10.02.2019
"Rettet die Bienen!"

Landwirtin weist Bauernkritik an Volksbegehren zurück

Volksbegehren ja oder nein? Durch die bayerischen Bauernschaft geht in dieser Frage ein Riss. Während der Bauernverband harsche Kritik an Details des Volksbegehrens "Rettet die Bienen!" übt und auch Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber sich dagegen ausspricht, befürworten vor allem viele Kleinbetriebe die Kampagne. Eine von ihnen ist Gertraud Angerpointner, Biobäuerin auf der Fürmannalm im Berchtesgadener Land und Vorsitzende der "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft".
Wiesenhummel in Apfelblüte
Wiesenhummel in Apfelblüte.

Das Volksbegehren "Rettet die Bienen!" läuft noch bis Mittwoch, den 13.2.2019. Die "Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft" (AbL) gehört zu den Bündnispartnern der Kampagne. Sie versteht sich als Interessensvertretung für konventionelle und ökologische Betrieben, die sich für eine zukunftsfähige, sozial- und umweltverträgliche Landwirtschaft starkmacht.

Die Klage mancher Bauern, dass im Gesetzentwurf keine finanzielle Kompensation für mehr Naturschutz festgeschrieben sei, wies Angerpointner zurück: "Ein Volksbegehren darf von Gesetz wegen keine Vorgaben bezüglich der Haushaltsausgaben im Freistaat machen, sonst wird es gar nicht erst zugelassen." Über Ausgleichszahlungen müsse und könne der Freistaat später beschließen.

In einem Punkt stimmte die Landwirtin aus dem Landkreis Berchtesgadener Land der Kritik anderer Bauern am Volksbegehren zu: Die Festlegung der ersten Mahd auf Grünlandflächen auf den 15. Juni sei "nicht glücklich" gewesen. Man könne statt dessen sagen: "Gemäht wird, wenn der Löwenzahn weiß ist - das passt besser zu den klimatischen Unterschieden der Regionen Bayerns." Aber, so Angerpointner:

"Nur wegen des Schnittzeitpunkts pauschale Kritik am Volksbegehren zum üben, ist falsch."

Deutliche Kritik übte die AbL-Vorsitzende am Bayerischen Bauernverband: "Er schürt die Existenzängste der Landwirte und stellt uns Kleinbetriebe als Leidtragende des Volksbegehrens hin, obwohl das gar nicht stimmt." Die im Volksbegehren geforderten Maßnahmen umzusetzen, falle kleinen Betrieben eher leichter als großen.

Mehr Umweltschutz in der landwirtschaftlichen Ausbildung festzuschreiben, hält Angerpointner für sinnvoll. Sie habe selbst erlebt, wie ein Lehrer an der landwirtschaftlichen Berufsschule vor seiner Klasse gesagt hätte, dass Artenvielfalt im Grünland nicht so wichtig sei - schließlich wolle man keinen Kräutertee ernten, sondern nur die Kühe füttern. So könne der Unterricht heute nicht mehr ablaufen.

"Wir müssen unseren jungen Landwirten wieder beibringen, dass die Kühe besser Gras fressen statt Soja aus Brasilien. Und dass sie nicht nur auf den Ertrag auf, sondern auch unter der Erde schauen müssen: Sind da noch genug Regenwürmer im Boden? Oder hat der schwere Traktor trotz breiter Reifen den Unterboden zu stark verdichtet?"

Ausdrücklich lobte die Bäuerin das bayerische Kulturlandschaftsprogramm "KULAP", dessen Fördermittel gerade für Kleinbetriebe dringend nötig seien. Aber das Programm gebe es schon über 30 Jahre. "Wenn man auf den Artenschwund im gleichen Zeitraum schaut, muss man feststellen: Es reicht offensichtlich nicht", so Angerpointner.

Die Landwirtin kritisierte Politiker, "die nur schöne Worte machen", und forderte eine Wende in der Agrarpolitik: "Wir brauchen endlich eine Kennzeichnungspflicht für gentechnikfreie Lebensmittel und ein Ende der Flächenzahlung", sagte die Biobäuerin. Das käme auch der Artenvielfalt zugute: Studien hätten längst bewiesen, "dass eine kleinteilige Feldstruktur für die Artenvielfalt sogar noch wichtiger ist, als eine Bewirtschaftung nach Bio-Standard", sagte Angerpointner.

Weil die EU-Mittel in Höhe von 5,8 Milliarden Euro jährlich aber nur nach Fläche verteilt würden, würden die Betriebe immer größer. Von der bayerischen Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (CSU), die sich zuletzt gegen das Volksbegehren gestellt hatte, wünsche sie sich mehr Fürsprache bei ihrer Amtskollegin in Berlin. "Die Bundesregierung hätte so viel Einflussmöglichkeiten in Brüssel - aber sie tut gar nichts", so Angerpointner.

 

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