25.08.2017
Motorrad-Pastor

Pfarrer Müller schraubt und poliert an alten Motorrädern

Sie strahlen Ruhe aus, wissen häufig auf alles ein Antwort und manchmal machen sie ein klein wenig den Eindruck, als lebten sie auch noch in einer anderen Welt. Woher nehmen Pfarrer, Theologen, Religionslehrer ihre Energie? Ein entspannendes Hobby ist ein guter Ausgleich. Pfarrer Manfred Müller aus Regensburg hat ein solches Hobby gefunden. Er fährt nicht nur gerne Motorrad. Er schraubt und poliert auch gerne an seinen gesammelten Schätzen.
Vier Zylinder auf zwei Reifen: Pfarrer Manfred Müller hat seine 750er-Honda »CB Seven Fifty« aufpolieren lassen. Damit geht es schon mal zur Pfarrkonferenz oder auch ein paar Tage nach Tschechien.
Vier Zylinder auf zwei Reifen: Pfarrer Manfred Müller hat seine 750er-Honda »CB Seven Fifty« aufpolieren lassen. Damit geht es schon mal zur Pfarrkonferenz oder auch ein paar Tage nach Tschechien.

Die Bikerträume stehen auf dicken Reifen, und eine dunkle Abdeckplane verhindert den gröbsten Staub. In einem Gartenschuppen im Regensburger Stadtwesten reihen sich eine alte MZ 250, eine 125 PS starke Triumph und eine leuchtend rote Suzuki aneinander.

»Das ist mein Hobby, für das ich nur belächelt werde«, schmunzelt Manfred Müller. Er ist seit gut zehn Jahren Pfarrer in der Markus-Kirche von Regensburg. Die Maschinen sind ihm nach und nach zugeflogen, besser zugestanden, denn stehend in Garagen haben sie die klassische Motorrad-Karriere einer Wohlstandsgesellschaft hinter sich. »Viele kaufen sich als Student eine Maschine, doch dann kommen der Beruf, die Familie, die Verpflichtungen«, erzählt Manfred Müller. »Die Maschine steht als nicht mehr gelebter Traum etliche Jahre in der Garage, bevor man ehrlich zu sich selbst ist und sie weggibt.«

Motorrad-Sammlung im Gartenschuppen

Doch noch schlummern Pfarrer Müllers Träume im Gartenschuppen. Die Maschinen wegzugeben, hat er nicht übers Herz gebracht. »Das ist einfach Liebhaberei, das muss man nicht verstehen. Aber ich träume immer noch davon, sie einmal selber zu fahren.«

Inzwischen hat sich herumgesprochen, dass da ein Pfarrer Motorräder sammelt. »Beim Schrauben und Polieren kann ich wunderbar entspannen«, erzählt Müller, der alle Maschinen aus den 1980er- und 1990er-Jahren auch selbst zerlegen und reparieren könnte. »Dafür fehlt mir als Pfarrer leider die Zeit.« Und so hat er das Weihnachtsgeld vom Vorjahr in eine Runderneuerung seiner vierten Maschine gesteckt, die nicht unter der Abdeckplane im Garten parkt, sondern griffbereit in der Garage. Eine dunkelblaue Honda »CB Seven Fifty«, also 750 Kubikzentimeter, »aus den 90er-Jahren, unverwüstlich. Keine Technik, die man elektronisch auslesen muss, die Technik ist top!«, schwärmt Müller. Der Motor ist sandgestrahlt und neu lackiert, die Maschine steht da wie neu.

»Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten« auf evangelisch: der Regensburger Pfarrer Manfred Müller mit seiner »roten Suzi«. Und mit Hund.
»Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten« auf evangelisch: der Regensburger Pfarrer Manfred Müller mit seiner »roten Suzi«. Und mit Hund.

Mit dem Motorrad zur Pfarrkonferenz

Den Schlüssel gesteckt, die vier bunten Kontrollleuchten flimmern, und »wrummmm!« erwacht der Vierzylinder zum Leben. »Damit fahre ich auch mal auf eine Pfarrkonferenz, oder mache einen Ausflug in den Bayerischen Wald.« Im September geht es für ein paar Tage nach Tschechien, das Gepäck als Rolle hinten aufgeschnallt. Koffer oder Verkleidung lehnt Müller ab.

Am liebsten ist er allein unterwegs. »Wenn an schönen Sonntagen im April alle aufs Motorrad steigen, bleibe ich lieber zu Hause.« Dafür schwinge er sich wochentags auf seinen Feuerstuhl und fahre über die Dörfer, »wo man höchstens Hasen trifft, einen Lkw oder mal einen Traktor«, sagt er. Das sei »Erholung pur«.

Und was macht ein Pfarrer mit vier Motorrädern, von denen er zugegebenermaßen drei nicht fährt? Bis zur Rente sind es keine fünf Jahre mehr, und dann: kommt Zeit, kommt (Motor-)Rad. Die dicke Triumph will er nächstes Jahr zulassen. Für die »rote Suzi« hat er jetzt schon jemanden: Pfarrer Müller möchte sie mit einem jungen Mann, der aus dem Iran stammt, zusammen herrichten. »Wenn er sie als Fortbewegungsmittel hat und damit herumfährt, bin ich glücklich.«

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