6.07.2019
Mutter-Kind-Kur und Mutterkur

Mütterkur: "Wie eine Kur mir geholfen hat, mit der Pflege meines Mannes umzugehen"

Ingeborg, 70 Jahre alt, pflegt ihren Mann - und fiel irgendwann in ein tiefes Loch. Mit einer Kur in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf hat sie neue Kraft geschöpft. Im Sonntagsblatt erzählt sie ihre Geschichte.
Ingeborg, 70 Jahre, 3 Kinder
"Mein Mann muss gepflegt werden. Das kostet mich viel Kraft. Ich bin zu Hause in ein tiefes Loch gefallen. Hier war das Paradies. Ich konnte mich an einen gedeckten Tisch setzen. Jetzt kann ich wieder gerade stehen. Ich habe mir einen großen Zettel geschrieben mit vielen Anregungen, die ich von hier mitnehme." - Ingeborg, 70 Jahre, 3 Kinder, über ihre Mutterkur in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf.

Ingeborg war drei Wochen in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf. Sie erzählt von ihrer Kur - und wie sie ihr geholfen hat.

"Ich lebe in Hof, bin 70 Jahre alt verheiratet und habe drei Kinder. Mein Mann hatte vor zwei Jahren einen Schlaganfall. Er hat einen Schuhladen geführt und ich einen Second-Hand-Laden. Von jetzt auf sofort war alles anders. Um meinen Mann zu pflegen, habe ich meinen Laden geschlossen und seinen Laden weitergeführt.

Die Reha hat ihm gut getan. Ich habe ihn oft besucht und gedacht, ich muss mir alles genau abgucken, damit ich ihm nach der Reha gut helfen kann. Ich meinte, es würde alles wieder so werden wie früher. Aber das stimmt nicht. Zum Glück kann er sprechen. Aber er kann nur noch kleine Trippelschritte machen.

Mein Mann hat Pflegestufe III und braucht viel Pflege. Er ist auch inkontinent. Das kostet mich viel Kraft. Ich habe selbst Asthma. Ich habe meinen Mann zweieinhalb Jahre gepflegt. Den Laden musste ich aufgeben. Jetzt habe ich die Diagnose Burnout. Mein Arzt hat mir gesagt, wenn ich noch berufstätig wäre, würde er mich sofort krankschreiben. Ich bin dann in ein tiefes Loch gefallen. Ich hatte Asthma-Anfälle und häufig Migräne. Meine ganze Lebensenergie ist verloren gegangen.

Die Kur in Oberstdorf hat mir viel gebracht. Ich fühle mich hier wie im Paradies. Die Menschen sind sehr nett. Ich habe Freude über Freude! Jeden Sonntag gehe ich in den Gottesdienst und höre die Predigten. Ich lese nicht alles. Aber diese Predigten nehme ich mit. Die lese ich gerne noch einmal.

Wir sind 40 Jahre verheiratet und das waren sehr glückliche Jahre. Aber trotzdem bin ich jetzt alle. Ich habe mir in der Kur eine lange Liste gemacht. Wenn ich es schaffe, nur drei von diesen Punkten gut umzusetzen, ist mir schon viel geholfen.

Ich habe in der Kur spezielle Vorträge für Pflegende bekommen. Dort habe ich gelernt, dass 60 Prozent der Pflegenden früher sterben als diejenigen, die sie pflegen. Mein ganzer Tag ist momentan durcheinander. Mein Mann geht gerne spät ins Bett und schläft dann lange. Aber dann komme ich zu gar nichts. Oft war ich noch mittags im Nachthemd, weil ich zuerst alles für ihn gemacht habe. Ich habe mir deshalb vorgenommen, zu bestimmen, wie der Tag aussieht. Ich werde mir jeden Tag meine Liste anschauen, damit ich nicht vergesse, was mir wichtig ist.  

Ich habe in der Kur ein Bild gemalt, das zeigt, wie ich uns sehe. Ich sitze mit meinem Mann in einem Boot auf dem Meer. Auf die eine Seite habe ich die vier Kinder gemalt. Auf die andere Seite habe ich die vier Menschen gemalt, die ich schon gepflegt habe. Im Hintergrund leuchtet die Sonne. Sie geht bald unter, weil wir ja schon alt sind."

Mutter-Kind-Kur und Frauenkur in der Klinik Hohes Licht

Erfahrungsberichte von Frauen

L., 44 Jahre, 2 Kinder: "Die Stille hier ist wie ein Segen. Ich habe in der Kur eine große Distanz zum Alltag gewonnen. Das gibt mir Kraft." Lesen Sie die Geschichte von L.

Karin, 48 Jahre, ein Kind: "Mein Kind braucht 24 Stunden am Tag Unterstützung. Vor lauter Arbeit hat es mich zu Hause nicht mehr gegeben. Hier musste ich zum ersten Mal nicht funktionieren. Ich habe gelernt, dass ich nicht alles selbst regeln muss. Es gibt einen Weg aus der Erschöpfungsspirale." Lesen Sie hier die Geschichte von Karin.

 

Mutter-Kind-Kur & Mütterkur in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf

Die Klinik Hohes Licht ist eine der 74 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken für Mutterkuren und Mutter-Vater-Kind-Kurmaßnahmen in Deutschland. Jährlich kommen rund 800 Frauen hierher – von der 28-jährigen Mutter bis hin zur 83-Jährigen, die einen Angehörigen pflegt. Manche sind verheiratet, alle haben Kinder, oft zwei oder mehr, pflegen Kinder oder Erwachsene Angehörige oder sind alleinerziehend. Lesen Sie, welche Unterstützung Frauen in der Klinik Hohes Licht bekommen.

 

Pfarrer Sievers und Pfarrin Ditz-Sievers: Seelsorge für Frauen in der Kur

Pfarrer Roland Sievers und Pfarrerin Daniela Ditz-Sievers sind Kurseelsorger in Oberstdorf. In diesem Beitrag erzählen sie, wie sie die Frauen unterstützen, die zur Mutter-Kind-Kur oder Mütterkur in die Klinik Hohes Licht kommen.

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Kindererziehung, Arbeit, Pflege der Angehörigen, Krankheiten - der ganz normale Alltag? Manchmal ist das Leben für Frauen ganz schön anstrengend. So anstrengend, dass eine Mutter-Kind-Kur oder Kur nötig wird. Zum Beispiel in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf.