13.04.2020
"Fernbeschulung"

Umfrage: Lehrer müssen Unterricht aus der Ferne für Schüler noch verbessern

Mit der derzeitigen "Fernbeschulung" der Kinder tun sich etwa 15 bis 20 Prozent der bayerischen Eltern schwer, ergibt eine neue Umfrage.
Hausaufgabe digital ipad smartphone Unterricht zuhause lernen

"Besonders für Eltern mit mehreren, kleineren Kindern und Home Office ist die Situation anstrengend bis überfordernd", teilte der Bayerische Elternverband (BEV) unter Berufung auf eine Umfrage. Der BEV geht davon aus, dass die Dunkelziffer, insbesondere bei bildungsfernen und sozial schwachen Familien, noch höher sei. Aber auch andere Familien hätten zahlreiche Kritikpunkte.

Der BEV befragte mehr als 3.100 Eltern zu ihren Erfahrungen mit der "Fernbeschulung" während der Corona-Krise und wertete nach eigenen Angaben Hunderte Blogbeiträge aus.

Insbesondere seien die Problemfelder "Medien und Datenschutz", "Eltern, die Lehreraufgaben übernehmen", "Kontakt zu den Lehrern" und "Rückkehr in den normalen Unterricht" ausgemacht worden, schreibt BEV-Vorsitzender Martin Löwe in dem "Offenen Brief" an den bayerischen Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler).

So kritisiert der BEV, dass zum Beispiel über Whats App kommuniziert werde, oder dass Videokonferenzen wegen unklarer Kostenlage wieder abgebrochen werden. "Wir bitten darum, den Schulen eine Liste datenschutzrechtlich unbedenklicher und kostenfreier Medien zu übermitteln", heißt es in der Mitteilung. Auch würden oft nur Arbeitsbögen versendet, die ausgedruckt und wieder eingescannt werden müssten. Stattdessen sollten aber mehr interaktiver Unterricht und die Bearbeitung von Online-Arbeitsbögen ermöglicht werden.

Außerdem fordert der Verein, dass regelmäßiger Videounterricht stattfindet und die Lehrer ausreichend Lehrvideos zur Verfügung stellen. "Es sollte nicht sein, dass Eltern das Lernen strukturieren müssen oder selbst die Inhalte erklären", so der BEV.

Schwierig sei auch, dass zahlreiche Lehrer keine Rückübermittlung der Unterlagen verlangten oder unter Berufung auf den Datenschutz keine Mailadresse herausgeben würden. Letztlich fordert der Verein, dass außer für die Abschlussklassen keinerlei Noten erhoben werden. "Die Leistung muss individuell überprüft und an individuellen Fortschritten gemessen werden", heißt es in dem Brief.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Journalismus, Projektmanagement, Ausstellungswesen

Freiwilliges Jahr Medien Kultur
Du suchst nach einem Platz für ein Freiwilliges Kulturelles Jahr? Der Evangelische Presseverband für Bayern (EPV), zu dem auch das Nachrichtenportal Sonntagsblatt.de, der Lagois-Fotowettbewerb und die Ausstellungsplattform ausstellung-leihen.de gehören, bietet ab September 2020 ein FSJ Kultur in der Abteilung Online & Crossmedia an.

Unterricht und Corona

Matthias-Grünewald-Gymnasium Würzburg Tür Spiegelung
Bayerische Lehrkräfte sehen sich während der Corona-Krise mit ungekannten Herausforderungen konfrontiert. Doch welche Chancen ergeben sich durch das Unterrichten aus der Ferne? Ist die digitale Form womöglich sogar die effektivere? Wie der Schulalltag aktuell gemeistert wird und welche besondere Rolle der Religionsunterricht dabei einnimmt, hat Sonntagsblatt.de im Gespräch mit der Würzburger Schulbeauftragten und einem Gymnasiallehrer herausgefunden.

Familie in der Krise

Mädchen Wut Verzweiflung Kind traurig Streit Familie
Daheim lernen statt in der Schule, Betreuungsprobleme und viel gemeinsame Zeit auf begrenztem Raum: Die Corona-Pandemie stellt Eltern und Kinder vor besondere Herausforderungen. Kinderärzte und Pädagogen sind besorgt - insbesondere mit Blick auf sozial benachteiligte Schülerinnen und Schüler.

"Am Ende ist man doch allein":

Autor
Uschi Hartberger ist seit mehr als 25 Jahren ihre eigene Chefin. An der Würzburger Musikhochschule lehrt sie eine Methode zur Schulung der Körperhaltung und ist in einer eigenen Praxis tätig. Im Moment sind beide geschlossen, was Hartberger einen drastischen Umsatzeinbruch beschert. Wie so viele Selbstständige, beantragte sie Soforthilfe. Dass es die gibt, ist ohne Zweifel gut, sagt sie. Alleingelassen fühlt sich die 62-Jährige dennoch.