20.06.2019
Katholisches Fest

Warum Fronleichnam für Evangelische kein Feiertag ist

Fronleichnam ist ein christlicher Feiertag, aber Protestanten feiern ihn nicht. Warum das so ist und wie Katholiken das Fest verbringen.
Prozession an Fronleichnam

Fronleichnam ist eines der höchsten Feste im katholischen Kirchenjahr. Es erinnert an das letzte Abendmahl, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hat.

Katholiken feiern an diesem Tag Gottesdienste unter freiem Himmel und ziehen in Prozessionen singend und betend durch die Straßen und übers Land. Dabei trägt der Priester eine geweihte Oblate, auch Hostie genannt, in einer sogenannten "Monstranz", einem liturgischen Schaugefäß. Die Prozession macht Station an geschmückten Altären, wo aus den Evangelien vorgelesen, Fürbitte gehalten und der Segen gesprochen wird.

Dossier

Basiswissen Christentum

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Warum Katholiken Fronleichnam feiern, Protestanten nicht

Der Grund, weshalb Katholiken Fronleichnam feiern und Protestanten nicht, liegt in einem der komplexesten und umstrittensten Themen seit Beginn der Reformationsbewegung: Die beiden Konfessionen haben ein unterschiedliches Verständnis vom Abendmahl.

Im Neuen Testament sagt Jesus beim Abendmahl über Brot und Wein:

"Das ist mein Leib [...] Das ist mein Blut." (Matthäus 26,17-30)

Nach katholischer Lehre verwandeln sich Brot und Wein bei der Eucharistie in Leib und Blut Christi. Sie sind von diesem Moment an also tatsächlich Leib und Blut Christi. Bleiben nach dem Austeilen der Kommunion Hostien übrig, werden sie aus diesem Grund auch nicht weggeworfen, sondern bis zur nächsten Abendmahlsfeier aufgehoben.

Für Lutheraner bleiben Brot und Wein in ihrer Substanz das, was sie sind: Brot und Wein. Während des Abendmahls ist Christus jedoch "in, mit und unter" Brot und Wein gegenwärtig, wie es in einer lutherischen Bekenntnisschrift heißt (Konkordienformel, 1577/1580). Die Theologie spricht bei dieser mittleren Position von "Realpräsenz".

Reformierte hingegen sehen in Brot und Wein Symbole. Der Schweizer Reformator Huldreich Zwingli etwa sprach anfangs noch davon, dass Christus im Abendmahl auf die Erde herabsteige. Doch unter dem Einfluss des Humanismus rückte er von dieser Vorstellung ab: Christus bleibt im Himmel; das Mahl erinnert lediglich an Christi Tod und Auferstehung.

Streit zwischen Katholiken und Protestanten

Konflikte um das Fronleichnamsfest entstanden während der Reformation im 16. Jahrhundert. Martin Luther (1483-1546) nannte es 1527 unter anderem das "schädlichste aller Feste" und betrachtete die Prozessionen als unbiblisch und als Gotteslästerung. Die katholische Kirche reagierte auf dem Konzil von Trient, der von 1545 bis 1563 tagte, und wertete das Fronleichnamsfest zu einer Art gegenreformatorische Machtdemonstration auf.

So entstanden in Gegenden, in denen sowohl Katholiken als auch Protestanten wohnten, Auseinandersetzungen: Evangelische Bauern düngten aus Protest ihre Felder an Fronleichnam. In manchen Orten verzichteten Katholiken vorsichtshalber auf Prozessionen, um die protestantische Bevölkerung nicht zu provozieren.

Feiertag in vielen Bundesländern

Das Wort Fronleichnam leitet sich von den mittelhochdeutschen Begriffen "vron" für "Herr" und "lichnam" für "lebendiger Leib" ab. Das Fest wird seit dem Mittelalter immer am zweiten Donnerstag nach Pfingsten gefeiert. Der Ursprung geht auf eine Vision der Nonne Juliane von Lüttich (etwa 1191 bis 1258) zurück. Sie soll im Traum ein Zeichen erhalten haben, dass der Kirche ein Fest zur Eucharistie fehle.

In Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Nordrhein-Westfalen und im Saarland ist Fronleichnam ein gesetzlicher Feiertag. Auch in Teilen von Sachsen und Thüringen müssen Erwachsene an diesem Tag nicht zur Arbeit und Kinder nicht zur Schule gehen.

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