20.08.2019
Religionsunterricht

Über 50.000 konfessionslose Schüler besuchen Religionsunterricht

Der Religionsunterricht ist auch für konfessionslose Kinder interessant. An Berufsschulen melden sich allerdings viele Schüler von diesem Unterricht ab. Die Jungen Liberalen in Bayern fordern einen gemeinsamen Werteunterricht für alle Schüler im Freistaat.

Der evangelische Religionsunterricht ist auch für Schülerinnen und Schüler attraktiv, die konfessionslos sind oder eine andere Religionszugehörigkeit haben. Im vergangenen Schuljahr 2018/2019 haben 50.700 "nicht-evangelische" Schüler diesen Religionsunterricht besucht, wie die bayerische Landeskirche am Freitag mitteilte.

Wenn die Eltern einen Antrag stellen, können auch nicht-getaufte Kinder oder Kinder aus anderen Religionen am evangelischen Unterricht teilnehmen, erläuterte Oberkirchenrat Detlev Bierbaum, der in der bayerischen Landeskirche für die Bereiche Bildung und Schule zuständig ist. Insgesamt haben in Bayern rund 331.000 Schüler den evangelischen Religionsunterricht besucht.

Abmeldungen von diesem konfessionellen Unterricht gibt es den Angaben zufolge vor allem bei den Berufsschulen. Im Schuljahr 2018/2019 hätten sich knapp 17.000 der 50.200 evangelischen Berufsschüler von diesem Unterricht abgemeldet. Als Grund dafür nennt Oberkirchenrat Bierbaum, dass es gerade an Berufsschulen nicht einfach sei, den Religionsunterricht zu organisieren.

Dreijähriger Schulversuch an Berufsschulen

Deshalb habe die evangelische Kirche gemeinsam mit der katholischen Kirche und dem Kultusministerium im Juni einen dreijährigen Schulversuch an den Berufsschulen gestartet. Im Zentrum der Untersuchung stehen Bierbaum zufolge Schülerinnen und Schüler, Religionslehrkräfte, Schulleitungen und Unterrichtsprojekte. Im Rahmen des Schulversuchs, an dem sich neben den religionspädagogischen Zentren der beiden Kirchen auch die Universität Bamberg beteiligt, sollen Modelle erarbeitet werden, wie in Zukunft möglichst vielen Schülern einen Teilnahme am Religionsunterricht ermöglicht werden könne.

Der Religionsunterricht biete die Chance, in der Schule über die wichtigen Themen im Leben zu sprechen, wie etwa "Warum gibt es mich? Wofür bin ich da? Wer ist Gott?", sagte Bierbaum. Deshalb sei es ein wichtiges Anliegen der Kirche, dass auch in der Berufsschule der Religionsunterricht ein attraktives Fach ist. "Als Kirche wollen wir auch selbst alles dafür tun, um besser zu werden", sagte Bierbaum. Ein erster Schritt sei der Schulversuch an den Berufsschulen, um herauszufinden, wo die eigentlichen Probleme und Herausforderungen liegen.

Die Jungen Liberalen in Bayern fordern einen gemeinsamen Werteunterricht für alle Schüler im Freistaat.

Der Landesvorsitzende der FDP-Jugendorganisation, Maximilian Funke-Kaiser, sagte am Dienstag laut Mitteilung, der konfessionelle Religionsunterricht falle "aus der Zeit". Er bezog sich auf Zahlen des Kultusministeriums, wonach im vergangenen Schuljahr 75 Prozent der 1,25 Millionen Schüler in Bayern am konfessionellen Religionsunterricht teilgenommen hatten - elf Prozentpunkte weniger als vor zehn Jahren. Verschiedene Medien hatten darüber erst vor kurzem berichtet.

Ein gemeinsamer Religionsunterricht als Werteunterricht sei "die Zukunft". Dort würden allgemeingültige Werte vermittelt sowie das Verbindende zwischen einzelnen Religionen aufgezeigt und Toleranz und Akzeptanz geschaffen, sagte Funke-Kaiser. Junge Liberale und FDP forderten seit Jahren einen konfessionsübergreifenden Werteunterricht, erst im Februar dieses Jahres sei wieder eine Initiative der FDP-Fraktion dazu im Landtag abgelehnt worden. Würden die Schüler in Bayern ab 14 bereits religionsmündig sein - so wie in den meisten Bundesländern - sähen die Zahlen "wahrscheinlich noch wesentlich schlechter aus".

Junge-Liberale-Sprecher Dominik Konrad sagte auf Anfrage des Evangelischen Pressedienstes epd, dass die sinkende Schülerzahl im konfessionsgebundenen Religionsunterricht sicher auch an der sich verändernden Zusammensetzung der Gesellschaft liege. Diese sei multireligiöser geworden, der Anteil der Muslime habe zugenommen. "Umso wichtiger wäre daher der Abschied von einem separierenden Religionsunterricht", erläuterte Konrad, der auch stellvertretender Landesvorsitzender der FDP-Jugendorganisation im Freistaat ist: "Diese Entwicklung ändert jedenfalls nichts an unserer Forderung."

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