2.10.2020
Polizeiseelsorge

Oberkirchenrat Blumtritt: Polizisten brauchen Seelsorge

Wegen wachsender Belastungen brauchen Polizisten nach Einschätzung von Oberkirchenrat Stefan Blumtritt eine umfassende seelsorgerliche Begleitung.
Einsatz der Notfallseelsorge (Symbolbild)

Die Polarisierung in der Gesellschaft habe zugenommen, aus Aggression sei "blanker Hass" geworden, wie die Polizistinnen und Polizisten beispielsweise bei Demonstrationen spürten, sagte Oberkirchenrat Blumtritt, der in der evangelischen Landeskirche für die "gesellschaftlichen Dienste" zuständig ist, dem Sonntagsblatt.

Polizeiseelsorge

Auch sei es eine zunehmende Belastung für die Polizisten, die staatlichen Corona-Maßnahmen durchzusetzen, weil dies zu neuen Konflikten führe. In dieser schwierigen Situation begleiteten die Polizeiseelsorger die Beamten und stünden ihnen für individuelle Seelsorge zur Verfügung.

Die Polizei sei Teil der Gesellschaft und damit ein repräsentativer Querschnitt mit allen Strömungen, Denkmustern, Ideologien und Aversionen, die es auch in der Gesellschaft gibt.

Polizei für Rechtsstaat

Wie er aus beruflichen Erfahrungen wisse, seien die Beamten "sehr bereit", ihre Aufgaben gut und im Sinne ihres rechtlichen Auftrags zu erfüllen, sagte Blumtritt. Allerdings bräuchten sie dafür Rückendeckung aus der Gesellschaft, von Politik und Kirche.

Bei aller Kritik am Verhalten einzelner Polizeibeamter müsse klar sein, dass die Polizei für den Rechtsstaat und das demokratische Prinzip einstehe. Wegen der grundlegenden Prinzipien von Demonstrationsrecht und Meinungsfreiheit müssten die Polizisten auch Kundgebungen schützen, deren inhaltliche Anliegen sie ablehnen.

"Sie garantieren dadurch den Rechtsstaat", betonte Blumtritt.

Stichwort: Polizeiseelsorge

In Bayern kümmern sich jeweils zwei hauptamtliche katholische und evangelische Polizeipfarrer zusammen mit rund 30 weiteren beauftragten Seelsorgern um 40.000 Polizisten und Polizistinnen. Die Polizeipfarrer geben berufsethischen Unterricht, führen Fortbildungen durch, begleiten die Polizisten bei schwierigen Einsätzen und stehen ihnen für seelsorgerliche Gespräche zur Verfügung.

Da diese Pfarrer und Pfarrerinnen nicht in die polizeiliche Hierarchie eingebunden sind, können sich ihnen die Beamte auch mit persönlichen Sorgen und Nöten anvertrauen. Die Polizeiseelsorge wurde 1920 auf Bestreben der katholischen Frauenrechtlerin und Politikerin Ellen Ammann gegründet: zunächst mit einem hauptamtlichen katholischen Seelsorger. 

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