11.10.2018
Luthercouch Augsburg

Bedford-Strohm: Internet kann Ängste drastisch erhöhen

Facebook und Internet können nach Auffassung des bayerischen evangelischen Landesbischofs Heinrich Bedford-Strohm gesellschaftliche Ängste "drastisch verstärken". Gleichzeitig bestehe die Gefahr, "dass Stimmen, die das Positive in der Gesellschaft stark machen, eher zur Seite gerückt werden", sagte Bedford-Strohm am Dienstagabend bei einem Podiumsgespräch in der Augsburger St. Anna-Kirche.
Interview mit dem bayerischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm nach der Diskussion auf der Luthercouch Augsburg über das Internet als mögliche Quelle von Ängsten und was dagegen getan werden kann.

Hintergrund für diese Tendenz seien die Algorithmen - also die mathematischen Regeln - die der Kommunikation im Internet zugrunde liegen. Deren kommerzielle Ausrichtung habe zur Folge, dass drastische Inhalte im Netz meist den Vorzug vor anderen Nachrichten erhielten. "Eine Angst machende Nachricht wird sechs Mal öfter angeklickt als eine, die Hoffnung macht", sagte Bedford-Strohm. Sie sei damit wirtschaftlich lohnender. So werde im Internet "viel Angst verbreitet". Er forderte, die Kommunikation im Netz "öffentlich verantwortlich" zu machen. Sie dürfe nicht nur "privaten kommerziellen Interessen folgen".

Bedford-Strohm sprach im Rahmen der Gesprächsreihe "500 Fragen ... und ein paar Antworten", bei der an neun Abenden Prominente auf einem roten Sofa in der Kirche St. Anna Platz nehmen. Die Talk-Abende finden anlässlich des Aufenthalts Martin Luthers in Augsburg vor 500 Jahren statt. Der Reformator musste vom 7. bis 20. Oktober 1518 beim Reichstag in Augsburg seine Thesen vor dem päpstlichen Kardinal Cajetan verteidigen.

 

ShareFacebookTwitterGoogle+Share

Weitere Artikel zum Thema:

Kirche und Digitalisierung

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm
Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, hat eine stärkere Öffnung der Kirche für junge Menschen und mehr digitale Angebote gefordert. "Kirche ist für junge Menschen weithin nicht mehr relevant", mahnte der bayerische Landesbischof am Sonntag zum Auftakt der EKD-Synode in Bonn. Zugleich hob er die gewachsene Nähe von Protestanten und Katholiken im Jahr des 500. Reformationsjubiläums hervor.