15.08.2020
Flüchtlinge

Bischof Heinrich Bedford-Strohm fordert legale Fluchtwege aus Krisenregionen

Man könne nicht einfach Grenzen schließen, sagt der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Er ist für legale Fluchtwege aus Krisenregionen in Afrika oder dem Nahen und Mittleren Osten.
Bedford-Strohm im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses.
Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses.

Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm spricht sich für legale Fluchtwege aus Krisenregionen in Afrika oder dem Nahen und Mittleren Osten aus. "Man kann nicht einfach die Grenzen zumachen, die Augen vor dem Leid der Menschen verschließen und die Verantwortung gegenüber den Flüchtlingen allein Ländern außerhalb der EU zuschieben", sagte Bedford-Strohm im Gespräch mit dem evangelischen Pressedienst (epd).

Europa sei christlich geprägt und habe daher eine Verantwortung für Menschen in Not. "Alle Länder müssen ihren Teil der Verantwortung tragen."

Bedford-Strohm, der auch Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist, bezeichnete es als "Skandal", dass derzeit noch immer mindestens 16.000 Flüchtlinge unter menschenunwürdigen Bedingungen auf der griechischen Insel Lesbos festsäßen.

"Die hygienischen Bedingungen sind katastrophal, aufs Essen müssen die Menschen stundenlang warten. Stellen Sie sich vor, was passiert, wenn dort Corona ausbricht." Dass die EU nicht einmal in der Lage sei, 1.600 Kinder und Jugendliche von dort aufzunehmen, sei "unfassbar", kritisierte Bedford-Strohm.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm fordert eine bessere Klima- und Handelspolitik

Außerdem fordert der Bischof eine bessere Klima- und Handelspolitik, um Menschen vor einer gefährlichen Flucht nach Europa abzuhalten. Wenn etwa der Klimawandel weiter voranschreite, müssten die Menschen irgendwann vor Dürre und Hunger fliehen, sagte der Bischof weiter.

Entscheidend sei auch eine vernünftige Handelspolitik: "Es kann zum Beispiel nicht sein, dass wir billige Hähnchenteile aus der EU nach Afrika schicken und so afrikanischen Kleinbauern das Geschäft wegnehmen."

Man müsse also die Fluchtursachen besser bekämpfen - so wie es die Kirchen mit ihrem weltweiten Netzwerk und ihrer Entwicklungsarbeit seit jeher machen.

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