bemerkenswertes "Tauschgeschäft" in Oberfranken: Im überwiegend katholischen Bamberg und im mehrheitlich protestantischen Bayreuth erhielten die jeweiligen konfessionellen Minderheitsgemeinden 1813 je ein Sakralgebäude der anderen Kirche. So wurde die St.-Stephans-Kirche in Bamberg zur evangelischen Hauptkirche, in Bayreuth zog die katholische Gemeinde mit etwas Verspätung 1819 in ihre Schlosskirche "Unsere Liebe Frau".

Als jetzt, fast 50 Jahre nach der letzten Sanierung der Schlosskirche, eine gründliche Baumaßnahme nötig wurde, wünschte sich die Gemeinde keine zeitgenössische Kunst des 21. Jahrhunderts, sondern eine figürliche Darstellung, die das ursprüngliche Motiv der Himmelfahrt aufgreift. Mit Franz Fersch aus Pondorf bei Eichstätt fand man dafür einen erfahrenen Kirchenmaler, der als Spezialist für barocke Maltechniken gilt. Für die drei 150 Jahre lang "verwaisten" Deckenspiegel entwarf er neue Inhalte: die vier Evangelisten über dem Altar, Christi Geburt über der Orgel und im größten Feld die Himmelfahrt.

Ein starkes ökumenisches Zeichen

"Dass Christus in dieser kongenialen Nachempfindung wieder im Mittelpunkt steht, ist auch ein starkes ökumenisches Zeichen", sagt Pfarrer Hans Peetz, der als Beauftragter für das Projekt Markgrafenkirchen in die Vorgespräche mit Schlosskirchenpfarrer Christian Karl Steger und den zuständigen Gremien eingebunden war. Und zusammen mit den erhalten gebliebenen Stuckelementen sei auch die theologische Aussage – die Erlösung der Menschen durch Jesu Leiden und Tod am Kreuz – wieder vollständig.

Die Gesamtkosten der Kirchensanierung werden mit rund 2,5 Millionen Euro beziffert; davon entfällt der weitaus größte Teil auf bauliche Instandsetzungen und Modernisierungen. Der Bamberger Erzbischof Ludwig Schick hält am Sonntag, 19. Mai, um 10.30 Uhr ein Pontifikalamt zum Abschluss der Renovierung. Dazu erklingt die 1751 zur Einweihung der Dresdner Hofkirche komponierte "Missa in d" von Johann Adolph Hasse.

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