23.12.2020
Ettaler Schneekrippe

Ettaler Schneekrippe zeigt meisterhafte Schnitzkunst für den Frieden

Im Advent steht in Bayern das "Kripperl-schaugn" hoch im Kurs. Ein besonderes Exemplar zeigt normalerweise die Zirmstiftung in Bergen am Chiemsee: Die Ettaler Schneekrippe ist eine Mini-Weltreise mit Friedensbotschaft.
Die Ettaler Schneekrippe
Lebhaftes Treiben unterm oberbayerischen Sternenhimmel: Die Ettaler Schneekrippe präsentiert den Heiligabend als fröhlich-festliche Zusammenkunft von Menschen aus aller Welt.

Meisterhafte Schnitzkunst und außergewöhnlicher Realismus: Die Ettaler Schneekrippe ist ein echtes Unikat. Sie steht seit 2008 in der Krippenausstellung der Zirmstiftung Schusterhof in Bergen im Chiemgau.

Allein schon von den Abmessungen her sorgt die aufwendige Inszenierung der 1,5 mal 7,5 Meter großen Krippenlandschaft für staunende Augen. Mit ihrem Appell an Völkerverbindung und Frieden, Weltoffenheit und Heimatbewusstsein hat sie bereits über Zehntausende Besucher angerührt.

Ettaler Schneekrippe

Die von 1986 bis 2008 entstandene Szenerie ist zugleich Lebenswerk und Vermächtnis von Christian Wagner aus Oberammergau (1934-2008), einem der besten zeitgenössischen Krippenschnitzer. Den Anstoß jedoch gab der ehemalige Chefarzt der Radiologie am Klinikum Neuperlach, Franz Eggemann aus München.

"Ich war in den 1950er-Jahren Klosterschüler in Ettal, und damals hatten wir dort bis zu vier Meter hohe Schneeberge", erinnert sich der Mediziner im Gespräch. Diese Erinnerung wollte er in der "Ettaler Schneekrippe" wiederaufleben lassen. "Ursprünglich waren nur ein paar Figuren für meine Krippe geplant", gesteht Eggemann.

In Wagner, ebenfalls Schüler im Kloster Ettal, hatte der Sammler einen Virtuosen der Schnitzkunst und zugleich einen Bruder im Geiste der Krippenleidenschaft gefunden. Über die Jahre entstanden so 156 Figuren mit 18 Zentimeter Höhe. "Ich hatte genaue Vorstellungen, die Wagner perfekt umsetzen konnte", erzählt der Auftraggeber.

Völkerverständigung im Krippen-Format

Wie in einem Guckkasten diskutiert auf der linken Seite der Krippe ein tätowierter Maori mit einem dick eingepackten Eskimo mit Huskys. Ein Indianer mit Pferd ist ebenso zu sehen wie ein erstaunter Beduinenfürst, eine Maharadschatochter mit Elefant, dazu Mexikaner, Mongolen, Chinesen und Japaner in Landestracht.

Den Weitgereisten stellt Wagner auf der rechten Seite Trachtlergruppen aus allen Regierungsbezirken und Stämmen Bayerns gegenüber. Sie ziehen als Prozessionsgruppe den Hohlweg der Ettaler Bergstraße herauf.

Durch die Kaschiertechnik mit Leim wirken die Trachten, die Wagner detailgetreu nach Büchern und seiner eigenen Sammlung auf dem Dachboden gestaltet hat, genauso lebensecht wie die Gesichter.

Trachtlergruppen aus allen Regierungsbezirken Bayerns besuchen das Kind in der "Ettaler Schneekrippe"
Trachtlergruppen aus allen Regierungsbezirken Bayerns besuchen das Kind in der "Ettaler Schneekrippe".

"Menschen aller Hautfarben, Erdteile, Nationen und Religionen versammeln sich hier friedlich, Christi Geburt führt sie zusammen", erzählt Peter Mayer, Hausherr der Zirmstiftung. Sogar Sonderfiguren wie ein Schotte mit Dudelsack, ein Hochzeitslader, die "Goaßn-Kathi" und ein Spielzeugverkäufer mit Kraxe - ein Selbstporträt Wagners - tauchen auf.

Dank einer geschickten Lichtinszenierung werden die Zuschauer unter dem funkelnden oberbayerischen Sternenhimmel des 24. Dezembers vor der detailgetreuen Kulisse des Karwendels und des Wettersteinmassivs Teil des Geschehens.

Sie erleben die Stille und das Wunder der Heiligen Nacht auf packende Weise hautnah mit. Ein Wegkreuz zeigt dabei an, dass Geburt und Tod zusammengehören und oft nah beieinanderliegen.

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