15.05.2011
Das Beste aus der Bibel

Gerechtigkeit in der Bibel

Christen sollen sich für Gerechtigkeit einsetzen: leicht gesagt, schwer getan. Die Bibel kann helfen.
Holzschneider aus der Druckerrei Estivill aus Barcelona: Justizia

Selig die Gerechten

Wer für Gerechtigkeit eintritt mag im Himmel Punkte sammeln; auf der Erde jedoch kann es schlimme Folgen haben. Das war die Erkenntnis der ersten Christen, die nicht nur übler Rede, sondern auch allerlei Verfolgungen ausgesetzt waren. Die Gläubigen finden in der Bergpredigt Jesu Stärkung, in der Jesus Mut macht: »Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden… Selig sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden; denn ihrer ist das Himmelreich.« Gerecht zu sein bedeutet mehr, als den Wortlaut der Gebote zu erfüllen, lehrt Jesus seine Jünger: »Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, so werdet ihr nicht in das Himmelreich kommen.« (Matthäus 5, 6)

»Wenn ihr auch leidet um der Gerechtigkeit willen, so seid ihr doch selig.« (1 Petrus 3, 14)

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Der Auftrag: Ungerechte Zustände bessern!

Sich für Recht und Gerechtigkeit einzusetzen, fordert die Bibel, nein besser: gehört der Bibel nach zum selbstverständlichen menschlichen Handeln. Konkret beinhaltet das schon zu biblischen Zeiten Forderungen, die noch heute von Religionen und Hilfsorganisationen gestellt werden: Armut zu bekämpfen, Notleidenden zu helfen, gegen Willkürherrscher aufzustehen und für die Wahrung der Menschenwürde einzutreten. Eine Gemeinschaft, die sich gerecht verhält, kommt Gott näher: »Gerechtigkeit erhöht ein Volk«. Der Einsatz für irdische Gerechtigkeit ist wichtiger als ein folgenloses frommes Leben zu führen: »Recht und Gerechtigkeit tun ist dem Herrn lieber als Opfer.« Die Propheten klagen dies immer wieder ein. »Schafft Recht und Gerechtigkeit und errettet den Bedrückten von des Frevlers Hand und bedrängt nicht die Fremdlinge, Waisen und Witwen und tut niemand Gewalt an«, mahnten Jeremia und Jesaja »die trotzigen Herzen, die ihr ferne seid von der Gerechtigkeit«. Und Amos klagt die an, »die ihr das Recht in Wermut verkehrt und die Gerechtigkeit zu Boden stoßt«. (Sprüche 21, 3; 14, 34; Jesaja 46, 12; Jeremia 22, 3; Amos 5, 7; Zefanja 2, 3)

»Suchet Gerechtigkeit, suchet Demut!« (Zefanja 2, 3)

Die küssende Gerechtigkeit

Wunderschöne Bilder fallen einigen biblischen Verfassern ein, denken sie an Gerechtigkeit und Frieden. Der Psalmist stellt sich Gerechtigkeit und Friede als ein Liebespaar vor, das sich küsst. Und dass die »Gerechtigkeit vom Himmel schaue« und wie eine Person den Schritten Gottes folge. Der Theologe Paulus betont: »Das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede und Freude in dem Heiligen Geist.« (Römer 14, 17; Jakobus 3, 18)

»Dass Güte und Treue einander begegnen, Gerechtigkeit und Friede sich küssen.« (Psalm 85)

Gerechtfertigt durch den Glauben

Denken evangelische Christen an Gottes Gerechtigkeit, so kommt ihnen meist zuerst die »Rechtfertigung« in den Sinn, jener Begriff, der im Zentrum von Martin Luthers Theologie steht. Der Reformator hatte eine Stelle im Römerbrief des Apostel Paulus gelesen und verstanden. Darin heißt es: Im Evangelium werde »offenbart die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, welche kommt aus Glauben in Glauben; wie geschrieben steht: ‚Der Gerechte wird aus Glauben leben.'« Was nichts anderes bedeuten kann: Nicht das eigene Verhalten, sondern der Glaube ist Voraussetzung für das ewige Leben: »Nun aber ist ohne Zutun des Gesetzes die Gerechtigkeit, die vor Gott gilt, offenbart... Dem aber, der nicht mit Werken umgeht, glaubt aber an den, der die Gottlosen gerecht macht, dem wird sein Glaube gerechnet zur Gerechtigkeit.« Wer so glaubt, dem könnte die »Sonne der Gerechtigkeit« aufgehen. (Habakuk 2, 4; Römer 1, 16f.; 3, 21; 4, 5)

