26.04.2017
Sinai

Im Visier der Islamisten

Das Katharinenkloster im Sinai in Ägypten ist das älteste Kloster des Christentums. Es gerät immer stärker unter Druck durch islamische Fanatiker.
Das Katharinenkloster im Sinai in Ägypten wurde zwischen 548 und 565 gegründet und ist das älteste immer noch bewohnte Kloster des Christentums.
Das Katharinenkloster im Sinai in Ägypten wurde zwischen 548 und 565 gegründet und ist das älteste immer noch bewohnte Kloster des Christentums. Es liegt am Fuß des Bergs Sinai (Mosesberg). Dort befand sich nach der Überlieferung der brennende Dornbusch, in dem sich Gott Mose offenbarte. Das Kloster wurde im Westen ab dem 14. und im Osten ab dem 19. Jahrhundert nach der heiligen Märtyrerin Katharina benannt. Wegen seiner isolierten Lage gehört das Katharinenkloster zu den wenigen Klöstern, die nie zerstört wurden.

Eineinhalb Wochen nach dem verheerenden Doppelanschlag auf koptische Kirchen in Ägypten ist in der Nähe des berühmten Katharinenklosters ein Polizist bei einem Angriff getötet worden. Wie das Innenministerium in Kairo erklärte, attackierten Bewaffnete aus dem Hinterhalt den Kontrollpunkt der Sicherheitskräfte an einer Straße zum Kloster. Bei dem Feuergefecht wurden den Angaben nach drei weitere Polizisten verletzt. Die Täter seien nach dem Schusswechsel geflüchtet. Die Terrormiliz »Islamischer Staat« (IS) bekannte sich später zu dem Angriff.

Das im 6. Jahrhundert gegründete Katharinenkloster im Süden der Sinai-Halbinsel gehört zum Unesco-Weltkulturerbe und steht in einer Gebirgsregion, die Christen, Muslimen und Juden als heilig gilt. Einer Überlieferung nach soll der Prophet Mohammed sogar einen Schutzbrief für das Kloster ausgestellt haben.

Dem Alten Testament zufolge hat Moses ganz in der Nähe die Tafeln mit den Zehn Geboten überreicht bekommen. Das griechisch-orthodoxe Kloster steht am Fuß des Mosesbergs. Genau dort soll Gott in Form eines brennenden Dornbuschs zu Moses gesprochen haben.

Der tödliche Terror islamischer Fanatiker

In Ägypten gibt es immer wieder Angriffe islamischer Fanatiker auf Christen. Erst vor zwei Wochen ereigneten sich die tödlichsten Attacken auf Christen in der jüngsten Geschichte des Landes.

Am Palmsonntag sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft: einer in einer Kirche in der Nildelta-Stadt Tanta und einer vor einer koptischen Kathedrale in Alexandria. Es gab mindestens 46 Tote und mehr als hundert Verletzte. Zu den Anschlägen bekannte sich ebenfalls ein Ableger der IS-Miliz, der vor allem im Nordsinai agiert.

Die meisten Ägypter sind sunnitische Muslime. Christen machen mit rund neun Millionen Gläubigen immerhin zehn Prozent der Bevölkerung aus – fast alle sind Kopten. Die koptisch-orthodoxe Kirche existiert bereits seit dem ersten Jahrhundert und gehört zu den ältesten Kirchen der Welt. Ende April wird Papst Franziskus in Ägypten erwartet. Die Reise wurde trotz der Terroranschläge am Palmsonntag bestätigt.

 

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Sonntagsblatt