10.03.2021
Kinder und Jugendliche in der Corona-Krise

Ergebnisse des Kinder- und Jugendgipfels in Bayern rufen gespaltene Reaktionen hervor

Die Erwartung mancher an den Kinder- und Jugendgipfel der Staatsregierung war groß - der Bayerische Jugendring etwa ist mit einem Katalog an Forderungen ins Treffen gegangen. Am Ende bleibt vieles unerfüllt. SPD und Grüne kritisieren das scharf.
Ministerpräsident Markus Söder

Es waren wohl die zwei jüngsten Teilnehmer des Kinder- und Jugendgipfels am Montag, die Ministerpräsident Markus Söder (CSU) am meisten beeindruckt haben. Wendelin und Carlotta, so zumindest stellt es Söder in der Pressekonferenz nach dem Gipfel dar, haben ihm offenbar sehr direkt die Meinung gesagt.

"Das war erfrischend", sagt der Ministerpräsident und räumt ein: "Ich hätte mich das damals als Neunjähriger bei Alfons Goppel nicht getraut." In solch einer Situation seien Kinder und Jugendliche in Nachkriegszeiten aber auch noch nie gewesen, betont er.

Kinder- und Jugendgipfel in Bayern

Der "Austausch auf Augenhöhe" war aber nicht nur ein netter Plausch - es ging auch inhaltlich zur Sache. Dafür gesorgt hatte unter anderem der Bayerische Jugendring (BJR), der am Wochenende bereits einen Forderungskatalog samt Stufenplan vorgelegt hatte. Darin heißt es unter anderem, Jugendtreffs und Jugendhäuser müssten sofort wieder öffnen - bis zu 20 Personen sollten sich demnach wieder treffen dürfen, sofern die Sieben-Tages-Inzidenz unter 50 liegt. Auch Freizeiten mit Übernachtung sollen dem Verband zufolge bald wieder möglich sein.

Dem erteilte die Staatsregierung allerdings eine klare Absage. Sozialministerin Carolina Trautner (CSU) sagte, der Wunsch der Kinder und Jugendlichen - und der Verbände - nach Perspektiven und Öffnungen sei verständlich.

Es gebe "gute Hygienekonzepte", aber angesichts der steigenden Inzidenzen wolle man "vorsichtig agieren".

 "Wir müssen das Infektionsgeschehen genau anschauen." Söder ergänzte, man werde an den aktuellen Regeln nichts ändern, weil die Infektionszahlen "nach oben gehen" und die britische Corona-Mutante übernehme die Oberhand.

Ergebnisse des Gipfels

Es gab aber auch konkrete Ergebnisse des Gipfels: Söder kündigte nach dem zweieinhalbstündigen Gespräch 200 zusätzliche Stellen im Sozialbereich und der Jugendhilfe an. So sollen zum Beispiel digitale Streetworker und Ausbildungstrainer die Kinder und Jugendlichen unterstützen. Trautner betonte, man habe "ein wunderbares Paket geschnürt", um die psychischen und die sozialen Folgen der Pandemie "bestmöglich aufzufangen". Gerade für Jugendliche im Abnabelungsprozess sei in der Pandemie-Situation "vieles weggebrochen".

Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) kündigte - wie schon im vergangenen Jahr - ein freizeitpädagogisches Ferienprogramm an. Dies soll möglicherweise schon in den Pfingstferien angeboten werden, sicher jedoch in den Sommerferien. Piazolo sagte, man starte nun die "Initiative zurück ins Schulleben", denn Schule sei nicht nur Lernen, sondern eben auch Leben.

Etliche Facetten des Schullebens wie Projekte, Arbeitsgemeinschaften, SMV oder Klassenfahrten lägen sei fast einem Jahr auf Eis und sollen nun "sukzessive wieder eine stärkere Rolle spielen".

Kritik

Grünen-Fraktionschefin Katharina Schulze kritisierte die Gipfel-Ergebnisse und sagte, das Treffen habe "ein Jahr zu spät" stattgefunden. Die Staatsregierung verkenne nach wie vor "die Bedeutung von außerschulischer Bildung", es bleibe dabei, dass Baumärkte öffnen dürften, die Jugendzentren aber geschlossen blieben. SPD-Abgeordneter Arif Tasdelen zeigte sich enttäuscht wegen der fehlenden Perspektiven in der Jugendarbeit.

Gerade in der aktuellen Krise sei diese "wichtiger denn je und braucht endlich eine verlässliche Öffnungsperspektive".

Ministerpräsident Söder sagte nach dem Gipfel, man wolle die jetzige Generation keinesfalls schlechtreden. Sie habe "enorme Potenziale", das habe sie gerade in der aktuellen Krise gezeigt. Deshalb sei es der Staatsregierung auch wichtig, die Qualität der Schulabschlüsse zu erhalten - ohne zusätzlichen Druck, aber auch ohne Noten generell abzuschaffen, wie manche dies forderten.

Es handle sich keinesfalls um ein "verlorenes Jahr". Es müsse darum gehen, unter Corona-Bedingungen "ein vernünftiges und faires Schuljahr zu gestalten".

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