2.05.2018
Kirchenmusik

Zwischen Uffenheim und Markt Bibart liegt Markt Nordheim. Weniger Genaues wusste man bisher über die schöne Barockorgel der Pfarrkirche St. Georg. Jetzt ist das Rätsel um ihren Erbauer gelöst und auch der Zeitpunkt ihres Entstehens lässt sich gut eingrenzen.
Markt Nordheimer Barockorgel
Momentan befindet sich das Instrument zur Restaurierung in Thüringen.

Dass das Instrument ein Werk des späten 18. Jahrhunderts war, das konnten auch Menschen ohne kunsthistorische Professur sehen. Geschichtskenner wussten dazu: Zu der Zeit, als das Instrument konstruiert wurde, gehörte der Ort zur Grafschaft Schwarzenberg. Markt Nordheim war als Amtssitz nicht unwichtig.

Die Ortsverwaltung hatte ein umfangreiches Archiv, aber das wurde 1944 ausgelagert nach Böhmen, nämlich aufs Schloss Krumau und auf die Burg Orlik an der Moldau. Von dort konnte es nach langjährigen Verhandlungen, zuletzt mit dem tschechischen Außenminister Karel Schwarzenberg, dem Haupt der Familie, 2011 zurück nach Deutschland geholt werden.

Die 910 Laufmeter Akten kamen ins Staatsarchiv Nürnberg. Sechs Jahre lang mussten sie erst einmal verzeichnet und erschlossen werden, bis man sie im vergangenen Jahr überhaupt nutzen konnte.

Nordheimer Orgel: Neue Pfeifen, altes Gehäuse

Anfang dieses Jahres war es nun endlich möglich, nach den Markt Nordheimer Bauakten zu suchen. Zur großen Überraschung stellte sich heraus, dass die Kirche in kurzer Zeit zwei Orgeln nacheinander erhalten hatte. Nachdem Turm und Langhaus 1778 um- bzw. neu gebaut worden waren, kam das Gehäuse der alten Orgel in den neuen Kirchenraum. Darin erstellte Franz Joseph Beda Zettler aus Kitzingen eine neue Windlade, drei neue Blasbälge, eine neue Klaviatur und ein neues Pfeifenwerk.

Bereits acht Jahre später, 1786, erweiterte Johann Bernhard Ehrlich, Hoforgelmacher aus Waldenburg, dieses Instrument um die beiden großen Seitenfelder und erbaute für das größere Gehäuse wiederum eine neue Orgel, deren beidseitige große Schleierbretter in sichtbar neuer Stilistik der Bildhauer Johann Steuerwald aus Kitzingen zulieferte. "So ist das Werk also in mehreren Bauperioden entstanden, wobei es durchaus möglich ist, das sich noch Teile aus der Zeit vor 1778 darin befinden", sagt der Ansbacher KMD Rainer Goede.

Bei Restaurierung spezielle Bauweise entdeckt

Eine solch komplizierte Baugeschichte war eigentlich nicht erwartet worden, da bisher als Baujahr nur das Jahr 1770 kursierte. Umso größer wird das Interesse jetzt an den einzelnen Orgelbestandteilen. Denn momentan restauriert die Thüringer Werkstatt Orgelbau Waltershausen das Barockinstrument, in dem Kenner noch weitere Geheimnisse vermuten.

Rainer Goede erklärt die orgelbaugeschichtliche Relevanz des Stücks: "Da beide Orgelbauer – beide hatten kein einfaches Leben – in Mittelfranken nur wenige Spuren hinterlassen haben, mit dem Instrument in Markt Nordheim aber mit ihrer speziellen Bauweise die hiesige Orgellandschaft bereichert haben, bekommt das Nordheimer Instrument eine einzigartige Bedeutung."

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