20.09.2018
Weltalzheimertag

Alzheimer: "Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst" im Tierpark Hellabrunn

Was haben "Ein feste Burg" und das Streichelgehege im Zoo gemeinsam? Beides sind für viele Menschen Kindheitserinnerungen – und die sind vor allem für Menschen mit Demenz besonders wertvoll. Der "Vergiss-mein-nicht"-Gottesdienst der Alzheimergesellschaft München verknüpft beides in seinem nächsten Gottesdienst.
Elchbabys im Tierpark Hellabrunn
Im Juni 2018 kamen in Hellabrunn Elch-Zwillinge zur Welt. Ein Besuch im Tierpark gehört fast zu jeder Kindheit dazu – und Erinnerungen an die Kindheit sind oft wichtige Anker für Menschen mit Demenz.

In Deutschland leben etwa 1,5 Millionen Menschen mit einer Demenzerkrankung, 60 Prozent davon leiden an Alzheimer. Etwa einer von zehn der über 65-Jährigen leidet an Demenz, jeder Dritte der über 90-Jährigen. Mehr und mehr Menschen haben ältere Angehörige, die sie am Telefon nicht mehr an der Stimme erkennen oder sich nicht mehr an den gemeinsamen Ausflug in den Freizeitpark erinnern.

Viele an Demenz erkrankte Menschen leiden darunter und verspüren das Gefühl, allein mit ihrer Erkrankung zu sein. Genau dem möchte der "Vergiss-mein-nicht"-Gottesdienst der Alzheimergesellschaft München entgegenwirken, den sie zusammen mit der Christuskirche Neuhausen und der Stephanuskirche Nymphenburg sechsmal im Jahr anbietet.

Dekan Christoph Jahnel, Pfarrer an der Christuskirche, bezeichnet die Treffen des Vergiss-mein-nicht-Gottesdiensts als eine Art "Selbsthilfegruppe". Zentrale Aufgabe des Gottesdiensts sei das Zusammenfinden der Betroffenen und Angehörigen. "Das ist etwas sehr Heilendes, zu spüren, es geht anderen auch so", sagt er. Bei dem Gottesdienst gehe es nicht um die Frage nach dem Warum, sondern um die "Zusage, dass ich nicht allein bin, dass Gott mich begleitet, mich sieht, mich in den Blick nimmt".

Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst der Deutschen Alzheimer Gesellschaft

Jahnel lobt die Veranstalter des Vergiss-mein-nicht-Gottesdiensts von der Deutschen Alzheimer Gesellschaft für ihr Engagement. Er selbst beobachtet, dass die Gesellschaft die Gruppe der Demenzerkrankten aus dem Blick verliert. Mit dem Gottesdienst setze die Alzheimer Gesellschaft für die Betroffenen ein Zeichen: "Wir haben euch im Blick, wir vergessen euch nicht."

Eine besondere Freude ist es für Jahnel, wenn die Gottesdienstbesucher gemeinsam singen. "Plötzlich können sie die alten, bekannten Kirchenlieder mitsingen. Das ist dann die Erinnerung an eine schöne Kindheit."

Einen ähnlichen Grund habe es, dass der Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst dieses Jahr im Tierpark stattfindet. "Viele Menschen erinnern sich vielleicht an eine Geschichte, als sie selber mal als Kinder in den Tierpark gegangen sind." Der Tierpark als Gottesdienst-Ort habe den Nutzen, alle Sinne der Demenzkranken anzusprechen und alte Erinnerungen hervorzuholen.

Vergiss-mein-nicht-Gottesdienst

Seit 2013 veranstaltet die Alzheimer Gesellschaft München jedes Jahr den "Vergiss-mein-nicht"-Gottesdienst. Ehemalige Angehörige und Begleiter von Menschen mit einer Demenz laden ein, bei Kaffee, Tee und Kuchen ins Gespräch zu kommen. Der "Vergiss-mein-nicht"-Gottesdienst findet jährlich am Welt-Alzheimer-Tag am 22. September statt.

Weitere Termine und Veranstaltungsorte des "Vergiss-mein-Nicht"-Gottesdienst stehen unter www.evangelische-termine.de

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema:

Alzheimer im Alltag

Günter Haßel mit seiner Frau.
Der Welt-Alzheimertag am 21. September erinnert an die rund 1,4 Millionen Menschen, die derzeit in Deutschland an Demenz erkrankt sind. Zwei Drittel von ihnen leben zu Hause - betreut von ihren Angehörigen. Ein solches Paar sind Günter und Erika Haßel. Eine Reportage über Verstehen ohne Worte, kleine Auszeiten und gemeinsame Tage.
Sonntagsblatt