27.12.2019
Brauchtum

"Gepfeffertes" zum Jahresende: Wie in Neufang bei Kronach ein alter Brauch gepflegt wird

Alljährlich am 28. Dezember, dem Tag der unschuldigen Kinder, zieht in Neufang im Landkreis Kronach ein Pfeffera-Zug von Haus zu Haus. Singend, tanzend und natürlich "pfeffernd" machen die jungen Burschen ihr schönes Heimatdorf unsicher.
Brauchtum in Neufang
Auch die Polizei bleibt von einer "schwarzen Schelln" nicht verschont.

Auch diesmal wird der Pfeffera-Schlotfeger in Neufang wieder "alle Hände voll" zu tun haben. Dies gilt auch für die anderen illustren Gestalten seines Zugs: einen Scherenschleifer, einen Sack- und Schnapsträger, Jäger und Tänzer sowie einen Kürassier für die Finanzen. Ab 5.30 Uhr am Morgen sind die Burschen unterwegs und stimmen dabei – begleitet von Akkordeonklängen – ein Frankenwald-Lied nach dem anderen an. An manchen Häusern hängen ein Geldkuvert und eine kleine Aufmerksamkeit an der Tür. Doch auch viele Haustüren öffnen sich.

Gepfeffert wird in Neufang nur die Frauenwelt. Durch einen sanften Klaps mit dem Pfefferstrauß – geschnittene Tannenzweige – auf die Beinrückseiten der Damen vertreibt man die bösen Geister fürs kommende Jahr. Mit der kleinen Zeremonie, die Glück bringen soll, wünscht man den Frauen in jedem Haus ein gutes neues Jahr.

Heidnisches Fruchtbarkeitsritual mit Ursprüngen im 18. Jahrhundert

Nach einem Aberglauben geht beim "Pfeffern" Kraft, Frische, Gesundheit und Fruchtbarkeit auf die Gepfefferte über. Pfeffersprüche sind beispielsweise: "Ich pfeffer dich, mein Liebchen, ich weiß, du bist ein Diebchen, letztes Jahr hast du mein Herz gestohlen, heuer werd ich es mir wiederholen" oder "Ich bin der kleine König, drum gebt mir niet zu wenig, gebt mir lieber gleich mein Lohn, dess ich wieder weiter koo".

Auch "Pfeffer, pfeffer Reue – der Brandwein, der ist teuer. Drum schenk uns noch a Schnäpsla ein. Dou will ich heut dein Schätzla sein" kennt in Neufang jeder Bursche in- und auswendig. "Es ist eine Ehre, Pfeffera zu sein", ist man sich einig. Leider werde das heidnische Fruchtbarkeitsritual mit Ursprüngen im 18. Jahrhundert nur noch in wenigen Dörfern aufrechterhalten.

Die jungen Burschen streifen wieder am 28. Dezember durch Neufang.
Mit Musik und guter Laune unterwegs: Wie im Vorjahr (unser Bild) streifen die jungen Burschen wieder am 28. Dezember durch Neufang.

Zum Pfeffern gehört noch eine weitere Tradition: eine "schwarze Schelln". Buchstäblich angeschwärzt wird jeder – vom Kind bis zum Senior. Dafür reibt sich der Schlotfeger die Hände mit Schuhcreme ein und streicht dann seinen Auserkorenen über die Wangen. Als kleine "Wiedergutmachung" gibt es einen kräftigen Schluck Schnaps aus einem großen Schöpflöffel.

In den Häusern wird auch ein Schneewalzer mit allen Bewohnerinnen getanzt – und "a Schnäpsla" getrunken. Auch Knabbereien stehen mancherorts bereit; sind doch die Pfeffera vor Sonnenaufgang bis in den Abend unterwegs. Und als Extra-Service schärft der Scherenschleifer traditionell die Scheren der Familie mit einem Wetzstein.

Er erhält dafür ebenso einen kleinen Lohn wie die Jäger, die den Christbaum inspizieren – ob er nicht aus dem Wald geklaut wurde. Die Baumauslösung ist Verhandlungssache. Wird man sich einig, freut sich der Kürassier. Mit dem Geld – dem "Pfefferhafer" – wird ein "Pfeffera-Tanz" für die Bevölkerung ausgerichtet. Nach den guten Wünschen für ein glückliches neues Jahr geht es mit "Muss i denn zum Städtele hinaus" hinaus – zum nächsten Haus.

Gepfeffert wird bei jedem Wetter

Zu später Stunde geht für die Pfeffera ein langer und anstrengender, aber auch lustiger und feuchtfröhlicher Tag zu Ende. Lediglich für Frühstück und Mittagessen wird eine kleine Pause eingelegt. Junge Frauen aus Neufang bereiten das Essen zu und bringen sich auch sonst in die Vorbereitung ein. Der Spaßfaktor ist bei alledem hoch, erst recht, wenn es das Wetter gut mit den Burschen meint.

Doch auch sonst gilt: "Egal ob Schnee, Glätte, Regen oder eisige Temperaturen: Gepfeffert wird jedes Jahr." Und noch ein Ehrenkodex gilt in Neufang: Ausfälle werden nicht geduldet. Wer am Morgen angefangen hat, muss bis zum Schluss durchhalten – unabhängig vom persönlichen Wohlergehen.

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