23.01.2021
Polizeiseelsorge

"Polizisten sind keine Maschinen": Jubiläumsjahr zur Polizeiseelsorge endet mit Gottesdienst

Mit einem Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom hat Mittwoch das Jubiläumsjahr zum 100-jährigen Bestehen der Polizeiseelsorge in Bayern geendet.
Einsatz der Notfallseelsorge (Symbolbild)

"Unsere Polizistinnen und Polizisten sind keine Maschinen, sondern Menschen wie du und ich, mit Gefühlen und menschlicher Verletzbarkeit", sagte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) in seinem Grußwort zum Abschlussgottesdienste des Jubiläumsjahrs zum 100-jährigen Bestehen der Polizeiseelsorge in Bayern laut Manuskript.

Gerade in Zeiten der Corona-bedingten Mehrbelastung zeige sich, "dass die Polizeiseelsorge eine unverzichtbare Stütze der bayerischen Polizei ist", sagte Herrmann.

Denn sie gebe den Beamten "Halt und Orientierung in scheinbar ausweglosen Situationen und schwierigen Einsätzen".

Polizeiseelsorge in Bayern

Herrmann dankte den christlichen Kirchen und dem "Polizeiinternen Netzwerk", zu dem auch die Polizeiseelsorger gehören. Sorge bereitet Herrmann die steigende Gewaltbereitschaft gegen die Einsatzkräfte der Polizei: "Wir stellen leider fest, dass die Pandemie-Situation bei manchen zu mehr Aggression und Frust führt, was natürlich auch unsere Einsatzkräfte zu spüren bekommen."

Dies äußere sich etwa in hochaggressivem Verhalten der "Querdenkerszene" auf Anti-Corona-Demonstrationen oder bei Kontrollen zu den Infektionsschutzmaßnahmen.

Kardinal Marx: Demokratie ist nicht selbstverständlich

Kardinal Reinhard Marx zelebrierte den Gottesdienst, der sich explizit an die Polizisten, deren Angehörige und Polzeiseelsorger sämtlicher Konfessionen richtete, traditionell am Gedenktag des Heiligen Sebastians, dem Schutzpatron der Polizei und Schutzheiligen gegen Seuchen und Krankheiten.

Marx beonte den Einsatz der Polizei für Menschenwürde und Freiheit. Eine gesellschaftliche Polarisierung, wie etwa in den USA, mache klar, dass demokratische Errungenschaften nicht selbstverständlich seien, sondern "immer wieder die Kräfte mobilisiert werden müssen, die dafür eintreten", sagte der Münchner Erzbischof am Mittwochabend im Liebfrauendom laut Mitteilung.

Es brauche ein "hellwaches Bewusstsein", wenn die Wahrheit verfälscht, die Rechtsstaatlichkeit untergraben oder die Gerichte missachtet würden, sagte Marx mit Blick auf den abgewählten US-Präsidenten Donald Trump.

Über dessen Nachfolger Joe Biden, der am Mittwoch vereidigt wurde, und dessen versöhnendes Potenzial äußerte Marx Hoffnung - auch angesichts dessen katholischer Wurzeln, "die das Amt mitprägen können und werden".

Polizeiseelsorge als "Dienst am Gemeinweisen"

Einsatzkräfte müssten bei ihrem Auftrag bestärkt werden, "Polizei zu sein in einem Rechtsstaat, einer Demokratie, in einem Gemeinwesen, das die Freiheit, das Leben und die Würde des Einzelnen schützt und dagegen vorgeht, wenn all das gefährdet wird", sagte Marx weiter.

Aber auch die Polizei benötige "in schwierigen Situationen" Trost und Kraft. Dafür sei die kirchliche Polizeiseelsorge da, deren Arbeit Marx als "Dienst am Gemeinwesen" bezeichnete.

Gottesdienst im Münchner Liebfrauendom

Wegen der Corona-Hygieneregeln konnten nur etwa 30 Beamte und einige Polizeiseelsorger am Gottesdienst teilnehmen, weswegen er als Livestream auf der Internetseite des Erzbistums übertragen wurde.

Mit dabei waren auch Weihbischof Bernhard Haßlberger, Polizeidekan Monsignore Andreas Simbeck als Landesbeauftragter für die Katholische Polizeiseelsorge in Bayern, Domvikar Monsignore Hans Leitner als Organist und das Blechbläser-Ensemble des Polizeiorchesters Bayern.

Polizeiseelsorge in Bayern

Die Polizeiseelsorge wurde 1920 auf Bestreben der katholischen Frauenrechtlerin und Politikerin Ellen Ammann gegründet. Inzwischen gibt es zwei katholische und zwei evangelische hauptamtliche Polizeiseelsorger, die für Nord- und Südbayern zuständig sind und vom Freistaat Bayern finanziert werden.

Insgesamt stehen den etwa 40.000 Polizisten bayernweit 28 Polizeiseelsorgerinnen und -seelsorger zur Seite, die von den Bistümern und der evangelischen Landeskirche bezahlt werden.

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