13.05.2019
Famlienformen

Bonuseltern statt Stiefeltern: wie Patchworkfamilien besser funktionieren können

Oft kommt es nach einer Trennung zum Rosenkrieg, in dem alle Beteiligten die Krallen ausfahren und kein gutes Haar mehr am anderen lassen. Besonders die Kinder leiden darunter. Und manchmal wird es noch schlimmer, wenn sich die Eltern dann neue Partner suchen. Doch das muss nicht sein. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul verrät, wie das mit der neuen Familie ziemlich gut funktionieren kann.
Etwa 40 Prozent aller Ehen in Deutschland werden geschieden. Häufig finden die Erwachsenen andere Partner, die auch eines oder mehrere Kinder mit in die neue Partnerschaft bringen - oder gemeinsam neue Kinder bekommen. Der dänische Erziehungsberater Jasper Juul schlägt vor, die Chancen dieser neuen Familien zu erkennen und von "Bonuseltern" statt "Stiefeltern" zu sprechen.

Während Erwachsene sich trennen, geht das Leben für die Kinder weiter. Da stehen Ereignisse und Feste an, Geburtstage oder der erste Schultag, um nur ein paar zu nennen. Und dann stellt sich die Frage, wie in dieser Trennungsphase das Ereignis so harmonisch wie möglich ablaufen kann.

Woran die Wenigsten denken: Rat in solchen Situationen geben auch die Kirchengemeinde oder die Evangelische Fachstelle für alleinerziehende Frauen und Männer.

Kein Ersatz, sondern ein zusätzliches Familienmitglied

Wenn dann die Eltern im Laufe der Zeit neue Partner finden, entstehen sogenannten Patchworkfamilien: Jeder bringt seine Kinder mit in die Beziehung, gemeinsame kommen womöglich dazu. Der dänische Familientherapeut Jesper Juul möchte auf die positiven Aspekte so einer Situation hinweisen und spricht von "Bonuseltern". Das klingt jedenfalls besser als Stiefvater oder –mutter. Bei dem Begriff Stiefeltern dauert es nicht lange, bis der Gedanke an die böse Stiefmutter aus Märchen wie Aschenputtel kommt. Der Zusatz "Bonus" sagt, dass es sich beim Elternteil nicht um einen einen Ersatz, sondern um neue, zusätzliche Familienmitglieder, eben Bonuseltern und -kinder handelt, was allein vom Wort her schon die Chancen für ein gutes Zusammenleben aufzeigt.

Jesper Juul hat einige Erziehungsbücher zu diesem Thema geschrieben, etwa "Aus Stiefeltern werden Bonus-Eltern".

In der Sendung "Hauptsache Mensch" erklärt der dänische Familientherapeut Jesper Juul die Vorteile von Bonuseltern und -kindern. Denn sie wollen kein Ersatz, sondern zusätzliche Familienmitglieder sein.

Wenn Feste wie die Konfirmation, Geburtstage oder auch besondere Ereignisse wie der erste Schultag bevorstehen, ist die Patchworkfamilie oft angespannt, vor allem die Kinder. Die inzwischen zwanzigjährige Pia kennt das aus ihrer Familie und hatte dann immer große Sorgen: Können sich die Eltern "zivilisiert" unterhalten? Wirkt sich die Feindseligkeit zwischen den Ex-Partnern auf die Feier aus?

Jesper Juul empfiehlt spätestens jetzt eine Familienkonferenz, bei der alle Mitglieder gleichberechtigt ihre Anliegen besprechen können und die Stimmungslage abgefragt wird. Das ist eine gute Möglichkeit, eine Eskalation während der Feier zu vermeiden. Doch einfach ist das alles nicht und es braucht viel Geduld, bis eine neue Patchwork-Familie zusammenwächst. Das kann unter Umständen drei bis vier Jahre dauern. Standardlösungen gibt es keine, weiß der Erziehungstherapeut aus Erfahrung. Aber grundsätzlich hat schon Johann Wolfgang von Goethe die Aufgaben der Eltern festgeschrieben:

"Zwei Dinge sollen Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel."

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