4.01.2021
Umfrage

"Drittes Geschlecht" in Bayern bei Geburt nur selten gewählt

Seit zwei Jahren können intergeschlechtliche Menschen den Geschlechtseintrag im Personenstandsregister "divers" wählen. Von dieser Möglichkeit machen nicht viele Gebrauch. Noch zu viele sehen sich vielfältiger Diskriminierung ausgesetzt.

In Bayern spielt die Ende 2018 geschaffene Möglichkeit des „Dritten Geschlechts“ für Neugeborene zumindest in den großen Städten kaum eine Rolle. Wie eine Umfrage des Evangelischen Pressedienstes ergeben hat, gab es nur in München Eltern, die bei der Geburt ihres Kindes den Geschlechtseintrag „divers“ gewählt haben - 2019 und 2020 je ein Mal. Häufiger wurde aber der Geschlechtseintrag im Personenstandsregister auf „divers“ geändert: In den elf abgefragten Städten insgesamt 36 Mal.

Spitzenreiter bei der Änderung des Geschlechtseintrag auf „divers“ im Personenstandsregister ist die Landeshauptstadt München mit acht Änderungen in 2019 sowie sechs Änderungen im Jahr 2020. In Augsburg gab es solche Änderungen 2019 vier Mal und 2020 ein Mal - je eine Person davon war minderjährig. In Ingolstadt nutzen 2019 zwei Menschen diese Möglichkeit, 2020 eine, in Würzburg gab es nur 2020 zwei „divers“-Eintragungen. In Nürnberg gab es drei (2019) und zwei (2020) Änderungen.

In Erlangen (2020) und Fürth (2019) gab es jeweils einen Wechsel zu „divers“, in Regensburg waren es im Jahr 2019 fünf. Keine Änderungen gab es dagegen in den abgefragten Städten Bamberg, Bayreuth und Augsburg. Die Stadt Passau antwortete auf die epd-Anfrage nicht. Mehrere Standesämter teilten zudem mit, dass in den beiden Jahren deutlich häufiger Wechsel des Geschlechts von „männlich“ zu „weiblich“ und umgekehrt gab. Konkrete Zahlen dazu nannten sie allerdings nicht.

Der Bundestag hatte am 14. Dezember 2018 beschlossen, dass es im Geburtenregister neben dem männlichen und weiblichen Geschlecht auch eine dritte Option geben soll. Intersexuelle Menschen haben seit Inkrafttreten des Gesetzes am 22. Dezember 2018 die Möglichkeit, „divers“ als Geschlecht eintragen zu lassen. Bis dahin gab es lediglich die Möglichkeit, dass Standesbeamte die Geburt ohne eine Geschlechtsangabe eintragen - das hatte aber das Bundesverfassungsgerichts als diskriminierend verboten. 

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