20.09.2019
20. September

Weltkindertag: Evangelischer Verband kritisiert zu niedrige Investitionen in Kita-Qualität

Zum Weltkindertag am 20. September haben Politiker und Verbände dazu aufgerufen, Kinderrechte zu stärken, aber auch mehr Geld in Kitas zu stecken. Die bayerische Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU) erklärte am Donnerstag in einer Mitteilung, die Interessen von Kindern und Jugendlichen müssten "wirklich gestärkt werden". Beteiligung sei "keine Frage des Alters, sondern der richtigen Form. Kinder und Jugendliche möchten gefragt und gehört werden".
Kinderbetreuung darf keine Frage des Geldbeutels sein.

Kritische Anliegen von Kindern und Jugendlichen ernstzunehmen ist auch eine Forderung der Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbandes (BLLV), Simone Fleischmann. Es passe gut zusammen, dass der Weltkindertag unter dem Motto "Kinder haben Rechte" auf den Tag der bundesweiten Protestaktionen der "Fridays for Future"-Bewegung falle.

"Fridays for Future" zeige, wie engagiert Heranwachsende sein könnten, wenn sie sich für wichtige Themen interessieren und sich mit den Inhalten identifizieren.

Es gehöre zum schulischen Alltag, dass das, was in der Gesellschaft passiere, nicht vor den Toren der Schule Halt mache, unterstrich Fleischmann. In Sachen Demokratieerziehung sei die "Fridays for Future"-Bewegung geradezu vorbildlich. Für eine erfolgreiche Demokratieerziehung sei daher unabdingbar, dass die Lehrkräfte hierfür Zeit hätten. Es brauche daher auch entsprechende personelle Ressourcen.

Auch der evangelische Kindertagesstättenverband (evKITA) stellte am Donnerstag in einer Mitteilung fest, es sei für Kinder wichtig, "dass ihre Bedürfnisse ernstgenommen werden und sie ihren Alltag mitbestimmen können". Sie sollten lernen, ihre Meinung zu vertreten und sich in ihrem Tempo weiterentwickeln können. "Dazu braucht es Zeit für Beobachtung und Gespräche", sagte die Vorständin für Bildung und Soziales des Verbands, Christiane Münderlein.

Sie kritisierte, dass die bayerische Staatsregierung zu wenig Geld in die Qualität von Kitas investiere. Die Regierung setze den Fokus zu sehr auf die Beitragsentlastung in der Kindergartenzeit.

Obwohl anders angekündigt, werde die Hälfte der Bundesmittel aus dem sogenannten Gute-Kita-Gesetz zur Refinanzierung der Beitragsbezuschussung verwendet "und nicht in die Qualität gesteckt", stellte Münderlein fest. 

Es sei aber dringend erforderlich, vor allem die Kita-Leitungen zu stärken. Denn diese spielten eine entscheidende Rolle, um die Qualität in den Einrichtungen weiterzuentwickeln, so Münderlein. Um alle Kita-Leitungen und ihre Teams spürbar zu entlasten, sei für jede Einrichtung eine Sockelfinanzierung von 20.000 Euro und eine ergänzende kindbezogene Förderung notwendig, schlägt der evKITA vor.

Der Verband befürchtet, dass beim derzeit geplanten Mitteleinsatz aus dem Gute-Kita-Gesetz im Jahr 2020 die Förderung nicht für alle Kitas ausreichen werde. "Um eine dauerhafte Finanzierung zu gewährleisten, muss zudem die Stärkung der Kita-Leitungen als gesetzliche Maßnahme im BayKiBiG (Bayerisches Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz) verankert werden", forderte Münderlein daher.

Evangelische Kitas bieten in Bayern rund 92.000 Plätze in etwa 1.450 Einrichtungen an.

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