25.08.2018
Brauchtum und Geschichte

Volksschauspiel: "Schutzfrau von Münnerstadt"

Volksschauspiele sollen oft Gefahren abwehren. Im Fall der "Schutzfrau von Münnerstadt" war dies vor gut 90 Jahren Langeweile der Kurgäste von Bad Kissingen. Die Historienschau mit 200 Darstellern macht auch heuer, am 26. August, am 2. und 9. September, wieder die Münnerstädter Altstadt bunt.
Historienschau in Münnerstadt
Das ganze Städtchen scheint auf den Beinen und in aufwendigen Kostümen.

Nicht allzu bunt hingegen sollen es die Schweden im Dreißigjährigen Krieg hier getrieben haben. 1631 besetzten sie Münnerstadt zwar, aber erst zehn Jahre später soll es wirklich brenzlig für die Bürger geworden sein. Indes, die befürchtete Krise blieb aus. Warum? Die Kunde von einem Wunder machte die Runde. Und keine 300 Jahre später war es soweit. Der Kissinger Landrat gab ein Freiluftspektakel in Auftrag. Die Geschichte vom Eingreifen Mariens in den Kriegsverlauf sollte die Sommerfrischler am Rand der Rhön volkstümlich unterhalten.

Ludwig Nüdling, ein katholischer Priester aus Poppenhausen a. d. Wasserkuppe, hatte schon reichsweit Gedichte und Gebete veröffentlicht. Diesen großen Sohn der Region beauftragte die Kommune mit der "Schutzfrau". Die wird bis heute im Original gespielt. Regisseur der Uraufführung im Jahr 1927 war Alois Sator vom Würzburger Stadttheater. H.-Rudolf Becher stuft das Schauspiel in seiner Schrift "Historische Volksschauspiele in Franken" ein: "Von Anfang an legte man trotz des lokalgeschichtlichen Inhalts großen Wert auf die überörtliche Bedeutung und zeitübergreifende Gültigkeit der christlichen Botschaft. Diese besagt, dass ein fester Glaube auch in schwersten Zeiten eine entscheidende Hilfe sein kann."

Gebete, Wunderglaube und die Mutter Gottes

So spielen bis heute Gebete auf offener Bühne eine Rolle in "Die Schutzfrau von  Münnerstadt". Das Symbol der Rose zieht sich leitmotivisch durch das ganze Stück. Und der Wunderglaube kommt nicht zu kurz: Die Muttergottes erhört die Münnerstädter. Sie fängt die Kanonenkugeln auf, der Feind flieht entsetzt vor dieser Erscheinung.

Rund 30 Familien stellen traditionsgemäß die Darsteller. Meist spielen die ein Leben lang in wechselnden Rollen mit: beim fröhlichen Erntefest, bei der Bedrohung der Stadt und der wundersamen Errettung. Vor der Fachwerkkulisse erwecken Stadtknechte, Bauern, Bürger, Scholaren und Schnitterinnen die Legende an ihrem angeblichen Schauplatz zum Leben.

INFO

Am 26. August findet vor der Aufführung ein Gelage im Schloss statt. Am zweiten Spieltag, dem 2. September, ist verkaufsoffener Sonntag, am 1. und 2. September Lagerleben am Anger. Am 2. und 9. September laufen Stadtführungen. Das Spiel dauert rund anderthalb Stunden. Um 13.45 Uhr startet ein Festzug, um 14.30 ist Spielbeginn. Tickets und Informationen: Heimatspielgemeinde Münnerstadt e.V., Claudia Kind, Nikolaus-Molitor-Str. 21, 97702 Münnerstadt

www.heimatspiel-muennerstadt.de

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