15.12.2016
Integrations-Preis

"NaturFreundeJugend" Bayern zeigt Flagge gegen Rassismus

Die "NaturFreundeJugend" Bayern hat sich durch Rassismus-kritische Aktionen wie den "DENKzettel" in den vergangenen Monaten deutlich zu Wort gemeldet. Dafür gab es am 10. Dezember in Nürnberg den VIEL-Preis vom Präsidenten des Bayerischen Jugendrings, Matthias Fack.
Freude über den VIEL-Preis (von links): Florian Graml, Matthias Fack, Sebastian Köstler, Claudia Wuttke und Janina Körber.
Freude über den VIEL-Preis (von links): Florian Graml, Matthias Fack, Sebastian Köstler, Claudia Wuttke und Janina Körber. Die Gruppe hat die Auszeichnung für ihre Rassismus-kritische Arbeit erhalten.

Der Raum der NaturFreunde­Jugend in der Geschäftsstelle des Landesverbands in Nürnberg ist fast randvoll mit Menschen. Die Jugendlichen sitzen bei ihrer Jahresabschlussveranstaltung ge­sellig beisammen, reden und es­sen. Es herrscht gute Stimmung. Das genau sei die passende Kulisse für die Preisverleihung, so Fack: "Der Preis kommt direkt zu einem Ort, der zu eurem Setting passt."

Den VIEL-Preis stellt er als die direkte Nachfolge des Integrati­onspreises vom Bayerischen Ju­gendring vor, für den man sich bewerben müsse. Er sei mit 2500 Euro höher dotiert und zeich­ne vielfältige Rassismus-kritische Jugendarbeit aus. Diese hätten die NaturFreundeJugend Bayern durch ihre gesamten kontinuierli­chen Aktionen bewiesen.

Viele Themen liegen am Herzen

Die NaturFreundeJugend ma­che sich bundesweit für Umwelt­schutz stark und verfüge über cir­ca 70 000 Mitglieder, die sich in Ortsgruppen quer über die Repu­blik organisieren. Mit ihren Na­turfreundehäusern liegt ihnen der sanfte Tourismus am Herzen. Auch in Sport, Kultur und Poli­tik wollen sie mitmischen und für eine offene, solidarische Gesell­schaft eintreten. Gleichberechti­gung von Mann und Frau sowie ein Ja zur Integration von Men­schen mit Migrationshintergrund sind für sie unabdingbar.

Als politisch tätiger Jugendver­band nehmen sie Stellung zu ge­sellschaftlichen und politischen Geschehnissen – wie auch die Nürnberger Projektgruppe "Right is Wrong", die es bereits seit 2005 gibt, wie Florian Graml, stellver­tretender Vorsitzender vom Lan­desverband Bayern der Natur­FreundeJugend, berichtet. Als Kopf der Gruppe sei der 30-Jähri­ge von Anfang an dabei gewesen. Der Umgang mit Alltagsrassismus stehe im Fokus. Ein Mittel dage­gen: die "DENKzettel".

Postkarten zum Nachdenken

Postkartengroß und mit bun­tem Design stechen sie sofort ins Auge. Es gibt verschiedene ap­pellierende Aufschriften, wie bei­spielsweise "Treffer, versenkt! Un­tergang der Menschenrechte". Auf der Rückseite wird zum In­formieren, Nachdenken und Um­denken animiert. Vorurteilen wird somit ein Denkzettel erteilt. "Es hat sich leider gezeigt, dass diese Zettel immer wichtiger geworden sind", sagt Graml. Stammtischpa­rolen will die Gruppe auf kreative Weise ihre Zettel mit Gegenargu­menten entgegensetzen. Über die Landesleitung werden die Karten an die Mitglieder verschickt und könnten somit in ganz Bayern ver­teilt werden.

Ausgelegt werden sollen sie öf­fentlichkeitswirksam, beispiels­weise an Schulen, in Jugendtreffs oder Cafés. Mittlerweile sei auch schon die Bundesgruppe der Na­turFreundeJugend auf das Projekt aufmerksam geworden, so Graml.

Neben dem "DENKzettel" bie­te die Gruppe auch Aktions-T-Shirts und Aufkleber an, um dem Rassismus entgegenzuwirken. Es bestehe auch eine Kooperation mit den "Wölfen", einer Gruppe junger unbegleiteter Geflüchteter in Fürth.

Vorurteile überwinden

Janina Körber, 18 Jahre alt und Teil der Landesleitung Bayern, macht seit vier Jahren ehrenamt­lich mit, weil sie immer schon eine starke umweltpolitische Überzeu­gung gehabt habe. "Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich Vorurteile am besten im direkten Miteinander überwinden ließen", sagt sie.

Das Kartenspiel UNO kön­ne man "genauso gut mit jeman­dem spielen, der nicht dieselbe Sprache spricht", oder man kön­ne "sich auch von einem Syrer be­kochen lassen". Und setzt nach mit "auch die Nachspeisen waren echt cool".

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Jahrespressekonferenz

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Der bayerische evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm zeigt sich besorgt über einen stärkerwerdenden Rassismus und Antisemitismus in Deutschland. Hier müssten Christen laut werden, es brauche eine neue geistliche Grundhaltung, forderte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) am Donnerstag bei seiner Jahrespressekonferenz im Münchner Presseclub. Er kritisierte, dass Haltungen wieder salonfähig würden, die längst als überwunden gegolten hätten.

Kommentar

»Kann etwa ein Mohr seine Haut wandeln oder ein Panther seine Flecken?« - Bei der Übersetzung von Jeremia 13,23 ging es den Revisoren des Luthertextes darum, das hebräische Sprachbild plausibel wiederzugeben.
Die feministische Theologin Eske Wollrad (Hannover), hat den Übersetzern der revidierten Lutherbibel 2017 Rassismus vorgeworfen, weil in Jeremia 13,23 der Begriff "Mohr" benutzt wird. Hier wird mit zu großem Besteck hantiert, findet Thies Gundlach in seinem Gastkommentar. Gundlach ist einer der drei theologischen Vizepräsidenten des Kirchenamts der EKD. Er leitet dort das Referat "Theologische Grundsatzfragen".
Sonntagsblatt