4.05.2018
Jugend & Arbeit

Klaus Umbach: Viele Jugendwerkstätten bleiben auf der Strecke

In Bayern bieten derzeit 35 Jugendwerkstätten gut 500 jungen Menschen, die sonst keine Chance auf dem Jobmarkt haben, eine Ausbildungsstelle. Sie werden von Handwerksmeistern angeleitet und von Sozialpädagogen betreut. Das Konzept gibt es seit 1975. Es habe sich bewährt, sagt Klaus Umbach, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit in Bayern im Interview. Dennoch hätten viele Ausbildungsbetriebe Probleme.
Klaus Umbach, Leiter der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern (ejsa)
Klaus Umbach, Vorsitzender der Landesarbeitsgemeinschaft Jugendsozialarbeit Bayern und Leiter der Evangelischen Jugendsozialarbeit Bayern (ejsa)

Herr Umbach, wie steht es um die Jugendwerkstätten in Bayern?

Klaus Umbach: Ehrlich gesagt: nicht besonders gut. In den vergangenen Jahren mussten etliche Werkstätten schließen oder sie haben ihre Ausrichtung geändert. Im Bereich evangelischer Träger etwa hatten wir im Jahr 2013 bayernweit 18 Jugendwerkstätten. Mittlerweile sind es noch 14. Und auch von den Werkstätten anderer Träger haben sechs die geförderten Maßnahmen aufgegeben.

Was sind die Gründe dafür?

Umbach: Es sind vor allem Änderungen in den Förderbedingungen. Ein guter Anteil der Förderung für die Jugendwerkstätten stammt aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF). Der ESF hat für den Förderzeitraum ab 2014 seine Mittel reduziert. Außerdem änderte sich die Förderstruktur. So gibt es nun etwa für die Personalkosten eine pauschale Förderung. Diese reicht aber oft zur Deckung der tatsächlichen Kosten nicht aus. Das macht den Werkstätten sehr zu schaffen.

Was ist die Folge daraus?

Umbach: Die Werkstätten müssen sich nach neuen Fördermöglichkeiten umschauen. Das ist alles andere als einfach. Etliche Jugendämter sind nicht bereit, diese Form der Jugendsozialarbeit in ausreichendem Maße mitzufinanzieren, so wie dies etwa München vorbildlich tut. Das halte ich für einen Skandal. Vielen Jugendwerkstätten bleibt daher nichts anderes übrig, als die Ausbildung für benachteiligte junge Menschen auslaufen zu lassen. Die Folge ist letztlich die Schließung der Werkstatt - oder eine Neuorientierung des Betriebs.

Welche anderen Fördermöglichkeiten gibt es denn noch?

Umbach: Neben dem ESF übernimmt unter anderem der Freistaat Bayern einen Teil der Förderung. Wir sind demnächst in Gesprächen mit dem Sozialministerium und hoffen, dass Bayern seine Förderung aufstockt. Unser Ziel ist es, unabhängiger vom ESF zu werden. Ohne Förderung können viele Jugendwerkstätten einfach nicht existieren. Und die Jugendlichen brauchen die Unterstützung durch die Werkstätten. Sie haben sonst keinerlei Chance auf eine Ausbildung.

Die Zahl offener Ausbildungsplätze in Bayern ist Ende 2017 auf mehr als 14.000 gestiegen. Hilft das nicht auch den benachteiligten Jugendlichen?

Umbach: Das ist leider kaum so. Wir hatten in den letzten Jahren eine gute Konjunktur und eine gute Wirtschaftslage. Die Zahl der Jugendlichen in Bayern jedoch, die keinen Ausbildungsplatz gefunden haben, ist in dieser Zeit nahezu konstant bei gut 7000 geblieben. Es gibt also einen gleichbleibenden Sockel an jungen Menschen, die ohne Unterstützung nicht in den Ausbildungsmarkt hineinkommen. Dem Rückgang der Werkstätten und der Ausbildungsplätze dort steht also ein gleichbleibend hoher Bedarf an geförderten Ausbildungsplätzen gegenüber. Das ist eine fatale Entwicklung - vor allem für die Jugendlichen.

 

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