15.10.2018
Schatzkästchenletzter Dinge

Tod & Erinnern: Ausstellung in Passau zeigt "Was bleibt."

Was wird morgen sein? Was ist, wenn es mir schlechter geht? Was bleibt, wenn ich tot bin? Ein Lieblingsrezept, Fotos, Briefe, Erinnerungsstücke? Sich diesen Fragen mitten im Leben zu stellen, dazu lädt die Ausstellung "Was bleibt. Weitergeben. Schenken. Stiften. Vererben" von der Evangelischen Landeskirche und der Diakonie Bayern ein. Noch bis zum 4. November ist sie im Evangelischen Zentrum St. Mattäus in Passau zu sehen.
Schatzkästchen
Es gibt viele Dinge, an die man gerne zurückdenkt. Das ist auch der Grund, weshalb man gerne nach vorne schaut.

Die Ausstellung thematisiere, was von einem selbst bleibt, "was mich ausmacht, meine Werte, was ich aufgebaut habe, was mir geschenkt wurde, was ich weitergeben will", sagt Sabine Aschenbrenner, Leiterin der Sozialen Dienste der Diakonie Passau. Sie wolle die Besucher anregen, darüber nachzudenken, was ihnen wichtig und wertvoll ist, erläutert Pfarrerin Sonja Sibbor-Heißmann. Es gehe um mehr als um Haus, Auto und Sparbuch. "Es geht um meinen Wert für andere."

"Die meisten von uns haben so etwas wie ein Schatzkästchen, vielleicht einen Schuhkarton mit Erinnerungen, Fotos, kleinen Gegenständen, Briefe oder Postkarten, Eintrittskarten", sagen die beiden Organisatorinnen. Die Schatzkästchen seien Leitmotiv der Ausstellung. Die Schau verbinde sie mit Geschichten von Menschen. Die Betrachter würden eingeladen, nach eigenen Schätzen zu suchen. Eine Tafel ermutige, auch andere daran teilhaben zu lassen, etwa mit Statements, Erlebnissen und Träumen.

Blick in die Zukunft

Mit der Ausstellung wollen die Veranstalter nicht nur in die Vergangenheit, sondern auch in Gegenwart und Zukunft blicken, sagt Aschenbrenner. Sie ermuntere, sich Gedanken darüber zu machen, "was uns antreibt, woran wir glauben und was wir mit anderen teilen wollen, wofür wir Verantwortung tragen wollen". Die Schau spreche auch das Thema "Erben und Vererben" an, etwas an jene weiterzugeben, die einem wichtig sind. Dazu könnten auch diakonische Projekte gehören.

Ein Kuchenrezept als bleibende Erinnerung an die Oma, die köstlichen Apfelkuchen backen konnte, ist auf einer Ausstellungstafel zu entdecken. Die Schau zeige, wie man Dinge weitergibt, etwa ein Rezept, erzählt Pfarrer Günter Gastner aus Nürnberg, der die Ausstellung mitkonzipierte. Die Enkel dächten beim Duft des Kuchens an die Oma. In dem Schatzkästchen, das zu der Tafel gehört, befinden sich auch ein Nudelholz und ein Gesangbuch. "Wir geben mehr weiter", sagt Gastner beim Rundgang.

Ziel der Präsentation sei, Menschen anzuregen, zu überlegen, was ihnen wichtig ist im Leben.

Dies könne auch ein Projekt der Diakonie oder Kirche sein, das man bedenken wolle, zum Beispiel eine Nachbarschaftshilfe, wie eines der "Schatzkästchen" verrät. Ein weiteres Plakat stellt einen Mann vor, dem es wichtig ist, sich für andere einzusetzen, für Bildung und Frieden in der Welt. Die Schau blickt auch auf eine Frau, die zur Goldenen Konfirmation wieder in ihre frühere Kirche kommt und entdeckt, was diese ihr bedeutet habe angesichts der Gemeinschaft, die sie hier erlebte, und des Gebäudes, dessen Erhalt sie unterstützen will.

Ein altes Foto auf einem Ausstellungsbild erinnere sie an ihren Vater, schildert Sonja Sibbor-Heißmann. Es lade ein, über Tabuthemen nachzudenken und die letzten Dinge zu regeln, zum Beispiel, welchen Umgang man in einer schweren Krankheitsphase möchte oder was mit dem Erbe geschehen soll, um Streit zu vermeiden.

Die Nachfahren sollten wissen, was man gernhatte, worauf man Wert legte.

Sabine Aschenbrenner mag die Tafel mit dem "Hippie-Bild" am liebsten, das zu ihrer Jugend passe. Sie zeigt die Geschichte eines Mannes auf, der viel in der Welt herumgekommen ist und vieles erlebt hat. Ihm seien soziale Projekte wichtig, zum Beispiel für benachteiligte Jugendliche, die er über den Tod hinaus unterstützen will.

Aschenbrenner hat die Schau nach Passau geholt. Es werde vieles von dem angesprochen, was sie in ihrer diakonischen Arbeit erlebt, erzählt sie. Immer mehr Menschen riefen in der Diakonie an, weil sie niemanden mehr haben, der sie betreut, wenn sie in eine Klinik müssen. Die Diakonie übernehme immer mehr gesetzliche Betreuungen. Die Exponate setzen Impulse.

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