18.05.2019
"Kirche in Bayern"

Wie eine Zusatzausbildung Lehrer auf den interreligiösen Alltag an Schulen vorbereitet

Das "Zertifikat interreligiöse Mediation" hilft Studierenden und Lehrenden, mit der religiösen Vielfalt in den Klassenzimmern umzugehen. Was sie dabei über die Weltreligionen lernen, erfahren Sie in unserem Beitrag.
"Interreligiöse Mediation“ heißt das Ergänzungsstudium an der Uni Augsburg für angehende Lehrerinnen und Lehrer. Von ihrem Wissen sollen die Schulklassen, die religiös immer bunter werden, profitieren. Ein Fernsehbeitrag im ökumenischen Magazin "Kirche in Bayern" von Simona Hanselmann-Rudolph.

Seit einem Jahr können Lehramtsstudierende, Lehrerinnen und Lehrer die Zusatzqualifikation "interreligiöse Mediation" an der Universität Augsburg absolvieren. Die evangelische Religionspädagogin Elisabeth Naurath ist eine der Projektinitiatorinnen. "Wir haben gesehen, dass die Schulen immer bunter werden, die religiöse Vielfalt wächst", sagt sie. Das bringe auch ein gewisses Konfliktpotenzial mit sich. Lehrkräfte bräuchten daher Zusatzqualifikationen, um mit Konfliktthemen im Schulalltag umgehen zu können.

Konflikte entstünden oft, wenn es in der Schule um Essen, Kleidung oder Sport gehe. Für die Friedensförderung im Schulalltag sei es daher wichtig, dass Lehrkräfte auch andere Lebensformen und Religionsgebote kennenlernen, meint die Professorin. Das Ergänzungsstudium in interreligiöser Mediation dauert sechs Semester. Es steht allen offen, die als Lehrkraft arbeiten oder sich in der Ausbildung zur Lehrkraft befinden.

Dozenten verschiedener Religionen

Neben katholischen und evangelischen Dozierenden gibt es mit Antje Yael Deusel und Selcen Güzel auch zwei Lehrbeauftragte für Judentum und für Islam. "Wir möchten den Studierenden nicht nur Theorie über die Religionen vermitteln, sondern auch interreligiöse Praxis", erläutert Elisabeth Naurath. Am Projekttag gehen die Studierenden daher in eine Schule und diskutieren mit den Schülern und dem Lehrer eine konkrete Fragestellung interreligiös. Um etwa Islam und Islamismus unterscheiden zu können, brauche es Bildung, findet die Professorin.

Jens Beiner, Ann Christin Wienands und Emine Cakil (v. li.) absolvieren eine interreligiöse Zusatzausbildung.
Bekommen praktisches Wissen über unterschiedliche Religionen vermittelt: Jens Beiner, Ann Christin Wienands und Emine Cakil (v. li.) absolvieren die interreligiöse Zusatzausbildung.

Ann Christin Wienands, Jens Beiner und Emine Cakil wollen Lehrer werden und absolvieren gerade das Ergänzungsstudium. Um im Religionsunterricht Islam und Judentum zu behandeln, brauche man fundiertes Wissen, meint Ann Christin Wienands. Sie findet es gut, dass sie die unterschiedlichen Perspektiven direkt von jüdischen und muslimischen Dozentinnen vermittelt bekommt. Jens Beiner möchte wissen, wie das Miteinander funktionieren kann. Er findet es wichtig, die religiöse Perspektive anderer mit Leben zu füllen. Das kann er nun direkt erleben: "Ich habe im Ergänzungsstudium viele muslimische Studierende kennengelernt. Wir haben zusammen Fastenbrechen gefeiert, es war sehr schön, daran teilzunehmen."

Anlass, über den eigenen Glauben nachzudenken

Es gebe oft Vorurteile gegenüber muslimischen Studierenden, meint Ann Christin Wienands. Dass sie etwa gezwungen seien, Kopftuch zu tragen. Man stelle mit der Zeit aber fest, dass die Unterschiede nicht so groß sind. Die Ausbildung biete dabei auch Anlass, über seinen eigenen Glauben nachzudenken.

Emine Cakil besucht die interreligiöse Mediation, weil sie findet, dass Dialog ein wichtiger Beitrag zum Frieden in der Welt ist. Was fremd sei, werde oft als unangenehm oder gar böse empfunden: "In den Seminaren haben wir die Gelegenheit, uns auszutauschen. Die Atmosphäre in den kleinen Gruppen ist auch angenehmer als in Vorlesungen." Dadurch könne man bestimmte Themen und Fragen viel besser ausarbeiten. Der Austausch helfe den Studierenden, die anderen besser zu verstehen, und das Wissen, das sie sich nur vom Hören oder vom Lesen angeeignet haben, nochmals zu überdenken, erläutert Emine Cakil: "Ich lerne immer wieder Neues zum Christentum, zur Bibel und zu der Lebensweise der Christen."

INFO

Der Studiengang ist ein Angebot für Lehramtsstudierende aller Fachrichtungen und die Zusatzqualifikation inzwischen sehr gefragt: dabei werden die Studierenden von evangelischen und katholischen Theologen, jüdischen und muslimischen Lehrbeauftragten auf den Schulalltag vorbereitet. Sie lernen alles über den Glauben der drei abrahamitischen Religionen: das Christentum, das Judentum und den Islam. Außerdem erfahren sie mehr über die Feiertage, Kleidung, Fastenzeiten und bestimmte Speiseregeln, etwa was "halal" und "koscher" bedeutet. Und es wird ihnen beigebracht, wie man Konflikte löst, die durch religiöse Unterschiede entstehen.

Ansprechpartner für das Zertifikat Interreligiöse Mediation sind die evangelische Theologin Elisabeth Naurath (elisabeth.naurath@phil.uni-augsburg.de) und ihr katholischer Kollege Georg Langenhorst (georg.langenhorst@kthf.uni-augsburg.de).

 

"Kirche in Bayern" läuft immer sonntags auf den bayerischen TV-Regionalsendern – unter anderem um 15.30 Uhr auf münchen.tv und um 18.30 Uhr bei Franken Fernsehen. Weitere Sender und Sendezeiten finden Sie unter www.kircheinbayern.de/ausstrahlung.

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