6.07.2019
Mutter-Kind-Kur und Mütterkur

Mutter-Kind-Kur: Raus aus Stress und Erschöpfung

Karin pflegt seit neun Jahren ihr chronisch krankes Kind. Bei einer Mutter-Kind-Kur hat sie Wege gesucht aus Erschöpfung, Stress und Erwartungshaltung. Ein Erfahrungsbericht - exklusiv im Sonntagsblatt.
Karin, 48 Jahre, 1 Kind, Mutter
"Mein Kind braucht 24 Stunden am Tag Unterstützung. Vor lauter Arbeit hat es mich zu Hause nicht mehr gegeben. Hier musste ich zum ersten Mal nicht funktionieren. Ich habe gelernt, dass ich nicht alles selbst regeln muss. Es gibt einen Weg aus der Erschöpfungsspirale." - Karin, 48 Jahre, 1 Kind

Karin ist 48 Jahre alt und hat ein Kind. Sie erzählt von ihrer Kur in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf:

"Ich kümmere mich seit neun Jahren um mein chronisch erkranktes Kind. Seit der Geburt ist es unmöglich, ein halbwegs normales Leben zu führen. Die ersten drei Jahre war ich fast ununterbrochen in der Klinik und fühlte mich wie in U-Haft. Aufgrund der anspruchsvollen, sehr zeitintensiven Pflege konnte ich meinen langjährigen Beruf als Marketing-Managerin nicht mehr ausüben.

Ich bin selbst an Multiple Sklerose erkrankt. Unser Kind benötigt Pflege rund um die Uhr. Wir haben Schichtdienste. Die tägliche Pflege und der Schlafentzug, der Stress, das hat auch dazu geführt, dass wir uns als Paar auseinandergelebt haben. Ich bin in ein Erschöpfungssyndrom gerutscht. Irgendwann wurde die Grundbelastung zu einem allumfassenden Thema und mich hat es als Person mit eigenen Bedürfnissen einfach nicht mehr gegeben. Nach einem Wutausbruch an einem Wochenende, als eine Pflegekraft nicht kommen konnte, wusste ich: So geht das nicht weiter.

Endlich musste ich nicht mehr funktionieren

Hier in der Kur hatte ich zum ersten Mal das Gefühl, ich muss nicht nur funktionieren. Das Hamsterrad war plötzlich weg. Es gibt keine Erwartungshaltung. Ich konnte die Uhr außen vor lassen. In Ruhe essen und nicht jede Sekunde nach dem Kind schauen.

Ich durfte hier nur bei mir selber sein. Hier wird jede so respektiert und anerkannt, wie sie ist. In der Kur wird auf jede Frau persönlich eingegangen. Und wir konnten uns sehr offen und ehrlich aussprechen und sagen, wie es uns tief drinnen geht. Jetzt habe ich das Gefühl, dass es mich wieder gibt und ich zu meiner alten, inneren Stärke zurückgefunden ahbe..

Ich möchte anderen Frauen Mut machen, Hilfe in Anspruch nehmen

Es war schön, mal wieder in den Bergen zu sein. Ich mag die Berge lieber als das Meer. Früher bin ich sehr anspruchsvoll Skifahren gegangen. Ich mochte es, ganz oben am Berg zu sein und kein Geräusch mehr zu hören. Ich habe dieses Gefühl von früher wiedergefunden. Und ich habe gelernt, dass ich es nicht jedem Recht machen muss. Das war ein gutes Training. Und ich weiß, dass ich, wenn ich wieder zu Hause bin, auch noch eine Nachsorge in Anspruch nehmen kann. Denn ich weiß: Die Kür ist es, das Erlernte zu Hause umzusetzen.

Ich glaube, es gibt viele Frauen, die sich in einer ähnlichen Situation befinden. Nur wissen viele nicht, dass sie Hilfe bekommen können. Ich möchte andere Frauen dazu ermutigen, um Unterstützung zu bitten und sich zu erlauben, eine Auszeit zu nehmen. Wir müssen nicht alles selber regeln. Es gibt einen Weg aus der Erschöpfungsspirale."

Mütterkur und Mutter-Kind-Kur: Daten und Fakten

Mutter-Kind-Kur: Erfahrungsberichte von Frauen

Ingeborg, 70 Jahre alt, 3 Kinder: „Mein Mann muss gepflegt werden. Das kostet mich viel Kraft. Ich bin zu Hause in ein tiefes Loch gefallen. Hier war das Paradies. Ich konnte mich an einen gedeckten Tisch setzen. Jetzt kann ich wieder gerade stehen. Ich habe mir einen großen Zettel geschrieben mit vielen Anregungen, die ich von hier mitnehme.“ In diesem Artikel steht die Geschichte von Ingeborg.

L., 44 Jahre, 2 Kinder: "Die Stille hier ist wie ein Segen. Ich habe in der Kur eine große Distanz zum Alltag gewonnen. Das gibt mir Kraft." Lesen Sie die Geschichte von L.

 

Mutter-Kind-Kur, Mütterkur in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf

Die Klinik Hohes Licht ist eine der 74 vom Müttergenesungswerk anerkannten Kliniken für Mutterkuren und Mutter-Vater-Kind-Kurmaßnahmen in Deutschland. Jährlich kommen rund 800 Frauen hierher – von der 28-jährigen Mutter bis hin zur 83-Jährigen, die einen Angehörigen pflegt. Manche sind verheiratet, alle haben Kinder, oft zwei oder mehr, pflegen Kinder oder Erwachsene Angehörige oder sind alleinerziehend. Lesen Sie, welche Unterstützung Frauen in der Klinik Hohes Licht bekommen.

 

Pfarrer Sievers und Pfarrin Ditz-Sievers: Seelsorge für Frauen in der Kur

Pfarrer Roland Sievers und Pfarrerin Daniela Ditz-Sievers sind Kurseelsorger in Oberstdorf. In diesem Beitrag erzählen sie, wie sie die Frauen unterstützen, die zur Mutter-Kind-Kur oder Mütterkur in die Klinik Hohes Licht kommen.

ShareFacebookTwitterShare

Weitere Artikel zum Thema:

Müttergenesungswerk

Müttergenesungswerk Oberstdorf Hohes Licht
Kindererziehung, Arbeit, Pflege der Angehörigen, Krankheiten - der ganz normale Alltag? Manchmal ist das Leben für Frauen ganz schön anstrengend. So anstrengend, dass eine Mutter-Kind-Kur oder Kur nötig wird. Zum Beispiel in der Klinik Hohes Licht in Oberstdorf.