3.05.2018
Sonderausstellung

Levi-Strauss-Museum zeigt das "Judentum in Buttenheim"

Er ist der berühmteste Sohn des Markts Buttenheim im Landkreis Bamberg: Levi Strauss. 1848 ist er in die USA ausgewandert, heute erinnert ein liebevoll gestaltetes Museum in seinem Geburtshaus an den "Erfinder" der Bluejeans. Dort ist derzeit auch die Sonderausstellung "Judentum in Buttenheim" zu sehen.
Museumsleiterin Tanja Roppelt bei einer Sonderausstellung des  Levi-Strauss-Museums.
Auf einem Ortsplan in der Sonderausstellung des Levi-Strauss-Museums zeigt Museumsleiterin Tanja Roppelt, wo sich das jüdische Leben in Buttenheim abspielte.

 

Levi Strauss war der berühmteste Jude von Buttenheim. Für Museumsleiterin Tanja Roppelt und den Lehrstuhl für Judaistik der Otto-Friedrich-Universität Bamberg Grund genug, vor dem Hintergrund des 900-jährigen Ortsbestehens, in einer Sonderausstellung den Spuren jüdischen Lebens in Buttenheim nachzugehen.

"Schon im 15. Jahrhundert gab es Juden in Buttenheim", sagt Tanja Roppelt. Zur Blütezeit im 18. und 19. Jahrhundert sei jeder fünfte Buttenheimer jüdischen Glaubens gewesen. Für einen Ort mit rund 800 Einwohnern auch damals eine Besonderheit. Während im 17. Jahrhundert genau vier jüdische Haushalte mit 16 Personen verzeichnet sind, waren es genau 100 Jahre später 47 Haushalte mit rund 200 Personen, die meisten davon "Schutzjuden" des Freiherrn von Seefried, Vertreter eines örtlichen Adelsgeschlechts. Es gab eine Synagoge, ein Ritualbad, einen eigenen Friedhof, eine Herberge, eine Religionsschule mit Lehrer und zeitweise sogar einen eigenen Rabbiner.

Zahl der Juden nahm stetig ab

Mitte des 19. Jahrhunderts setzte dann eine große Auswanderungswelle ein, die Zahl der Juden nahm ab und 1892 tat sich die jüdische Gemeinde mit der aus dem benachbarten Hirschaid zusammen.

Mit dem Nationalsozialismus ging die Geschichte des Judentums in Buttenheim zu Ende, obwohl noch bis zuletzt viele jüdische Mitbürger bestens in das Gemeinde- und Vereinsleben integriert waren. Schon Mitte der 1920er-Jahre war es zu ersten Übergriffen gekommen. 18 jüdische Bürger sind für 1933 verzeichnet, 1936 fand der letzte Gottesdienst, 1938 das letzte Begräbnis statt.

Sprengstoffanschlag

Weil der damalige Ortspfarrer für die Juden Partei ergriffen hatte, gab es sogar einen Sprengstoffanschlag auf die Kirche. Die letzten Juden aus Buttenheim konnten über London nach New York emigrieren. Vom 2. Juni 1939 an wohnten in Buttenheim keine Juden mehr. 500 Jahre jüdische Geschichte waren zu Ende.

Noch heute erinnert der jüdische Friedhof an die große Tradition. Auch das Grab von Hirsch Strauss, dem Vater von Levi Strauss ist dort zu finden, der Grabstein sei auf Betreiben der Familie sogar erst vor einigen Jahren wieder hergerichtet worden, sodass die Inschrift wieder entziffert werden kann. Vom Inventar der damaligen Synagoge ist nichts übrig geblieben, wohl aber das einst so stattliche Gebäude, das heute eine Brauerei als Lagerraum nutzt.

Das alles und dazu viele grundsätzliche Informationen über das Judentum sind auf einer Vielzahl von Transparenten festgehalten. Viele historische Fotos und Dokumente sind da zu sehen, dazu ein großer Plan von Buttenheim mit allen jüdischen Wohnstätten und einige Ritualgegenstände. "Wir wollen damit zeigen, dass das Judentum lebt", sagt Tanja Roppelt.

 

INFORMATIONEN

Die Sonderausstellung "Judentum in Buttenheim" ist bis 6. Januar 2019 jeweils Dienstag und Donnerstag von 14 bis 18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, für Schüler, Studenten und Schwerbeschädigte zwei Euro. Das Levi-Strauss-Museum ist in der Marktstraße 31-33 in 96155 Buttenheim zu finden. Telefon: (09545) 44 26 02 (Museum) oder (09545) 4 40 99 36 (Verwaltung), E-Mail: levi-strauss-museum@buttenheim.de

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