4.07.2020
Auszeichnung

Der Auswahl-Blechbläser-Chor Gloria Brass bekommt den bayerischen Staatspreis für Musik

Posaunen sind in der Kirche immer dabei, wenn es festlich zugeht. Und bei ganz besonderen Anlässen spielt Gloria Brass. Der Auswahlchor des Posaunenchorverbands bekommt in diesem Jahr den Staatspreis Musik.
Gloria Brass übt wieder.

Ein lang herbeigesehnter Augenblick: Acht Musikerinnen und Musiker setzten ihre Instrumente an die Lippen und die ersten Töne nach der langen Corona-Pause füllen den Probensaal im Posaunenchorverband im Nürnberger Westen. Gloria Brass übt wieder.

Drei Posaunenbläser, vier Trompeter und eine Waldhornistin sind zur ersten Probe mit Chorleiter Dieter Wendel gekommen.

Professionelle Laienmusiker

Im zwölfköpfigen Ensemble des Auswahl-Ensemble Gloria Brass sind die meisten keine Vollprofis, sondern Laienmusiker, aber sie gehören mit ihren jeweiligen Instrumenten zu den besten aus den bayerischen Posaunenchören. Im kleinen Ensemble könne sie solistisch Kirchenmusik und Weltliteratur präsentieren, erklärt die studierte Posaunistin Dörte Rohlfing.

Nun bekommt Gloria Brass für seine Konzerte und die Schulungsarbeit den Staatspreis Musik des Freistaats Bayern. Im November soll die Preisverleihung sein.

Sechs bis zehn Mal im Jahr tritt Gloria Brass auf. Und nach den Konzerten kommen immer wieder begeistert junge und ältere Nachwuchsbläser, die sagen "Mensch, so kann das klingen", hat Trompeter Christian Heinemann erlebt.

Chorleiter Dieter Wendel
Drei Posaunenbläser, vier Trompeter und eine Waldhornistin sind nach der langen Corona-Pause zur ersten Probe mit Chorleiter Dieter Wendel in den Probensaal im Posaunenchorverband im Nürnberger Westen gekommen.

Viele vom Bläsernachwuchs kennen Gloria Brass, weil die Gruppe alle vier Jahre die Demo-CDs zu den neuen Bläserheften einspielt. Und wenn die Mitglieder der Posaunenchöre aus den Kirchenkreisen ein Gloria Brass-Weihnachtkonzert hören, veranschaulicht ihnen das, wie man die Stücke, die sie selbst im Repertoire haben, auch spielen kann, erklärt Rohlfing.

"Sie schauen schon zu Gloria Brass auf."

Ein wichtiger Teil der Aufgaben des Ensembles sind Schulungen, Lehrgänge und Einzelunterricht für den jungen und älteren Posaunenchornachwuchs in den Räumen des evangelischen Posaunenchor-Verbandes. Da sei immer mal wieder ein junger Blechbläser dabei, der es schließlich zu Gloria Brass schaffe, erzählt Heinemann von seinem Sitznachbarn in der Gruppe, den er bereits als Trompetenschüler unterrichtet hat.

"Wir sind Repräsentanten mit Anspornfunktion", so sieht Heinemann die Rolle der Gruppe.

Bekannt dürften die Bläser auch manchem Fernsehzuschauer sein, denn immer wieder sind die zwölf Musiker in den vergangenen Jahren bei großen TV-Gottesdiensten dabei gewesen. Dirigent Wendel ist besonders der im ZDF am 3. Oktober 2012 in Erinnerung, an dem Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) teilnahm.

Geschichte des Chors

Seit 1989 gibt es den Bläserchor des Verbandes, der Anfang der 2.000-er Jahre in Gloria Brass umbenannt wurde, seit über 150 Jahren spielen in der evangelischen Kirche in Bayern die Posaunenchöre.

Geschätzt 18.000 Bläser sind in etwa 900 Chören vereint. Posaunenchorarbeit ist das "Markenzeichen" der Kirche, diese Bezeichnung gefällt Dieter Wendel besonders gut. Der frühere Landesbischof Hermann von Loewenich habe sie geprägt, erzählt er.

Aushängeschild hin oder her - die tausenden Posaunen, Trompeten und Hörner mussten viele Wochen in der Corona-Pandemie schweigen, weil gerade Blasmusik und Chorgesang im Verdacht stehen, ein besonders hohes Ansteckungspotenzial in sich zu bergen. Dörte Rohlfing fand das etwas grotesk, denn gerade das Musikmachen und Musik hören

"dient ja der Glückseligkeit und ist für die Gemeinschaft da", sagt sie.

Dem "Kaltstart nach dem Einmotten" hat Dirigent Wendel gespannt entgegen gesehen. Viele Bläser in den Posaunenchören hätten ihre Instrumente in den vergangenen Wochen nicht zur Hand genommen, befürchtete er. "Es wird da einiges nachzuholen geben."

Die Gloria Brass-Mitglieder haben zwar geübt, aber sie und ihr Dirigent müssen sich erstmal auf die großen coronabedingten Abstände zwischen ihnen einstellen. "Tja, man merkt schon die Sitzordnung", sagt der Dirigent nach den ersten Takten. "Also noch einmal ab Ziffer 20!"

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