26.10.2018
Oberfranken

Iranische Geflüchtete in Kirchenvorstände gewählt

In mehreren evangelischen Gemeinden in Oberfranken sind Kandidaten mit Fluchthintergrund in die neuen Kirchenvorstände gewählt worden. Wie die Bayreuther Regionalbischöfin Dorothea Greiner dem Evangelischen Pressedienst (epd) sagte, sei etwa ein 25-jähriger Iraner, den die Regionalbischöfin selbst getauft hatte, in seiner Bamberger Gemeinde nun Teil des Leitungsgremiums.
Regionalbischöfin Dorothea Greiner tauft zwanzig Geflüchtete aus dem Iran
Rückblick: In der Bayreuther Stadtkirche hat Regionalbischöfin Dorothea Greiner im Sommer 2016 zwanzig Geflüchtete aus dem Iran getauft.

Auch in Coburg und Bayreuth werden Greiner zufolge in mindestens zwei Gemeinden iranische Christen Mitglied der neuen Kirchenvorstände sein, und in weiteren Gemeinden arbeiten künftig Geflüchtete im erweiterten Kirchenvorstand mit. "Dies zeigt, dass Integration nicht nur gelungen ist, sondern dass unsere Kirchengemeinden die Geflüchteten sogar in der Leitung als Bereicherung empfinden", sagte die Regionalbischöfin dem epd.

Greiner äußerte sich erneut kritisch zur Praxis von Asylverfahren. Immer wieder sei in Urteilen von Verwaltungsgerichten zu lesen, dass sich gerade Iraner aus asyltaktischen Gründen taufen lassen würden. Sie würden im Verfahren abgelehnt, weil man ihnen unterstellt, sie könnten ihren christlichen Glauben in ihrem Heimatland verleugnen. "Wir bitten wahrzunehmen, wie ernsthaft der Weg ins Christentum ist - diese Wahlen belegen es", betonte die Theologin.

Gesteigerte Wahlbeteiligung

Erfreut zeigte sich Greiner über die wie in ganz Bayern deutlich gestiegene Beteiligung an den Kirchenvorstandswahlen. Am vergangenen Sonntag hatten 33,6 Prozent von 356.683 Wahlberechtigten in den 15 Dekanaten des Kirchenkreises Bayreuth ihre Stimme abgegeben, etwa drei Viertel nutzten die Möglichkeit zur Briefwahl. Ausgezählt waren bis zu diesem Zeitpunkt die Ergebnisse aus 312 von 333 Kirchengemeinden. Bei den letzten Wahlen im Jahr 2012 lag die Quote noch bei 26,1 Prozent.

Verbundenheit zwischen Gemeinden und Kirche

Damit liegt Bayreuth bei dieser Wahl unter den sechs bayerischen Kirchenkreisen knapp hinter Ansbach-Würzburg, in dem bis Dienstagabend eine Wahlbeteiligung von 33,8 Prozent registriert wurde. Die höchste Wahlbeteiligung in Oberfranken verzeichnete das Dekanat Thurnau mit 50,6 Prozent. Dass die 50-Prozent-Marke nur in fünf anderen Dekanaten in Mittel- und Unterfranken übersprungen wurde, zeigt nach den Worten von Regionalbischöfin Greiner die "Stärke kleinteiliger Strukturen". Es sei ein Beweis dafür, dass in dörflichen Gemeinden sei die Verbundenheit der Menschen mit ihrer Kirche und den Kirchenvorstand noch sehr hoch sei.

Insgesamt 2.022 Personen wurden im Kirchenkreis Bayreuth in die gemeindlichen Leitungsgremien gewählt. Unter den gewählten Kirchenvorstehern stellen erstmals auch im Kirchenkreis die Frauen die Mehrheit (50,4 Prozent). Neu im Kirchenvorstand ist etwas mehr als ein Viertel (27,1 Prozent), bayernweit ist es mehr als ein Drittel (33,8 Prozent). Dies wertet Regionalbischöfin Greiner als Zeichen einer relativ hohen Kontinuität im Kirchenkreis. Überdurchschnittlich groß war der Anteil an jungen Wählern: Rund 38,5 Prozent der 2.325 wahlberechtigten Jugendlichen unter 16 Jahren nahmen an der Wahl teil.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema: