22.03.2017
Wie ein Bayreuther Pfarrer mit einem Kinderbuch für Toleranz wirbt

Von Außenseitern und Aussätzigen

Es ist ein ernstes Thema, das oft schon in der Schule beginnt: Die Grenze zwischen Hänseleien und Mobbing ist schnell überschritten. Wie vermeintliche Außenseiter doch akzeptiert werden können, hat ein Bayreuther Pfarrer in einem Kinderbuch neu erzählt.
 Pfarrer Hans-Dietrich Nehring mit Buch "Ole von Pups" und Handpuppe
Mit Puppe und »Pups«: Pfarrer Hans-Dietrich Nehring wendet sich als Handpuppenspieler und Buchautor an die Kinder.

Eigentlich ist Ole ein ganz normaler Junge. Er kommt aus Hamburg, hat viele Freunde und Fußball ist seine große Leidenschaft. Doch bald sollte alles ganz anders werden: Ole muss mit seinen Eltern nach Bayreuth umziehen und kommt in eine neue Schule. Als er schließlich eines Morgens gemeinsam mit seiner Lehrerin vor der Klasse steht, bekommt er vor Aufregung kein Wort heraus und stellt sich stattdessen mit einem lauten Pups vor.

Kein Wunder, dass ihm seine Mitschüler gleich einen Spitznamen verpassen: »Ole von Pups«. Von nun an nimmt das Schicksal seinen Lauf: Ole ist der große Außenseiter und keiner will mehr was mit ihm zu tun haben – bis der Pfarrer im Religionsunterricht die biblische Geschichte von Jesus und dem Aussätzigen erzählt und sich das Blatt zu wenden beginnt.

Geschrieben hat dieses originelle Kinderbuch mit dem Titel »Ole von Pups«, das vor kurzem im Francke-Verlag erschienen ist, Hans-Dietrich Nehring, evangelischer Pfarrer an der Friedenskirche in Bayreuth – und das war nicht sein erstes Buch. Er liebt es einfach, sich Geschichten auszudenken und sie den Kindern im Religionsunterricht zu erzählen.

Biblische Geschichten mit der Lebenswirklichkeit verbinden

»Ich habe mir schon als Kind immer Geschichten überlegt und meinem Großvater erzählt, und der musste sie dann aufschreiben«, meint Nehring lächelnd. »Und so versuche ich eben auch heute, die biblischen Geschichten mit der Lebenswirklichkeit der Schüler zu verbinden.« Auf diese Weise ist schließlich auch die Geschichte von Ole, dem Außenseiter, entstanden. Schon viele Male hat der Bayreuther Pfarrer sie seinen Schülern in den vergangenen acht Jahren erzählt und immer wieder verändert sich dabei ein bisschen was. Man merkt, worauf man achten muss und was die Kinder wirklich anspricht, und die Geschichte gewinnt langsam an Gestalt.

Vor zwei Jahren begann Hans-Dietrich Nehring dann damit, die Erzählung von »Ole von Pups« aufzuschreiben und in Form zu gießen. Fertig wurde das Kinderbuch kurz vor dem Weihnachtsfest 2016 und ist ab sofort im Buchhandel erhältlich. »Es hat mir total viel Spaß gemacht, das Buch zu schreiben«, sagt der Pfarrer, »und wenn man es genau nimmt, haben die Schüler daran mitgeschrieben.«

Doch warum eigentlich gerade die Geschichte von Ole, der sich in seiner neuen Klasse ausgerechnet mit einem Pups vorstellt? Und was hat diese Geschichte mit der Heilung des Aussätzigen zu tun? Das Buch von Hans-Dietrich Nehring greift das große Thema Mobbing auf, das leider auch heute noch in Schule und Beruf weit verbreitet ist. Wie schnell zieht da jemand durch sein Aussehen oder sein Verhalten unfreiwillig den Spott der Klasse auf sich und wird durch einen einfachen Satz »Der ist halt doof« zum Außenseiter.

So wie Ole, den seine Mitschüler schon am ersten Tag ins Abseits manövrieren, und er erst einmal keine Chance hat, sich daraus zu befreien. »Die Geschichte soll deutlich machen: Ole ist so, weil ihn die anderen so behandeln. Jesus dagegen ist auf den Aussätzigen zugegangen, ihm war es egal, ob er sich ansteckt«, betont Nehring, »und ich bin überzeugt davon, dass Jesus auch heute noch einen Ole von seinem Aussatz heilt.«

Harte Probe für Freundschaften

Kein Wunder also, dass Hans-Dietrich Nehring der Religionsunterricht in der Schule und die Arbeit mit den Kindern und Jugendlichen in seiner Gemeinde sehr am Herzen liegen. So organisiert er Familiengottesdienste und Freizeiten und denkt sich immer wieder neue Geschichten aus, um den Kindern die biblische Botschaft so nahezubringen, dass sie eine Bedeutung für ihr eigenes Leben bekommt. Geschichten können das Denken verändern und es in eine bestimmte Richtung lenken – davon ist Nehring fest überzeugt. Und den Kindern gelingt es leicht, die Verbindung zwischen einer Erzählung und einer biblischen Geschichte herzustellen, wenn man beim Erzählen die richtige Spur legt.

So war es auch bei der Ge­schichte von Ole aus Hamburg, der erst in Bayreuth zum Außenseiter wurde. Das Buch erzählt also davon, wie es ausgerechnet die biblische Geschichte von Jesus und dem Aussätzigen ist, die Oles Mitschülern klarmacht, dass sie ihn wie einen Aussätzigen behandeln, obwohl er doch eigentlich gar nichts dafür kann. Doch das ist noch lange nicht alles: Denn auch eine missglückte Party und ein Fluchtversuch von Oles größtem »Feind« sorgen für Aufruhr und wirbeln alles mächtig durcheinander. Und so werden auch die bisherigen Freundschaften auf eine harte Probe gestellt.

Wird Ole es trotz seines Spitznamens schaffen, von den anderen akzeptiert zu werden? Und was haben der Nürnberger Zoo, ein fürsorglicher Elefant und das Gleichnis vom verlorenen Schaf mit der ganzen Sache zu tun? Lassen Sie sich überraschen und lesen Sie es selbst im Kinderbuch »Ole von Pups«.

Buchtipp

Hans-Dietrich Nehring: Ole von Pups. Francke Verlag Marburg, 144 Seiten, illustriert, 9,95 Euro.

ShareFacebookTwitterShare
Sonntagsblatt