7.05.2019
Leihomas & Leihopas

Wie ehrenamtliche Großeltern das Familienleben bereichern

Es ist eine große Entlastung, wenn man fitte Großeltern hat. Nicht alle Familien haben dieses Glück. Vereine wie "Großeltern stiften Zukunft" in Nürnberg vermitteln darum ehrenamtliche Omas und Opas. Der Bedarf ist groß.
Großeltern verbringen gerne Zeit mit ihren Enkeln.

Astrid und Gerhard Berndt sind Wunschgroßeltern wie aus dem Bilderbuch. Vor vier Jahren hat sich das Ehepaar, das keine eigenen Enkel hat, bei dem Nürnberger Verein "Großeltern stiften Zukunft" gemeldet. Danach ging alles ganz schnell: Bei einem Kennenlerntreffen freundeten sie sich mit den zwei Kindern der Familie Mahler (Namen geändert) an. "Maja saß gleich auf der Schulter meines Mannes", erinnert sich Astrid Berndt. Auch die Erwachsenen waren sich sympathisch. Die Sache war besiegelt.

Seit vier Jahren betreuen die Berndts nun Maja (7) und ihren Bruder Johannes (11). Die eigenen Großeltern können sich krankheitsbedingt nicht um ihre Enkel kümmern, die Eltern sind beide berufstätig. Maja bastelt und backt mit ihrer ehrenamtlichen Oma, während Johannes mit Gerhard Berndt Fußball spielt oder in die Natur geht. Es wird viel gelacht, es sind schöne Stunden, die die vier zusammen verbringen, und auch innige Momente, wie mit echten Omas und Opas.

Nürnberger Verein "Großeltern stiften Zukunft" vermittelt Oma und Opa

Der Verein "Großeltern stiften Zukunft" wurde vor 15 Jahren gegründet, ähnliche Initiativen gibt es in ganz Deutschland. "Kinder sollen mit der älteren Generation etwas zu tun haben, von ihren Werten und ihrer Lebenserfahrung profitieren", erklärt die Nürnberger Vereinsvorsitzende Bärbel Sturm. Ziel einer Verbindung zweier Familien sei ein gegenseitiges Geben und Nehmen.

Sturm ist selbst Wunschoma: "Ich erziehe nicht, will aber dennoch Werte vermitteln. Es ist bereichernd, so eine Beziehung zu einem Kind erleben zu dürfen. Wir haben ein schönes Miteinander."

Urlaub, Einschulung und Geburtstage mit ehrenamtlichen Großeltern

Diese Ansicht teilt auch das Ehepaar Berndt. "Wir machen mit den Kindern Erfahrungen, die wir sonst nicht hätten." Die beiden Familien sind sogar schon zusammen in den Urlaub gefahren, die Wunschgroßeltern waren bei der Einschulung dabei, Geburtstage werden gemeinsam gefeiert.

Damit das Miteinander auch gelingt, müssen beide Seiten allerdings genaue Absprachen treffen. Gleich zu Beginn haben sich die Berndts und die Mahlers beispielsweise darauf geeinigt, dass sie "bei Bedarf Treffen vereinbaren". Es sollte nicht um eine professionelle Kinderbetreuung mit festgelegten Zeiten gehen. "Unsere Freiheit ist uns wichtig, wir verreisen gerne, sind viel unterwegs", sagt Astrid Berndt.

Kritik am Erziehungsstil der Eltern nicht erlaubt

Wichtig ist auch die Frage der Erziehung. Leibliche Großeltern kritteln schon mal gerne am Erziehungsstil der Eltern herum. "Das geht bei Wunschgroßeltern nicht", stellt Vereinsvorsitzende Sturm klar. Oberstes Gebot sei Zurückhaltung beim Umgang mit den Kindern. "Wir zeigen ihnen andere Aspekte des Lebens, dürfen dabei aber nie missionarisch sein."

Manchmal falle es schon schwer, sich nicht einzumischen, so die Erfahrung der Berndts. "Manches sehen wir einfach anders als die Eltern. Wir wollen zum Beispiel, dass die Kinder am Tisch sitzen bleiben, bis auch der Letzte zu Ende gegessen hat." Die selbstauferlegte Zurückhaltung gelingt deshalb nicht immer: "Die heutige Elterngeneration hat einfach eine andere Denke, wir kritisieren auch schon einmal."

"Nicht die richtigen Oma und Opa, irgendwie aber doch"

Was aber offenbar kein Problem ist: Maja hat ihre Wunschgroßeltern sehr ins Herz geschlossen. "Die zwei sind so toll", erzählt sie und lacht dabei. "Ich gehe so gerne zu ihnen, weil ich sie richtig liebhabe." Und ihre Mutter Beate Mahler sagt: "Ich erlebe es als Geschenk, wenn sich Menschen so aufeinander einstellen."

"Unser Ziel war es, dass unsere Kinder ältere Menschen kennenlernen, die fit und gesund sind, die Geduld und Lust mitbringen", blickt sie zurück. Mit den Berndts habe es vom ersten Moment an funktioniert. "Sie waren so unaufgeregt, kompetent und offen. Wir sind über das Verhältnis sehr glücklich. Sie sind zwar nicht die richtigen Oma und Opa, irgendwie dann aber doch."

Allerdings sind nicht alle Wunschgroßeltern und Familien mit ihrer Wahl so glücklich. Manchmal bekommt Bärbel Sturm auch Anrufe, dann heißt es seitens der ehrenamtlichen Omas und Opas: "Die Familie will einfach zu viel von mir."

Große Nachfrage nach ehrenamtlichen Großeltern

Ludger Klein vom Frankfurter Institut für Sozialarbeit und Sozialpädagogik gibt außerdem zu bedenken: Problematisch sei es, wenn ältere Menschen den Großelterndienst "therapeutisch" nutzen wollten, etwa um Depressionen entgegenzuwirken oder um familiäre Konflikte zu kompensieren. Viele Vermittlungsstellen verlangen außerdem ein polizeiliches Führungszeugnis, bevor jemand als Wunschopa oder Wunschoma aktiv werden kann.

Der Nürnberger Verein hat für sein Engagement zahlreiche Preise erhalten, darunter den Ehrenamtspreis der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. Doch ein Ungleichgewicht bleibt: "Es melden sich viel zu wenige Wunschgroßeltern", sagt Sturm. Zurzeit hat der Verein 125 Anfragen von Eltern oder Alleinerziehenden "Wir konnten bislang aber nur circa 65 vermitteln." Sturm appelliert deshalb: "Wunschgroßeltern zu sein, ist eine einmalige Erfahrung. Man bekommt von den Kindern so viel zurück, das macht glücklich."

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