»Euch aber, die ihr meinen Namen fürchtet, soll aufgehen die Sonne der Gerechtigkeit und Heil unter ihren Flügeln.« (Maleachi 3, 20)

Spezial

Was ist die Bergpredigt?

Die Seligpreisungen, die »Goldene Regel«, das Vaterunser - die Bergpredigt enthält die Kernstücke des Christentums. In ihr entwirft Jesus die ethische Identität der Christen. Was sich hinter dem Text im Matthäusevangelium verbirgt und warum er bis heute von Bedeutung ist, lesen Sie in unserem Spezial!

Das Jüngste Gericht

Am Ende aller Zeiten wird Gott Gerechtigkeit herstellen: Das ist eine Grundaussage der Bibel. Zum einen wartet das »Jüngste Gericht«, in dem die Menschen geprüft werden, ob sie Gerechtigkeit geübt haben gegenüber ihren bedürftigen Mitmenschen. Am eindrücklichsten ist dies in der Rede Jesu vom Weltgericht dargestellt. Es ist die Ausmalung einer Vorstellung, die bereits im Buch der Psalmen zu finden ist: Der Herr hatte seinen Thron bereitet zum Gericht, heißt es da, »er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker mit seiner Wahrheit«. Der Prophet Jesaja stellt sich vor, dass Gott mit einer Waage und Richtschnur die Menschen prüft. Ganz am Ende dann, in den Wehen der Endzeit, wird ein Reiter auf einem weißen Pferd aus dem Himmel erscheinen, »richtet und kämpft mit Gerechtigkeit.« (Psalm 96, 13; Jesaja 28, 17; Matthäus 25, 31-46; Offenbarung 19, 11)

»Wir warten aber auf einen neuen Himmel und eine neue Erde nach seiner Verheißung, in denen Gerechtigkeit wohnt.« (2. Petrus 3, 13)

Hoffnung auf den Messias

Die Hoffnung auf einen Messias, der auf der Erde für Gerechtigkeit sorgt, durchzieht das Alte Testament. Ein Heilsbringer, der »mit Gerechtigkeit wird richten die Armen und rechtes Urteil sprechen den Elenden im Lande, und er wird mit dem Stabe seines Mundes den Gewalttätigen schlagen und amit dem Odem seiner Lippen den Gottlosen töten« wird. »Gerechtigkeit wird der Gurt seiner Lenden sein und die Treue der Gurt seiner Hüften.« Christen sind überzeugt: Jesus Christus ist dieser verheißene Messias. (Jesaja 11, 4f.)

»Der soll ein König sein, der wohl regieren wird und Recht und Gerechtigkeit im Lande üben« (Jeremia 23, 5)

GERECHTIGKEIT

Bei »Gerechtigkeit« denkt man unwillkürlich an Rechtsprechung und Justiz. Dabei meint der hebräische Begriff »zedeka« etwas viel Umfassenderes, nämlich das fair geregelte gemeinschaftliche Verhalten. »Dieses Aufeinander-angewiesen-sein forderte den Erweis von Güte, von Treue und - wie es die Lage gab - von hilfreichem Erbarmen dem Armen oder dem Leidenden gegenüber.«

Buch-Tipp

Anselm Grün: Womit habe ich das verdient?

 

Anselm Grün: Womit habe ich das verdient? Die unverständliche Gerechtigkeit Gottes

160 Seiten, dtv Taschenbücher, Berlin, 2012

ISBN-13: 9783423347389

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