14.02.2016
Flüchtlinge

Gemeinderat will kleineres Asylheim

Die evangelische Kirche will in Alteglofsheim im Landkreis Regensburg eine Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge schaffen. Die Dorfbewohner jedoch protestierten gegen die geplante Einrichtung mit 150 Plätzen, weil sie einen sozialen Brennpunkt befürchten. Nun soll die Kirche das Projekt neu planen.

Die Bedenken gegen die neue Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge waren von Anfang an groß. »150 Plätze sind zu viel in dem Ort« - darüber sind sich die meisten der rund 3200 Einwohner nach wie vor einig. Rund 700 von ihnen unterstützten mit ihrer Unterschrift eine Protestliste des CSU-Ortsverbands.

Die ursprünglichen Pläne für den Komplex werden wohl überarbeitet. Die Kirche und die Kommune wollten über das Projekt weiterverhandeln, erklärten Bürgermeister Herbert Heidingsfelder (Freie Wähler) und der Regensburger Regionalbischof Hans-Martin Weiss. Die Kirche wolle eine neue Bauvoranfrage einreichen, sagte Weiss.

Vorausgegangen war eine öffentliche Sitzung des Gemeinderats mit rund 150 Bürgern, bei der nochmals über die geplante Einrichtung debattiert wurde. Schließlich stimmte der Gemeinderat einer ersten Bauvoranfrage nicht zu. Stattdessen hätten sich die Ratsmitglieder darauf verständigt, dass die Einrichtung mit maximal 75 Plätzen errichtet werden soll, sagte der Bürgermeister. Der Widerstand bei den Dorfbewohnern gegen die ursprünglichen Pläne des Projekts sei groß gewesen.

»Das Projekt wird nicht komplett abgelehnt«

Das betonte Heidingsfelder. In dem Ort lebten bisher keine Asylbewerber. Die Aufnahme von 75 Flüchtlingen hält er für angemessen. Mit dem neuen Vorschlag für eine kleinere Asylbewerberunterkunft werde er auf die Kirche als Bauherr zugehen. Der Bürgermeister gab sich zuversichtlich, dass ein solches Projekt realisiert werden könnte. »Wir können uns nicht wegducken, es geht um Menschen. Die Flüchtlinge brauchen ein Dach über dem Kopf«, stellte er klar. Über den Vorschlag und das weitere Vorgehen müsse die Kirche nun entscheiden.

Regionalbischof Weiss erklärte, dass es nicht sinnvoll sei, weniger als 75 Flüchtlinge aufzunehmen. »Das ist für uns die Schmerzgrenze«, machte er klar. Er betonte zugleich, dass solche Häuser auch zur Willkommenskultur gehörten.

»Wir wollen das Projekt mit großer Verantwortung und im christlichen Sinn gegenüber den Flüchtlingen und Dorfbewohnern führen«, hatte er bei einer Bürgerversammlung betont. Dort sprachen auch der oberpfälzische Regierungspräsident Axel Bartelt und die Regensburger Landrätin Tanja Schweiger. Nur durch Gespräche und ausreichende Informationen könne das Vorhaben in der Gemeinde realisiert werden. »Wir ersuchen Ihr Vertrauen in unser Engagement«, bat Weiss die Bewohner um Unterstützung.

»Wir müssen das durchziehen«

Eine Lehrerin, die schon Flüchtlingsfamilien aus ihrer Arbeit in Schulen kennt, begrüßt das Vorhaben. Über die Anzahl der neuen Mitbewohner könne man diskutieren, »inwieweit das Dorf das verkraftet, aber ansonsten müssen wir das durchziehen«, sagte sie.

Stimmung gegen die geplante Flüchtlingsunterkunft hatte vor allem der CSU-Ortsverband gemacht. Der örtliche Parteivorsitzende Wolfgang Voigt rief sogar den bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in einem Protestbrief auf, die Einrichtung in der angedachten Form nicht zu bauen. Kritisiert wurde darin auch, die Flüchtlinge könnten nicht ins Dorfleben integriert werden, wenn sie nur zwischen drei und acht Monaten in der Einrichtung verbleiben sollen.

Die Idee für das Projekt kam von einem Bauunternehmer, der ein Grundstück am Ortsrand zur Verfügung stellen und den Bau finanzieren will. Er wandte sich damit an die evangelische Kirche, die die Flüchtlinge betreuen will. Die Regierung der Oberpfalz soll die Unterkunft für zehn Jahre anmieten.

Dossier Flucht und Asyl

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Sonntagsblatt