10.12.2019
"Ethische Fragen bei Digitalisierung spielen wichtige Rolle"

Anna Heinrich zieht als eine der jüngsten Synodalen ins evangelische Kirchenparlament ein

Die bayerische Landessynode wird jünger und weiblicher: Das ist ein Ergebnis der Wahl zum evangelischen Kirchenparlament. Anna Heinrich zieht als eine der jüngsten Synodalen ein. Erst im Sommer machte die 23-jährige Jugenddelegierte der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) von sich reden, als sie während der Hitzewelle forderte, alle Kirchen zu öffnen, weil es hinter den dicken Mauern schön kühl sei. Auch für die Arbeit in der Synode hat sich die junge Frau einiges vorgenommen.

Frau Heinrich, was geht einem durch den Kopf, wenn man mit 23 Jahren zur Synodalen gewählt wird?

Anna Heinrich: Erst einmal ist die Freude groß, weil mir die Leute ihr Vertrauen geschenkt haben.

Wofür wollen Sie sich stark machen?

Heinrich: Ein Thema, das ich in Bayern gerne mehr voranbringen würde, ist die Frage der neuen Gemeindeformen.

Wie viel lassen wir links und rechts von der klassischen Kirchengemeinde zu und wie viel Spielraum haben wir innerhalb der Kirchengemeinde?

Das ist eine spannende Frage, um zu sehen, welche Zielgruppen wir erreichen können und welche Themen wir ausgestalten können.

An welche neuen Gemeindeformen denken Sie?

Heinrich: Vor kurzem saß ich mit ein paar Leuten am Abend bei einem Bierchen zusammen und wir haben über das Gebet gesprochen. Das war ein spannender Abend. Danach hat mich einer gefragt: Wie könnte man so etwas institutionalisieren? Ich habe gesagt: Keine Ahnung. Aber vielleicht ist es eine neue Form von Hauskreisen, weil wir einfach mehr Treffpunkte brauchen, um uns über den Glauben und die Themen, die uns aktuell beschäftigen, austauschen zu können.

Der "Arbeitskreis Evangelische Erneuerung" hat gefordert, dass sich die neue Synode verstärkt um das Thema Frieden kümmern müsse. Was sagen Sie dazu?

Heinrich: Dass sich Kirche zum Thema Frieden und Gerechtigkeit verhalten muss, das muss man nicht sagen, das gehört zu den Grundsockeln unserer Kirche. Aber eine sehr spannende Frage ist, wie utopisch Kirche dabei sein darf. Auf der einen Seite will sie glaubwürdig das Evangelium verkündigen, auf der anderen Seite aber natürlich auch ein gesellschaftlicher Akteur sein.

Wie utopisch und realitätsfern, aber vielleicht auch radikal und wichtig dürfen kirchliche Forderungen gerade zum Thema Frieden sein? Um dieses Thema und die sich anschließenden Fragen müssen wir immer wieder ringen.

In der neuen Synode wird es viele neue Gesichter geben. Sehen Sie darin eine Chance?

Heinrich: Ich glaube, es ist eine riesige Chance, aber es steht uns auch eine Menge Arbeit bevor. Im Arbeitskreis und in den Ausschüssen kriegt man schon mit, wer für welche Positionen steht. Aber es ist eine relativ lange Legislaturperiode, weshalb es wichtig ist, sich auch zwischenmenschlich kennenzulernen. Das heißt, ich werde vorher viel vorschlafen und während der Synodentagungen wenig schlafen, um alle kennenlernen zu können.

Sie waren schon als Gast auf den Synoden, was haben Sie vermisst?

Heinrich: In einem meiner beiden Masterstudiengänge beschäftige ich mich mit "Digitalen Geisteswissenschaften". Ethische Fragen rund um die Digitalisierung und die digitale Welt spielen da eine wichtige Rolle. Oft sprechen wir darüber, wie wir unsere Strukturen digitalisieren können. Das ist wichtig.

Unsere Landeskirche beschäftigt sich an einigen Stellen noch zu wenig damit, was das für uns als Menschen bedeutet, was es heißt, digital Mensch zu sein.

Das ist ein Thema, das wir in der neuen Synode vorantreiben könnten. Wir sollten uns Gedanken darüber machen, was es für uns als Christen bedeutet, eine "digitale Welt" zu bespielen. Wie schaffen wir es, das größte Potenzial aus dieser Welt zu holen und dabei niemanden abzuhängen? 

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